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Probleme mit einer neuen Software machen dem Ulmer Schmierstoffhersteller Liqui Moly aktuell zu schaffen. Jetzt bricht der Gewinn ein.

Die Einführung einer neuen Firmensoftware bei Liqui Moly entwickelt sich zur Dauerbaustelle und hat dem Schmierstoffhersteller die Halbjahresbilanz verhagelt.  „Wären wir börsennotiert, müsste ich eine Gewinnminderungswarnung herausgeben“, sagt der Geschäftsführer des  zum Würth-Konzern gehörenden Unternehmens, Ernst Prost.

Jahrelang hatte das Unternehmen auf eine selbstgestrickte und speziell an die Bedürfnisse angepasste Software gesetzt – die allerdings langsam an ihre Grenzen stieß. Jetzt wurde diese durch eine Standard-Lösung, ein so genanntes Enterprise-Resource-Planning-System (ERP), ersetzt. Mit der Software werden Einkauf, Produktion und Versand gesteuert sowie Rechnungen gestellt. Sie ist daher von zentraler Bedeutung für Liqui Moly. Seit dem Wechsel zum Jahresanfang gab es massive Probleme, trotz Unterstützung durch renommierte Softwarehäuser.

Weltweite Wirtschaftsturbulenzen machen sich auch beim Ulmer Motorölhersteller Liqui Moly bemerkbar. Die Mitarbeiter erhalten 2019 eine deutlich geringere Prämie als in den Jahren zuvor.

Frust und Ärger bei den Kunden von Liqui Moly

Man könne immer noch nicht auf dem gewohnten Level produzieren und liefern, berichtet Prost. Bei den Kunden führe das zu Frust und Ärger. Prost in einer Mitteilung: „Ich habe mich in meinem ganzen Berufsleben noch nie so oft bei meinen Kunden entschuldigen müssen wie in den letzten sechs Monaten. Was wir zurzeit an Leistung abliefern, schmerzt mich zutiefst.“

Es gebe Mehrkosten für halbgefüllte Container, die Wartezeiten von Speditionen und Nachsendungen per Luftfracht. Auch die Kosten für die Umstellung mit täglich neuen IT-Fehlerquellen steigen enorm.

Probleme mit Software bringen Liqui Moly ins Schleudern

So sank der Umsatz bis Ende Juni im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 zwar nur leicht um 0,8 Prozent auf rund 260 Millionen Euro. Der hohe Auftragsbestand konnte nicht abgearbeitet werden. Der Ertrag fiel allerdings um fast ein Drittel auf elf Millionen Euro. Prost: „Ich hätte nie gedacht, dass eine Software­umstellung ein ganzes Unternehmen dermaßen ins Schleudern bringen kann.“

Liqui Moly war lange erfolgsverwöhnt: mit steigenden Umsatz- und Mitarbeiterzahlen und sehr hohen Bonuszahlungen.  Die Delle sei daher in keiner Weise existenzbedrohend, sagt Prost. „Blinden Aktionismus in Form von Kurzarbeit oder Stellenabbau wird es bei uns nicht geben.“ Man wolle auf Expansionskurs bleiben und Lehren aus dem IT-Debakel ziehen. So möchte Liqui Moly die Logistik durch den Bau eines neuen Zentrallagers vereinfachen. Prost zur Lage: „Der Sturm, den wir gerade erleben, ist viel stärker als vorhergesagt.“ Man wolle die Probleme aber bis Jahres­ende lösen.

Probleme für Liqui Moly nehmen zu

2018 erzielte Liqui Moly 544 Millionen Euro Umsatz, mit fast 900 Mitarbeitern. Allerdings machen wirtschaftliche Probleme weltweit dem Unternehmen zu schaffen: der Brexit, der Handelsstreit mit den USA oder die Lage in Ländern wie China und Venezuela. Im heißen Sommer 2018, als durch den niedrigen Stand auf dem Rhein der Schiffsverkehr unterbrochen wurde, mussten Lastwagen den Transport des Rohöls übernehmen. Dadurch stiegen die Transportkosten. Mit ein Grund, warum die Mitarbeiter 2019 eine deutlich geringere Prämie als in den Jahren zuvor erhalten hatten.

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