Ulm / HANS-ULI THIERER  Uhr
Viele Fragen, zielgerichtet und en detail, aber keine Grundsatzbedenken: Die Ulmer scheinen die Straßenbahnlinie 2 zu akzeptieren. Sie werden auf gehörige Verkehrs-Beeinträchtigungen bis Ende 2018 eingestimmt.

Wie ist das nun während der Bauzeit am Römerplatz? Hält sich auch die Tram an Tempo 30? Wo fährt während der Bauzeit der Vierer am Kuhberg? Wie ist das mit Wendeschleifen und der Umsteigerei am Busbahnhof? Und komm’ ich da noch zu meiner Haustür raus?

Solche Fragen prasselten aus einer gut 100köpfigen Zuhörerschaft auf die Ulmer Bau- und Verkehrskompetenz ein, die da am Dienstag beim Infoabend zur neuen Straßenbahnlinie 2 auf der Bühne im Kornhaussaal versammelt war. Als da wären neben dem moderierenden Baubürgermeister Tim von Winning: Torsten Fisch als Leiter der Task Force Linie 2; dazu das SWU-Trio Klaus Eder (Gesamtchef), Ingo Wortmann (Verkehrschef) und Ralf Gummersbach (Projektchef Linie 2).

Da war auch – zur Begrüßung und dann als Zuhörer – Oberbürgermeister Ivo Gönner. Der Mann ist bekanntlich ausgestattet mit eingebauter Sensorik für Stimmungslagen, hat das Ohr am Nerv der Leut’. Am Dienstag machte Gönner aus: Im Publikum sitzen keine ausgemachten Kritiker des 220 Millionen teuren Straßenbahn-Projekts. Nicht zu vergleichen mit 1999, als das am Ende gescheiterte Fünf-Linien-Konzept zur Diskussion gestanden hatte und solche Info-Veranstaltungen in Glaubenskriege ausarteten.

Diesmal dagegen also zwar viele auf Details fokussierte Fragen, heruntergebrochen auf die Situationen, mit denen Anlieger der neuen Trassen auf den Kuhberg und auf den Eselsberg konfrontiert sind. Aber: kein Grundsatzstreit.

Gönner und Wortmann nutzten die positive Grundstimmung, die herrscht in der Stadt für die Linie 2, um die Anwesenden einzustimmen auf das unvermeidliche Chaos. Ja, da redeten die Protagonisten von Stadt und SWU erst gar nicht um den heißen Brei herum: Es wird während der intensiven Bauzeiten von 2016 bis Mitte/Ende 2018 phasenweise zu Konfusion, womöglich ein wenig gar zu Anarchie im Stadtverkehr kommen. „Zu Einschränkungen, Beschränkungen, Umleitungen, zu Umleitungsverkehr“, wie der OB es wortgewaltig beschrieb.

Zuspitzen wird sich alles großräumig vor und um den Hauptbahnhof. Dort wird nicht nur die Linie 1 ertüchtigt, die dann am Theater abbiegt in die Neutorstraße. Dort entsteht auch eine Tiefgarage. Dort läuft die Baustellenabwicklung der Sedelhöfe. Dort wird, schräg gegenüber vom Theater ganz unten in der Olgastraße, der Neubau der städtischen Bürgerdienste hochgezogen.

„Es wird diese und jene, selle und sotte Probleme geben. Ganz sicher. Aber das ist alles keine Schikane. Die Maßnahmen bilden die Basis, dass in Ulm weiter investiert wird. Und 2018 ist das dann alles fertig“, sagte Gönner. Um gleich zu relativieren: „Danach beginnt die Neugestaltung des Bahnhofsgeländes und des Vorplatzes. Und nicht zu vergessen: der Durchstich zur Schillerstraße.“
 

Designer entwickelt die Ulmer Avenio-Straßenbahnwagen weiter

Wagen In zwei Jahren wird das erste Fahrzeug der bei Siemens bestellten Straßenbahnwagen des Typs Avenio in Ulm eintreffen. Sie lehnen sich an die Optik des heutigen Combino an und haben doch einen neuen Look. Designer Martin Hannig: „Das wird vor allem an der Frontpartie sichtbar sein.“

Außen Der Designer vom Elchinger Büro Busse sagt, der Avenio behalte die Farben Blau, Hellgrau, Weiß, verzichtet aber auf das „Auge“ an Front und Heck. Die Frontpartie geht direkt in die Seitenprofile über. Außerdem gibt es einen Doppelschein- statt des Einzelscheinwerfers, jetzt mit LED-Licht.

Innen Die Einzeltüren vorne und hinten sind auf 80 Zentimeter verbreitert. Die Durchgänge über den Fahrwerken sind großzügiger ausgelegt als heute. Neu bietet der Avenio außerdem einige auf 70 Zentimeter verbreiterte Einzelsitze (Mutter- Kind-Sitze) neben der Standard-Sitzbreite von 45 Zentimetern.

Namen Die neuen Wagen werden die Nummern 51 bis 62 tragen – und wie die Combinos Namen erhalten. „Diese Tradition führen wir gerne fort“, so SWU-Verkehr-Chef Ingo Wortmann. Mit dem Stadtarchiv werden Namen von Persönlichkeiten gesucht, die mit der Stadt Ulm verbunden waren.