Versorgung Neues Gebäude für den Reha-Verein

Ansprechende Architektur: das sechsstöckige Gebäude für psychisch erkrankte Menschen des Reha-Vereins.
Ansprechende Architektur: das sechsstöckige Gebäude für psychisch erkrankte Menschen des Reha-Vereins. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Rudi Kübler 03.05.2017
In Kürze werden die ersten psychisch erkrankten Menschen in den Neubau des Reha-Vereins in der Hauffstraße einziehen. Die PEG hat als Bauherrin eine ansprechende Architektur geschaffen.

Eigentlich hätten diese Woche die ersten Bewohner einziehen sollen. Eigentlich. Daraus wird nichts, ein Wasserrohrbruch durchkreuzte vor rund drei Wochen die Pläne des Reha-Vereins, die sozial­psychiatrische Einrichtung im Dichterviertel Anfang Mai zu eröffnen. Mitte/Ende Mai aber sollten die Arbeiten abgeschlossen, das Haus bezugsfertig sein.

Hauffstraße 17 – so lautet die neue Adresse für 30 psychisch erkrankte Menschen. Für Menschen, die nicht alleine leben können, sondern einer Betreuung durch Fachkräfte bedürfen. „Unser Konzept ist, psychisch Erkrankten mitten in der Stadt Wohnmöglichkeiten anzubieten. Die Menschen sollen so normal wie möglich leben“, sagt Heiner Schrottenbaum. Wohnortnah eben, so der Geschäftsführer des Reha-Vereins, und mit dem Ziel, sie nach einem individuell auf die Person abgestimmten Aufenthalt in der Einrichtung dazu zu befähigen, wieder ein selbstbestimmtes, eigenständiges Leben führen zu können. Individuell abgestimmt heißt: Die Auszeit kann Monate dauern – aber auch Jahre. Wobei letzteres eher die Ausnahme ist, sagt Schrottenbaum.

Neuland betritt der Reha-Verein erstmals mit so genannten geschlossenen Plätzen. Sieben der 30 Zimmer in der Hauffstraße 17 werden für Menschen vorgehalten, die von Richtern für eine bestimmte Zeit in die Einrichtung eingewiesen werden. Beispielsweise weil sie aufgrund einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung als selbstgefährdend gelten. Der Aufenthalt kann je nach Einschätzung des Richters bis zu einem Jahr dauern. „Wenn die Personen stabil sind, kann die Unterbringung auch wieder aufgehoben werden. Das ist natürlich unser Ziel. Wir sehen, wenn sich die Situation verbessert. Der Kontakt ist ja eng“, sagt Schrottenbaum, der in Bezug auf dieses Klientel mit der Uni-Psychiatrie zusammenarbeitet. Nicht zuletzt hätten die Mediziner vom Safranberg auf die geschlossenen Plätze gedrängt, um die Ulmer Patienten auch in Ulm versorgen zu können und ihnen somit längere Aufenthalte im Allgäu oder im Schwarzwald zu ersparen. Zwei Anfragen für die 14 Quadratmeter großen Zimmer, die licht und luftig sind, gebe es bereits jetzt.

Sieben Wohngemeinschaften und drei Appartements sind in dem Haus entstanden, das die Fassaden der Nachbarhäuser mit ihrer Backstein-Optik aus der Zeit um 1900 aufnimmt. Die Baukosten für das Gebäude, das die Architektin Margret Perl von der Projektentwicklungsgesellschaft Ulm (PEG) entworfen und gemeinsam mit dem Reha-Verein auf die Bedürfnisse der künftigen Bewohner abgestimmt hat, belaufen sich auf rund 5,2 Millionen Euro.

Konzertierte Aktion

Das gesamte Projekt sei eine Art „konzertierte Aktion“, sagte Sozialbürgermeisterin Iris Mann bei der Besichtigung. Beteiligt war neben der Bauherrin PEG das Liegenschaftsamt, das das Grundstück zur Verfügung gestellt hat. Das Gebäude geht in die Hospitalstiftung der Stadt über, und der Reha-Verein ist Mieter.

Nötig geworden war der Bau, weil der Reha-Verein die bisherige sozialpsychiatrische Einrichtung in der Mörikestraße 5 aufgeben muss; wie berichtet, hat die Stadt jenen Teil des Dichterviertels zum Sanierungsgebiet erklärt, 800 Wohneinheiten sollen auf dem von alten Industrieanlagen und Gewerbebrachen geprägten Gebiet hinter dem Hauptbahnhof entstehen.

Seit 1980 Hilfe für die Menschen

Leistungen Der Rehaverein für soziale Psychiatrie Donau-Alb existiert seit 1980, er ist Träger verschiedener sozialpsychiatrischer und sozialintegrativer Einrichtungen und Dienste in Ulm und Heidenheim und versteht sich als Partner auf dem Weg zu mehr Teilhabe, Kompetenz und persönlicher Lebenszufriedenheit. Der Rehaverein betreut und unterstützt Menschen, die an einer psychischen Störung und/oder körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen leiden; Ihnen wird ein differenziertes Angebot an sozialer, medizinischer und beruflicher Rehabilitation unterbreitet. Für Menschen, die aufgrund von Folter und Vertreibung traumatisiert sind, bietet der Rehaverein eine darauf ausgerichtete Betreuung und Behandlung an.