Linie 2 Linie 2: Sorge vor dem neuen Nadelöhr

Ulm / Harald John 17.02.2017

Einstimmig – das Votum des Gemeinderates zur Zwischenbilanz der Linie 2 war am Ende eindeutig. Trotz der Kostensteigerungen von rund 24 Millionen Euro. Und doch gab es  im Verlauf der rund zweistündigen Debatte am Mittwochabend im Rathaus auch kritische Stimmen.

Vor allem Timo Ried von den Freien Wählern machte auf die Gefahren der Baustellen, die von März an die Zufahrt zur Innenstadt behindern werden, aufmerksam: „Am Kuhberg ist schon eine Apotheke draufgegangen, da liegt vieles im Argen.“ Angesichts der geplanten Baustellen  an der Ecke Olga-/Neutorstraße und in der Wagnerstraße könne es nicht sein, dass „wir alle Herzkranzgefäße gleichzeitig verschließen“, denn dann sei die City als „das Herz Ulms“ in akuter Gefahr. Baubürgermeister Tim von Winning sagte mit Blick auf die geplanten Sperrungen und Umleitungen: „Die Kunst wird es sein, dass die Leute trotzdem kommen. Vielleicht zu anderen Zeiten, vielleicht mit anderen Verkehrsmitteln.“ Timo Ried, Inhaber der Ried-Apotheken, hielt dagegen, dass für den Innenstadthandel schon einige Wochen Umsatzrückgang existenzbedrohend sein könnten: „Das ist anders als im öffentlichen Dienst.“

Karin Graf von der CDU nahm die finanziellen Risiken in der zweiten Halbzeit des Baus der Linie 2 ins Visier. Angesichts der Steigerung der Planungskosten sowie der ungeklärten Schadenersatzansprüche Ulms wegen der Verzögerung der Kienlesbergbrücke fragte Graf: „Können Sie uns Planungssicherheit geben?“ Das könne man nie vor dem Ende eines Projektes, so OB Gunter Czisch, „aber wir sind auf einem guten Weg der Beherrschbarkeit“. Er schlafe jedenfalls deutlich besser als zum Start des ehrgeizigen Projektes, das im Dezember 2018 abgeschlossen sein soll.

Auch an Photovoltaik denken

Wegen des veränderten Mobilitätsverhaltens plädierte Stadtrat Siegfried Keppler (CDU) dafür, möglichst viele Auto- und Fahrradparkplätze an die Endhaltepunkte der Linie 2 zu bringen, nur dann könne das Park&Ride-System für Besucher von außerhalb funktionieren.

Die Grünen-Stadträtin Birgit Schäfer-Oelmayer empfahl der Stadt, bei einem künftigen Betriebsgebäude für die Bahnen der Linie 2 an eine Photovoltaikanlage zu denken. Und ihre Kollegin Helga Malischewski von den Freien Wählern fragte nach der Videoüberwachung in den neuen Wagen. Das konnte Ralf Gummersbach, der zuständige Abteilungsleiter für Infrastruktur bestätigen: „Auch die neuen Avenio M-Fahrzeuge sind mit Videokameras ausgerüstet.“

 OB Gunter Czisch freute sich über die zügigen Fortschritte der Arbeiten an der neuen Straßenbahn und die gute Information der Bürger durch die „Baustellen-Sozialarbeiter“ der SWU. Sein Fazit für die zweite Halbzeit der Linie 2: „Ich hoffe, dass die Anwohner noch durchhalten.“