Langenau Luise Kinseher mit dem Programm "Ruhe bewahren!" im Pfleghofsaal

„Wichtig ist am Ende nur, dass g’lacht wor’n is“, sagte Luise Kinseher im Pfleghofsaal.
„Wichtig ist am Ende nur, dass g’lacht wor’n is“, sagte Luise Kinseher im Pfleghofsaal. © Foto: Matthias Kessler
PETRA LEHMANN 16.09.2016
Als "Mama Bavaria" vom Nockerberg ist Kabarettistin Kinseher deutschlandweit bekannt. In Langenau trat sie mit ihrem Programm "Ruhe bewahren!" auf.

„Ich stell’ heute Abend überhaupt keine Anforderungen an Sie“, begrüßt Luise Kinseher ihr Publikum im ausverkauften Langenauer Pfleghofsaal. „Wichtig ist am Ende nur, dass g’lacht wor’n is.“

Das sechste Soloprogramm „Ruhe bewahren!“ der Niederbayerin bot dazu reichlich Gelegenheit, denn der Kabarettistin gelingt es, auch so grundsätzliche Themen wie Zeit, Zeitmangel und die Hektik der stressgeplagten Menschen mit ihrem Wortwitz und ihrer Liebe zur schrägen Perspektive herrlich durch den Kakao zu ziehen.

Die Rahmengeschichte ist folgende: Eine 47-jährige Singlefrau lernt im Fahrstuhl einen tollen Typen kennen, den sie „im internationalen Kunsthandel“ vermutet und dem sie ihre Handynummer zustecken kann, bevor sie vor ihm aussteigen muss. Nun wartet sie mit dem Publikum auf seinen Anruf und hat Zeit über Vergänglichkeit und Gegenwart zu sinnieren und über Geschlechterbeziehungen zu lästern.

Zur Seite stehen Kinseher zwei alte Bekannte aus früheren Programmen: die dauerbeschwipste „Mary from Bavary“ im Morgenmantel, die ein Stüberl einer Lounge vorzieht, sowie die Rentnerin Helga Freese aus dem hohen Norden mit getönter Brille und im beigen „Trench“. Beide Bühnenfiguren gelingen der 47-Jährigen prächtig, sorgen für Abwechslung und zahlreiche Lacher.

Helga berichtet gerne von ihrem dementen Heinz, der endlich mit allem einverstanden sei, denn „heute ist das so, wie ich das sag“. Marys Fitness besessene Freundinnen wollen sie immer zum Mitmachen überreden. Nach einer lustigen Yoga-Einlage spricht Mary nur verächtlich von „Gnadenhof-Gymnastik“, und auch das „Walden“ – äh Walken – mag sie nicht. Mary geht lieber ins Bierstüberl!

Kinseher streift den Klimawandel, die Flüchtlingskrise, den Wohnwahnsinn in München und viele Absurditäten der modernen Gesellschaft. Natürlich macht die Bavaria vom Nockherberg, wo Luise Kinseher seit 2011 beim Starkbieranstich den Politikern die Leviten liest, auch vor einigen politischen Anspielungen nicht halt.

Doch dann klingelt endlich das Smartphone. Der Aufzug-Lover ist in der Leitung. Nun hat die Dame es plötzlich ganz eilig, von der Bühne zu verschwinden. Jedoch nicht, ohne ein Rausschmeißer-Lied. Da heißt es nur noch: Ruhe bewahren!