Ulm Lokale in Ulm: Zwischen Rauchverbot und Qualmen auf der Toilette

Ulm / STEFAN BENTELE 28.06.2013
Laut einer Studie umgehen manche Gastronomen in Baden-Württemberg das Nichtraucherschutzgesetz in ihren Betrieben. Die SÜDWEST PRESSE hat sich in Ulmer Gaststätten, Cafés und Spielhallen umgesehen.
Etwa ein Viertel aller Gaststätten, Bars und Diskotheken in Baden-Württemberg bietet Gästen wie Mitarbeitern einen unzureichenden Nichtraucherschutz. Das hat eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (DKFZ) ergeben. Laut Studie verzichtet in Ulm mittlerweile die Mehrheit der Gastronomiebetriebe auf einen Raucherraum im Innenbereich. Die SÜDWEST PRESSE hat sich die jetzige Situation angeschaut.

Zu den rauchfreien Gaststätten zählt der Barfüßer am Lautenberg in Ulm. Ulrike Klar zapft in der Brauerei-Gaststätte mit 180 Sitzplätzen im Innenbereich bereits seit mehr als 20 Jahren Getränke. Und seit der baden-württembergische Landtag im Juli 2007 das Gesetz verabschiedet hat, genießt auch sie einen rauchfreien Arbeitsplatz. "Ohne den Zigarettendunst ist es auch für die Bedienung angenehmer, selbst als Raucher", sagt die 51-Jährige. Dass sich Gäste über das strikte Rauchverbot je beschwert hätten, habe sie nie erlebt. Und wer unbedingt rauchen möchte, müsse sich eben in den Außenbereich setzen oder kurz vor die Türe gehen.

Rauchen nur im Außenbereich, das gilt auch für Gäste im Gustaff in der Herrenkellergasse. "Ich hab' ja Essen im Angebot, deshalb ist das gar keine Überlegung", sagt Besitzerin Stefanie Aschoff mit Blick auf das Landesgesetz. Die 44-Jährige betreibt die Gaststätte seit etwa einem Jahr, hat aber bereits früher in der Branche gearbeitet. "Damals hat mich der Rauch nicht gestört", sagt Aschoff. Aber als Eigentümerin sei ihr auch der Nichtraucherschutz für die eigenen Mitarbeiter wichtig.

Im Restaurant Room in der Olgastraße hingegen ist Rauchen Teil des Konzepts, wenngleich strikt zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich getrennt wird. Im Innenbereich, gegenüber der Küche, gibt es einen Raucherraum mit Platz für acht Gäste. Wuchtige Ledermöbel, Klavier, Whiskey-Schrank und ein Humidor - ein hölzerner Behälter zur Aufbewahrung von Zigarren - stehen in dem Raum bereit. Hier wird mit Stil geraucht. "Es gibt auch Gäste, die hier drinnen essen", sagt Michael Mayer. Zum 1. Juli übernimmt er das Restaurant und hält die jetzige Regelung vor Ort für sinnvoll. Beschwerden habe es noch keine gegeben und Komplikationen im Betrieb mit der Küche seien ihm keine bekannt.

Im Bistro-Café Si in der Salzstadelgasse dagegen sitzen Raucher im Erdgeschoss, Nichtraucher eine Etage tiefer. Allerdings plant Pächter Morat Yaz, sein Bistro-Café mit etwa 45 Sitzplätzen weiter in Richtung Restaurant zu entwickeln. Von Herbst an will er die Raucher deshalb vor die Türe verweisen. "Ich als Raucher finde es gut, dort, wo man isst, nicht zu rauchen", sagt der 53-Jährige.

Ein gänzlich anderes Bild bietet sich Gästen der zahlreichen Spielhallen in Ulm. Weil Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren der Zutritt verboten ist und zudem keine Speisen ausgegeben werden, können die Betreiber das Nichtraucherschutzgesetz umgehen. Ein Raum für Nichtraucher "wäre aber manchmal nicht schlecht - es gibt ja manchmal welche von dieser Sorte", sagt eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte. Sie schätzt, dass etwa jeder zweite Gast während des Zockens regelmäßig zur Zigarette greift. Sogar auf den Toiletten der Spielhallen.