Buch LIebeserklärung an Büropflanzen

Das ist Ute, „die unter Tagträumen leidet“.
Das ist Ute, „die unter Tagträumen leidet“. © Foto: Frederik Busch
Ulm / Magdi Aboul-Kheir 10.09.2018

Als Erstes zu nennen sind Heidrun und Andrea. Das waren zwei wichtige – nein, nicht Frauen – Gummibäume im Leben von Frederik Busch. Später kamen noch so viele andere Gewächse hinzu, die das Auge des Medienkünstlers bannten, dass er den Band „German Business Plants“ veröffentlichen konnte. Dieses Buch über, wie Busch den Titel artgerecht übersetzt, „Betriebspflanzen aus Deutschland“, stellte er nun bei Aegis vor – als anregende Veranstaltung des „Gummibaum Projects“, zu dem das originelle Werk bestens passt.

Tatsächlich beginnt die Geschichte mit einem Dia aus den 50ern: Buschs Stiefgroßmutter auf einem Sofa, den Blick auf ihre neue Schefflera-Pflanze gerichtet. Es war eine Zeit, als exotische Pflanzen erschwinglich wurden: Drachenbäume, Yuccas, Orchideen und eben Gummibäume. Statussymbole waren das damals, die Gummibäume, „die man heute für 4,99 im Möbelhaus kauft, Produkte statt Lebewesen“.

Als Busch später für Auftragsarbeiten in Firmen und Bürogebäuden fotografierte, fiel sein Blick immer wieder auf solche Pflanzen. Er erkannte sie als Figuren, als Charaktere, gab ihnen Namen wie eben Heidrun und Andrea, machte Bilder von ihnen. „Sie sind wie Skulpturen, die sich aber ganz langsam bewegen, zum Licht oder zur Decke wachsen.“

Busch hat diese Pflanzen als Porträts in Szene gesetzt und mit knappen Charakterisierungen versehen. Da lernt man dann Hildegard kennen, „die sich Sorgen um ihre Aura macht“, und Irene, „die sich überschätzt hat“.

Die Bilder waren schon als Ausstellungen zu sehen, und das Buch wurde sogar in der „New York Times“ ausführlich gewürdigt. Die präzisen, oft geradezu zärtlichen Beobachtungen und die treffenden menschlichen Projektionen machen den Band zu einem geistreichen, liebenswerten, oft profund komischen, aber manchmal auch melancholischen Vergnügen.

Info Frederik Busch: German Business Plants. Kehrer, 128 Seiten, 28 Euro.

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