Auf den Vöhringer Stadtrat kommt noch vor Ende der Sommerpause eine unaufschiebbare Aufgabe zu: Bis 12. September muss das Gremium entscheiden, ob es zwei Bürgerentscheide gegen den Bau einer Moschee in einem Gewerbegebiet im Norden der Stadt zulässt. Der Termin ergibt sich aus der Ein-Monats-Frist, die gestern angelaufen ist: Am Mittwoch hat Stefan Heiß, der Vorsitzende von Pro Vöhringen, dem Hauptamtsleiter im Rathaus die Unterschriftenlisten gegen die Moschee übergeben.

Wie Heiß mitteilt, habe er um 10.40 Uhr an Hauptamtsleiter Jürgen Herzog 1745 Unterschriften für das Bürgerbegehren „Firmen in das Gewerbegebiet Vöhringen Nord“ und 1705 Unterschriften für das Bürgerbegehren „Keine Veräußerung städtischer Gewerbegrundstücke für nicht-gewerbliche Zwecke“ überreicht. Wie berichtet, zielt der Verein Pro Vöhringen mit seiner Doppelstrategie zum einen gegen die vom Stadtrat genehmigte Abweichung vom Bebauungsplan, wonach das Minarett die Gebäudeobergrenze von 10 Metern um 6 Meter überschreiten darf. Zweitens wird dagegen protestiert, dass die Moschee in einem Gewerbegebiet entstehen soll – denn diese Grundstücke seien ausschließlich für die Ansiedlung von Betrieben gedacht, die Gewerbesteuer bezahlen.

Heiß erklärt, es hätte gereicht, knapp 1000 Unterschriften zu sammeln. Doch der Andrang der Bürger sei „enorm“ gewesen. Hauptamtsleiter Herzog sagt, die Unterschriften würden nun im Einwohnermeldeamt geprüft. Auf den Listen unterzeichnen dürfen nämlich nur Vöhringer, die in der Stadt ihren Erstwohnsitz haben. Der Abgleich mit dem Melderegister werde einige Zeit dauern, da das Amt ja nebenher auch Publikumsverkehr zu bewältigen habe. Bis 12. September jedenfalls muss der Stadtrat über das Bürgerbegehren befinden.

Das Kommunalparlament hat dabei theoretisch freie Hand, es kann den Bürgerentscheid auch ausbremsen. Das gehe allerdings nur, erläutert Jürgen Herzog, wenn es dafür einen triftigen Grund gibt. Rechtlich geprüft werde im Vöhringer Rathaus deshalb nun auch, ob Bürgerbegehren zu den beiden genannten Themen überhaupt zulässig sind. Wie berichtet, hatte Pro Vöhringen bereits im Vorfeld einen Anwalt engagiert.

Er finde es schade, dass sich „einige Vöhringer“ gegen die Moschee stellen, sagt Ümit Arslan, der Vize-Vorsitzende des türkisch-islamischen Vereins. Er könne ja verstehen, dass Ängste in der Bevölkerung da sind, weshalb er ja jedermann zu einem Dialog eingeladen habe. Allein: Niemand sei gekommen. Nun soll es im Oktober einen Tag der offenen Moschee geben.

Das geplante Bauwerk im Norden der Stadt

Zweiter Anlauf Der Gebetsraum der geplanten Moschee an der Adalbert-Stifter-Straße bietet Platz für 300 Gläubige. Die Moschee soll neben der Kuppel ein 16 Meter hohes Minarett zieren. Dieses soll von Westen und Osten zu sehen, zur Innenstadt hin aber von einer Wand verdeckt sein. Die Kuppel soll die Akustik im Gebetsraum verbessern. Geplant ist nebenan ein Haus, das Platz bietet für einen Gemeinschaftsraum, für Schulungs- und Aufenthaltsräume sowie für eine Wohnung für den Imam. Geplant sind 34 Parkplätze. Den türkisch-islamischen Verein Vöhringen gibt es seit 35 Jahren, er hat 190 Mitglieder. Sie beten in einem umgebauten Lokal in der Brucknerstraße. Als der Verein 2010 einen Vorstoß für eine Moschee machte, gab es ebenfalls Protest.