Neue Straßenbahn Linie 2: Testfahrt auf den Eselsberg

Ulm / Christine Liebhardt 03.12.2018
Rechts strampeln Radler, von vorne kreuzen Autos: Auf der neuen Strecke müssen Tramfahrer einiges beachten.

3, 2, 1 – und los geht’s. Als die Ampel an der Kreuzung Karlstraße/Neutorstraße der Straßenbahn freie Fahrt anzeigt, hat Marco Maidel schon Gas gegeben, und der Avenio surrt in Richtung Eselsberg. „Der neue Countdown ist dafür da, dass alles ein bisschen schneller geht“, erklärt Maidel. Der allerdings gar kein Straßenbahnfahrer ist, sondern Industriemechaniker in der Werkstatt der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU), genau wie sein Kollege Lukas Klein.

An einem Nebelmorgen schult ihr Chef Jürgen Späth seine beiden Mitarbeiter auf der neuen Strecke der Linie 2. „Falls mal was passiert, müssen wir das Fahrzeug bergen“, sagt Maidel. „Dann müssen wir es fahren können.“ Deshalb die Einweisungsfahrt. Späth ist inzwischen schon oft auf der Strecke gefahren und weiß, an welchen Stellen es knifflig werden kann.

Dieses Wissen gibt er weiter. Auf dem Fahrradstreifen im Mähringer Weg strampelt sich eine junge Frau rechts der Tram den Berg hoch. „Klingel mal“, fordert Späth Maidel auf. „Und nochmal.“ Die junge Frau hat das Signal offensichtlich wahrgenommen, sie zieht näher an den Gehweg ran.

Die Auffassungsgabe der Autofahrer scheint derweil nicht ganz so hoch zu sein. Vielleicht müssen sie sich aber auch einfach noch an den neuen Verkehrsteilnehmer gewöhnen. Sowohl auf der neuen Kienlesbergbrücke als auch oben an der Uni stehen an den Stellen, an denen die Bahn auf den Individualverkehr trifft, Andreaskreuze. „Das ist ein Bahnübergang, da hat die Straßenbahn immer Vorfahrt“, versichert Späth seinen Mitarbeitern. Was die Autofahrer nicht so richtig interessiert – sie kreuzen munter weiter. „Man muss da wirklich vorne ran fahren und signalisieren: Ich will hier durch und ich habe Vorfahrt“, sagt Späth. „Wenn Sie da fünf Meter weg stehen, dann halten die nicht an.“ Und dann gibt es noch die ganz Unverfrorenen wie den Motorradfahrer, der neulich nicht nur verbotenerweise auf die Kienlesbergbrücke gefahren ist, sondern außerdem die Tram, die dort auf Testfahrt war, mal eben noch überholt hat.

Noch stehen viele Baustellenfahrzeuge und Kleinbagger auf den Schienen, letzte Arbeiten entlang der Strecke sind noch zu erledigen. Immer wieder muss Maidel deshalb die Tram anhalten und warten, bis der Weg frei ist. Trotz dieser Hindernisse ist man gefühlt in Rekordzeit oben an der Uni. Dieses Gefühl trügt nicht: Mit dem Bus braucht man fast zwanzig Minuten vom Hauptbahnhof zur Uni. „Die Fahrzeit mit der Linie 2 wird nur zehn Minuten betragen“, wirbt Späth für die neue Verbindung. Und sieht ziemlich glücklich dabei aus.

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Mitarbeiter der Werkstatt der Stadtwerke sind auf der neuen Strecke geschult worden. Sie müssen die Bahn bergen können, falls mal etwas kaputt gehen sollte.

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