Regierungspräsident Herrmann Strampfer hat die Schutzgebietsverordnung unterschrieben. Damit ist der "Lichternsee" im Ulmer Donautal - in Nachbarschaft des bestehenden Naturschutzgebietes Gronne - endlich als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden. Die Untere Naturschutzbehörde hatte bereits 1996 den Antrag in Tübingen gestellt. "Durch Verkündigung im Gesetzblatt wird die Verordnung Anfang 2015 rechtskräftig." Das teilt das Regierungspräsidium Tübingen ganz förmlich mit.

Umso menschlicher reagierte Dr. Dieter Fortmann, der Ulmer Kreisvorsitzende des BUND, auf die Nachricht. "Ist ja doll! Dies durchzubringen, waren 15 Jahre Kampf für mich, da ich noch nicht so lange dabei bin." Wichtig sei den Umweltschützern immer gewesen, dass der Damm zwischen Lichternsee und Donau nicht von der Allgemeinheit betreten werden kann.

Das neue Naturschutzgebiet liegt an der Donau zwischen Ulm-Gögglingen und dem Industriegebiet Donautal. Es umfasst eine Fläche von 92 Hektar. Hauptbestandteile sind der Lichternsee mit seinen Ufer- und Vorlandbereichen, das Altwasser "Kleine Gronne" sowie ein rund zwei Kilometer langer Abschnitt der Donau. Der Lichternsee selbst ist ein ehemaliger Donau-Altarm, der in der Nachkriegszeit ausgebaggert und später erweitert wurde.

Eine hohe Bedeutung kommt den beiden Naturschutzgebieten als Überwinterungsort sowie als Rast- und Nahrungsraum für Zugvögel zu, begründet das Regierungspräsidium seine Entscheidung. So lassen sich oft schon vom Fußgängersteg aus Wasservögel wie Knäkente, Tafelente, Reiherente, Gänsesäger und Zwergtaucher beobachten. Spezielle Brutflöße im See würden von der seltenen Flussseeschwalbe genutzt.

Diese Flöße wiederum sind das Verdienst des langjährigen ehrenamtlichen Naturschutzwarts Roland Maier. Er kennt die Gronne und ihr Umfeld bereits seit Ende der 50er Jahre und somit wie seine eigene Hosentasche. Sein Kommentar zur neuen Nachricht: "Wir warten ja schon lange drauf." Denn Gronne und Lichternsee seien nun mal eine ökologische Einheit. Künftig sei es wichtig, dass auch kontrolliert wird, ob sich alle an die Regeln halten.

Wie das Regierungspräsidium auflistet, werden die Naherholungssuchenden auf vorhandene Wege gelenkt, mit genügend Abstand zum Ufer. Im Norden des Lichternsees bleibt zudem das Baden erlaubt. Auch die Angelfischerei ist an vielen Uferabschnitten weiterhin möglich. Jedoch sollten alle Nutzer Rücksicht auf Brut- und Rastvögel nehmen, so besteht vor allem eine Leinenpflicht für Hunde.

An vegetationsarmen Steilwänden des Donauzuflusses brütet regelmäßig der Eisvogel. Nur selten anzutreffen, als bedrohte Arten aber bemerkenswert, sind Wasserralle, Bekassine und Rohrschwirl. Für diese und weitere, an Gewässer gebundene Vogelarten, sollen künftig Lebens- und Rückzugsräume erhalten und entwickelt werden wie möglichst ungestörte Gewässerufer mit Röhricht, Hochstauden und Weidengebüschen sowie offene Wasserflächen. Auch seltene Amphibien, Libellen und Tagfalter sowie eine artenreiche Fischfauna sind Schutzzweck des neuen Naturschutzgebietes "und werden künftig besonders gefördert", heißt es.

Die Ulmer Bürger seien "sehr frühzeitig und weit über das gesetzlich gebotene Maß hinaus in das Verfahren für die Schutzgebietsausweisung einbezogen" worden. Die Stadt Ulm brachte einen Großteil der Flächen ein. Mit privaten Anrainern und Nutzergruppen, insbesondere aus Fischerei, Jagd und Landwirtschaft seien intensive Gespräche geführt worden. Dabei wurde aber auch heftig gestritten zwischen Vogelschützern und Ulmer Fischern (siehe Info-Kasten).

Vorsitzender des Fischereivereins nicht begeistert

Reaktion "Das war klar, dass das irgendwann kommt." Nicht gerade begeistert hat Jürgen Springer, der Vorsitzende des Fischereivereins Ulm/Neu-Ulm 1880, auf die Nachricht reagiert, dass der Lichternsee ab dem Jahreswechsel unter Naturschutz steht. "Wir halten die Ausweisung für einen hausgemachten Blödsinn, weil das Gebiet von großen Straßen umgeben ist und neben einem Industriegebiet liegt." Nun habe halt bei den Entscheidungsträgern das Argument gesiegt, dass Angler die Vögel stören.

Vorgeschichte Die Fischer wollten sich nicht vertreiben lassen und hatten unter anderem die SPD-Rathausfraktion zu Ortsbegehungen eingeladen und um Schützenhilfe gebeten. Springer: "Wir hatten 2013 heftige Verhandlungen mit den Naturschützern."

SWP