Der Flugzeugbauer Boeing hatte es in letzter Zeit wegen der Probleme mit dem Flieger 737 Max schwer. Jetzt gibt es wieder eine gute Nachricht für den US-Konzern: Boeings neuer Großraumjet 777X hat seinen Erstflug erfolgreich absolviert: Der Passagierjet, der besonders wenig Treibstoff verbrauchen soll, sei am Samstag (Ortszeit) auf dem Flugplatz Paine Field in Everett im US-Staat Washington gestartet und nach drei Stunden und 51 Minuten Flug über dem Bundesstaat wieder auf dem Werksgelände gelandet, berichtet Boeing in Seattle mit.

Spannung in Everett: Mitarbeiter von Boeing versammelten sich auf dem Flugplatz, um den Erstflug des neuen Boeing-Modells 777X mit Technik von Liebherr zu beobachten.
Spannung in Everett: Mitarbeiter von Boeing versammelten sich auf dem Flugplatz, um den Erstflug des neuen Boeing-Modells 777X mit Technik von Liebherr zu beobachten.
© Foto: Ted S. Warren/AP/dpa

Das Besondere an dem Flieger sind die hochklappbaren Flügelspitzen: Um auf Flügen Treibstoff zu sparen, wurde die Spannweite auf 71,75 Meter deutlich erweitert. Damit die Jets trotzdem noch in die Gates passen, kann man die Spitzen hochklappen. Die Spannweite beträgt dann nur noch 64,82 Meter, also fast sieben Meter weniger.

Eine wesentliche technische Neuerung: Die klappbare Flügelspitze einer Boeing 777X. An der Umsetzung ist Liebherr beteiligt.
Eine wesentliche technische Neuerung: Die klappbare Flügelspitze einer Boeing 777X. An der Umsetzung ist Liebherr beteiligt.
© Foto: Ted S. Warren/AP/dpa

Teile von Liebherr im neuen Boeing-Flugzeug

An der erfolgreichen Flugpremiere und dem besonderen Flügelklappen-System hat auch der Biberacher Liebherr-Konzern teil, heißt es in einer Mitteilung. Die Konzernsparte Liebherr-Aerospace hat die Technologie der Klapp-Flügelenden umgesetzt. Auch an Bauteilen der 777X ist Liebherr beteiligt. Die Sparte Aerospace wurde bei dem Passagierflieger beauftragt für die Herstellung gleich mehrerer Systeme. Das sind:

  • Flügelenden-Klappantriebssystem
  • Hauptfahrwerkssteuerungssystem
  • Stellantriebe
  • Hydraulikmotor
  • Zentrale Antriebseinheit für die Vorder- und Hinterkantenklappen des Flügels

In der Mitteilung heißt es, Liebherr fertige die Flügel-Hinterkantenklappen-Antriebe nach Zeichnungsvorlagen von Boeing (Built-to-Print) an, während Boeing für die Flügel-Vorderkantenklappen-Antriebe Liebherr-Aerospace mit der Konstruktion und Herstellung der Geräte (Built-to-Spec) beauftragte.

Liebherr-Aerospace beliefert auch andere Boeing-Flugzeugprogramme. Das sind

  • 747-8
  • 777
  • 777-200LR
  • 787
  • KC-46
  • MH-139.

Die zweistrahlige 777X, deren Varianten 777-8 und 777-9 sich in Größe und Reichweite unterscheiden, ist eine Weiterentwicklung der 777-Baureihe. Die ersten Flugzeuge der 777X-Reihe sollten eigentlich schon Mitte 2020 ausgeliefert werden, doch Boeing musste den Termin aufgrund von Problemen mit dem Triebwerk verschieben. Nun gehen die ersten Jets 2021 an die Kunden. Es gibt bisher 340 Bestellungen, Großkunden sind neben der Lufthansa und Emirates, Qatar Airways, Etihad, die japanische ANA sowie Cathay Pacific, British Airways und Singapore Airlines.

Die Daten der Boeing 777X

Die Variante 777-9 kostet Listenpreis 442,2 Millionen Dollar. Das sind etwa 401 Millionen Euro.

  • Sitzplätze: 426
  • Reichweite: bis zu 13.500 Kilometer
  • Länge: 76,72 Meter
  • Spannweite normal 71,75 Meter
  • Spannweite eingeklappt: 64,82

Youtube Erster Flug des neuen Jets

Das ist Liebherr Aerospace

Liebherr Aerospace ist Zulieferer von Systemen für die Luftfahrtindustrie. Man arbeite eng mit den Ingenieuren von Boeing zusammen, um die Systeme und Komponenten zu konstruieren, herzustellen und zu testen, berichtet Dr. Klaus Schneider, Geschäftsführer von Liebherr Aerospace in Lindenberg. Für die Tests habe man in Lindenberg ein neues Gebäude mit einem Systemprüfstand gebaut. Diese Anlage entspricht der Größe des Flugzeug-Flügels. Auf dem Prüfstand testet Liebherr zum Beispiel den weltweit größten Drehantrieb für den Einsatz in der kommerziellen Luftfahrt.

Liebherr-Systeme für militärischen und zivilen Bereich

Das Spektrum von Liebherr-Luftfahrtausrüstungen für den zivilen und militärischen Bereich reicht Firmenangaben zufolge von Flugsteuerungen und Betätigungssystemen über Fahrwerke und Luftsystemen bis hin zu Getrieben und Elektronik. Eingesetzt würden die Systeme in Großraumflugzeugen, Zubringerflugzeugen und Regionaljets, Business Jets, Kampfflugzeugen, Militärtransportern, militärischen Trainingsflugzeugen sowie in zivilen und militärischen Hubschraubern.

Die Liebherr-Sparte Aerospace und Verkehrstechnik beschäftigt insgesamt rund 5800 Mitarbeiter in vier Produktionsstätten für Luftfahrtausrüstungen. Das sind

  • Lindenberg (Deutschland)
  • Toulouse (Frankreich)
  • Guaratinguetá (Brasilien)
  • Nizhny Novgorod (Russland).

Seit März gilt ein weltweites Flugverbot für die 737 MAX, nachdem bei zwei Abstürzen von Maschinen dieses Typs in Indonesien und Äthiopien insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren. Ermittler vermuten, dass die Unglücke mit einem Stabilisierungssystem zusammenhängen, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt.