Es ist geschafft: Nach drei Jahren Bauzeit und Millionen von Arbeitsstunden verbindet die Linie 2 das Schulzentrum am Kuhberg und den Science Park II am Eselsberg miteinander. Pünktlich zum Fahrplanwechsel ist die neue Straßenbahn am Sonntag in Betrieb gegangen. Schon einen Tag zuvor, am Samstag, waren die Ulmerinnen und Ulmer eingeladen, die Tram auszuprobieren und auch zu feiern. Und die ließen sich nicht bitten: Schon zur ersten, für die Öffentlichkeit kostenlosen Fahrt um 12 Uhr standen an jeder Haltestelle Menschen, die mitfahren wollten – wohin, war nebensächlich. Fast alle waren begeistert.

Begeisterung und Erleichterung

Das war das eine dominante Gefühl. Das andere, und das stand vielen der Verantwortlichen ins Gesicht geschrieben, war: große Erleichterung. „Das ist der Schlusspunkt einer unglaublich großen Anstrengung“, sagte Oberbürgermeister Gunter Czisch beim Festakt im Theater am Samstagvormittag. „Wir sind froh, dass wir die neue Linie in die Hände der Bürgerschaft geben dürfen.“ Der OB bedankte sich nicht nur bei all jenen, die die Tram im Zeitplan auf die Schiene bekommen haben, sondern auch bei den Anwohnern, „die Lärm, Dreck, Staub und Umwege in Kauf genommen haben“.

Glücklich war auch Klaus Eder, Geschäftsführer der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU). Vor allem darüber, dass 13 alte Diesel-Busse durch „zwölf hochmoderne Premium-Straßenbahnen“ ersetzt werden, mit denen die SWU jährlich 100 Tonnen CO2 einsparen würden. „Das ist nicht nur irgendein Ökostrom – der wird hier vor Ort an der Böfinger Halde erzeugt“, betonte Eder. „Nachhaltiger geht es nicht.“

Verkehrsminister Winfried Hermann, der ebenfalls zur Eröffnungsfeier gekommen war, zeigte sich beeindruckt von der hohen Geschwindigkeit, mit der die Tram aufs Gleis gesetzt wurde: „Ulm war wirklich schnell und hat das ziemlich gut hingebracht.“ Die Linie 2 sei ein Beitrag zu Staufreiheit und sauberer Luft, befand der Grüne. Das Land werde die Region weiter unterstützen, etwa bei der Regio-S-Bahn.

Als allererste stiegen Festgesellschaft und Medien in die adventlich geschmückte „Felix Fabri“-Linie 2. Punkt 11.35 Uhr startete die Premierenfahrt los in Richtung Wissenschaftsstadt. Das war’s allerdings erstmal mit der Pünktlichkeit: Ihren 10-Minuten-Takt konnte die Tram öfter mal nicht halten, manche Bahnen wurden noch als einfahrend angezeigt, fielen dann aber ganz aus. Und die, die kamen, waren manchmal so voll, dass die an den Haltestellen Wartenden gar nicht mehr hineinkamen. Auch nicht die aus der SWU-Werbung für die Linie 2 bekannte Schlagerband „Papis Pumpels“, die, ganz Pragmatiker, irgendwann einfach in die Linie 1 umstieg und dort Stimmung machte.

Aktionsprogramm fast schon Nebensache

Was zeigt: Am Samstag war eben die Straßenbahn der Star. Das Programm, das Stadt und SWU entlang der Strecke an 19 Aktionspunkten organisiert hatten, war fast schon Nebensache. Was nicht heißt, dass es nicht auch angenommen wurde: Da wurden Fahrräder durchgecheckt, virtuelle Realität erkundet und einfach im Warmen ein Kaffee getrunken, bevor es zur nächsten Station ging.

Oder auch die E-Zeitung der SÜDWEST PRESSE gelesen, die Interessierte für 14 Tage geschenkt bekamen. Wer auf dem Laufenden bleiben will, kann das auch in der neuen SWP-Straßenbahn, die abwechselnd auf beiden Linien fährt: Über einen QR-Code im Innenraum gibt’s nicht nur aktuelle Nachrichten, sondern auch Echtzeit-Daten und Störungsmeldungen der SWU.

Eines ist dort aber hoffentlich nicht noch einmal zu lesen: Freitagnacht war eine Autofahrerin auf Höhe der Haltestelle Grimmelfinger Weg in den Schienentrakt der Straßenbahn gefahren. Das Auto der 39-Jährigen grub sich in das Kiesbett ein. Die Tram konnte erst wieder fahren, als der Pkw herausgezogen worden war.

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Die Zahlen zur Strecke


269 Millionen Euro hat die Linie 2 gekostet. 88 Millionen Euro hat der Bund, 30 Millionen Euro das Land gezahlt. Den Rest hat die Stadt selbst gestemmt.

17 neue Haltestellen gibt es.

800 Verkehrsführungen wurden geändert.

8300

Fahrgäste mehr sollen künftig jeden Tag Straßenbahn fahren.

1000 Abstimmungstermine gab es in drei Jahren.

35 Kilometer Schienen sind verlegt worden.

9 Kilometer lang ist die Strecke, die 20 000 Menschen nutzen können.