Vor wenigen Tagen wurde in Berlin ein beispielloses Konjunkturpaket beschlossen. Gezielte Maßnahmen im Umfang von insgesamt 130 Milliarden Euro sollen Beschäftigte und Familien unterstützen, Unternehmen stabilisieren, die Modernisierung des Landes voranbringen und dafür sorgen, dass Deutschland gestärkt aus der Corona-Krise hervorgeht.

Verglichen mit der Welt leben die Deutschen im Paradies

Der Ulmer Unternehmer Ernst Prost beobachtet diese staatliche Initiative zwiegespalten. Zum einen weiß der Liqui-Moly-Chef über seine vielen Kontakte in alle Welt, dass es Deutschland derzeit wirtschaftlich vergleichsweise gut geht.

Aus seiner Sicht ist das auch ein Verdienst der Demokratie und der nur so denkbaren sozialen Marktwirtschaft. In Südamerika oder Afrika herrsche beispielsweise überall Korruption. Es gebe keine Rechtsstaatlichkeit. „Verglichen damit sind wir im Paradies“, sagt Prost.

Staatliche Hilfen zeigen auch das Schlechte am Kapitalismus

Andererseits ärgert sich der 63-Jährige aber auch über die Anspruchshaltung vieler Unternehmer in Deutschland, die nun mit Kurzarbeit und Staatshilfen unterwegs sind. Da würden Gewinne privatisiert, Dividenden ausgeschüttet und dann Kurzarbeitergeld beantragt. Prost: „Das ist doch eine Sauerei.

Der Liqui-Moly-Chef nennt das „schlechten Kapitalismus“. „Typischerweise schreien jetzt genau die Unternehmen nach staatlicher Hilfe, die davor gegen zu viel Staat gewütet haben“, kritisiert der Geschäftsführer des Ulmer Herstellers von Additiven, Schmierstoffen und Motorenölen.

Die Demokratie darf nicht schlecht geredet werden

Noch mehr ärgert sich Prost allerdings über jene Staatsbürger, die an den Anti-Corona-Demonstrationen teilnehmen und das mit dem Verlust ihrer Freiheitsrechte begründeten. „Gesundheitswesen, Sozialstaat, Bürgersinn, Infrastruktur, Kunst und Kultur, Meinungsfreiheit. Jetzt demonstrieren Leute, dass wir angeblich in einer Diktatur leben, die haben sie nicht alle“, schimpft der Unternehmer. Und dann etwas gefasster: „Okay, man darf hier alles sagen, auch solche Leute. Aber bitte: Deutschland nicht schlecht reden!