Ulm Lurchi-Zeichner Georg Nickel gestorben

Ulm / ABO 14.08.2015
Viele Jahre arbeitete der Grafiker Georg Nickel in Ulm - von 1977 bis 1988 gestaltete er hier "Lurchis Abenteuer". Nun ist der Zeichner gestorben.

Zwei Millionen betrug die Auflage zu Spitzenzeiten: Der gelb-schwarze Lurchi gehört zu den bekanntesten, gewiss auch beliebtesten deutschen Comic-Figuren. Und mehr als zehn Jahre lang hat der Grafiker Georg Nickel aus Ulm den Salamander-Schuhkonzern mit "Lurchis Abenteuern" versorgt.

Nickel wurde 1950 in Marktoberdorf geboren, als Sohn des Illustratoren Friedrich Nickel. Nach einer Schriftsetzerlehre studierte er an der Augsburger Hochschule für Gestaltung Gebrauchsgrafik. Er fand im Büro des großen Gestalters und Designers Otl Aicher in Ulm eine Anstellung, wurde dann Mitarbeiter der "Schwäbischen Zeitung", für die er Zeichnungen und Karikaturen anfertigte, arbeitete für Agenturen, aber auch als selbstständiger Grafiker.

Zu Lurchi kam er über Albert Drexler, der als freier Mitarbeiter bei Salamander für die Hefte zuständig war und sie Georg Nickel antrug. Der traute sich die Aufgabe zunächst nicht zu und delegierte drei Ausgaben an seinen Vater, bevor er im Januar 1977 mit Nummer 64 ("Lurchi und der Flughafen") die Reihe übernahm.

Bis 1988 sollte er - im Wechsel mit einem Kollegen-Team - für Ideen, Zeichnungen und Texte der Comic-Hefte zuständig bleiben, insgesamt gestaltete er 17 Ausgaben. Nickels Fantasie verdanken die Leser das "Lurchi-Land", zahlreiche märchenhafte Gestalten und liebevolle Reime. Er ließ den gewitzten Salamander in ferne Länder reisen ("Auf großer Fahrt"), nahm auch ernste Themen der Zeit ("Lurchi beim Müllfest") auf. Der Job war in der Vor-Computer-Ära "reine Handarbeit", erzählte Nickel einmal unserer Zeitung, "erst eine Schwarzweiß-Zeichnung anfertigen, dann auf Aquarellpapier übertragen und mit Aquarellfarben ausmalen".

Nach gut zehn Jahren Lurchi war es dann mal gut, "die Geschichten fangen ja mit der Zeit auch an, sich im Kreis zu drehen". Mit Heft 96 ("Lurchis Schulzeit") gab Nickel seinen Abschied, was die Mitglieder des Fanclubs aber nicht davon abhielt, ihn zu kontaktieren. Die im Esslinger Verlag erschienenen Lurchi-Sammelbände vermitteln noch heute einen Eindruck von Nickels Einfällen und Handwerk.

Er gründete in Ulm die Firma Computer Design Service, das Büro war in der Schuhhausgasse. Sein nachlassendes Augenlicht erschwerte ihm aber zunehmend die Ausübung seines Berufs. Die letzten Jahre lebte Georg Nickel in Senden. Dort ist er nun im Alter von 65 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.

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