Ulm Liebesschwüre in der Abstellkammer

Hier irgendwo, also nicht mitten in der Petersilie, aber zumindest in der direkten Umgebung, wird die Klangskulptur installiert - wenns der Spediteur richten kann. Foto: Volkmar Könneke
Hier irgendwo, also nicht mitten in der Petersilie, aber zumindest in der direkten Umgebung, wird die Klangskulptur installiert - wenns der Spediteur richten kann. Foto: Volkmar Könneke
Ulm / RUDI KÜBLER 26.09.2012
Der 1. Skulpturen-Sommer war ein Erfolg - 27 Künstler stellten aus. Peinlich nur: Eine Skulptur lag den Sommer über beim Spediteur.

"Das Geheimnis der Kunst liegt darin, daß man nicht sucht, sondern findet." Pablo Picasso (1881-1973), spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer

Wenn man sie dann findet, die Kunst, dann ist alles gut. Wie auch im Fall von Frank Raendchen, der Monate brauchte, bis er die Kunst fand. Aber jetzt hat er sie - naja, fast. Da sind lediglich noch ein paar Imponderabilien, aber es sehe gut aus, sagt zumindest der Spediteur.

Was Kunst und Spediteure miteinander zu tun haben, erschließt sich nicht sofort; wie so oft steckt auch hinter der Beziehung eine Geschichte, die Geschichte des vergessenen Kunstwerks. Und die liest sich folgendermaßen: Frank Raendchen, Bildhauer und Leiter des Künstler-Ateliers im Musischen Zentrum der Uni Ulm, hatte den 1. Skulpturen-Sommer initiiert, eine vielbeachtete Ausstellung im Botanischen Garten mit Werken von 27 Künstlern. Drei Monate lang präsentierten sie ihre Skulpturen mitten in der Botanik, sehr zur Freude der Besucher, die bisweilen zwischen Bäumen, hohem Gras und Blumenbeeten nach der Kunst suchen mussten - aber sie irgendwie denn auch immer fanden. Mit einer Ausnahme: Valentin Rothmalers "Botanische Liebesschwüre".

Von der Klanginstallation war weder etwas zu sehen noch zu hören, drei Monate lang. Sie galt als verschollen. Bis vor kurzem jedenfalls, denn jetzt, quasi über Nacht, tauchte sie auf - und wird pünktlich zur Finissage installiert. Verspricht Raendchen, der das ganze Tohuwabohu um das Rothmalers Werk mit einer Portion Galgenhumor erträgt. "Soll ich etwa das große Fass aufmachen?", fragt er. Nein, das kleine reicht, und das heißt: Die Klangskulptur des Plöner Künstlers war bei einer Hannoveraner Spedition gelagert, "in einer Abstellkammer". Dort lag sie und lag sie und . . . - sehr zum Missfallen Rothmalers, der am Telefon "not amused" gewesen sei, wie der Ulmer Ausstellungsleiter berichtet.

Aber jetzt wird alles gut. Am Sonntag, 19 Uhr, ist Finissage. Und wenn der Spediteur den Botanischen Garten findet, dann erklingen die Liebesschwüre: von Liebesgrass, Mannstreu und Venuskamm . . .