Donaufest Leuchtendes Donaufest-Finale

Ulm/Neu-Ulm / HANS-ULI THIERER 11.07.2016
Schillernde Schlusspunkte: Feuerwerk und Frühstück auf der Brücke. Jetzt ist das Donaufest Ende. 300.000 waren dabei. Wenigstens. <i>Mit einem Leitartikel von Hans-Uli Mayer: Auf zu neuen Ufern.</i>

Auf ein grandioses Feuerwerk am Abend eines traumhaften Sommertags folgte gestern ein symbolträchtiges Frühstück – auf der Herdbrücke. Also inmitten beider Städte, inmitten zweier Bundesländer, inmitten all dieser Verwerfungen, in denen Europa steckt, wie der Neu-Ulmer Bürgermeister Albert Olbert sagte.

Nach furiosen Finalveranstaltungen beim  Donaufest dann Gesichter, strahlend wie das Wetter. Sommersonne satt während dieser zehnten Auflage, die dem Donaufest nach Angaben der  Verantwortlichen mindestens  300.000 Besucher auf dem Markt an den Flussufern und bei 150 Veranstaltungen beschert hat. „Das Wetter ist ein Lohn für die tolle Arbeit. Großes Kompliment an das Team.“ Dem Lob des Ulmer Oberbürgermeisters Gunter Czisch schlossen sich bei der Schlussbilanz alle an. Obert, aber auch der Ulmer Bürgermeister Martin Bendel und der Neu-Ulmer Fachbereichschef Ralph Seiffert („Dieses Niveau ist kaum mehr zu toppen!“) als den Geschäftsführern des Donaubüros und dessen Direktor Sebastian Rihm.

Allenthalben Zufriedenheit also. Sowohl mit dem Publikumszuspruch, der dazu führte, dass die Ungarn früh heimfahren mussten, um aus ihren Kellern für Wein-Nachschub zu sorgen. Als auch mit dem künstlerischen Programm, das Volkmar Clauß, Bernd Leitner und Rainer Markus Walter verantworteten. Unter angesagten Künstlern Südosteuropas hätten sich Festcharakter und gute Betreuung herumgesprochen. „Sie wollen dabei sein, auch wenn wir nicht die ganz hohen Gagen zahlen können – wir  müssen ihnen nicht mehr nachlaufen“. (Seiffert). In diesem Zusammenhang: Es ist daran gedacht, Alexander Balanescus zum zehnten Fest geschriebenes Musik- und Tanztheater „Treibgut“ in gekürzter Fassung auf Reisen zu schicken.

Wohlbehagen schließlich unter Kunsthandwerkern und anderen Marktbeschickern angesichts  guter Geschäfte. Die für den Markt zuständige Frauke Kazda: Die Nachfragen, am Markt teilnehmen zu können, überstiegen längst das Platzangebot. Defizite sehe man allenfalls in der Wahrnehmung durch überregionale und übernationale Medien, wie Czisch und Carmen Mark (Öffentlichkeitsarbeit) sagten.

Hingegen, so Czisch: „Die tolle Stimmung zeigt, dass das Donaufest bei den Leuten angekommen ist. Es ist eine Botschaft unserer Region, dass es für Europa durchaus noch Herzlichkeit gibt.“

Ein Leitartikel von Hans-Uli Mayer: Auf zu neuen Ufern

Auf schönes Wetter hatte Ulms OB Gunter Czisch im Vorfeld des Internationalen Donaufestes gehofft – und schönes Wetter hat er bekommen. Die Bedingungen waren ideal für das Jubiläumsfest, die Menschen sind an die Donau geströmt, an der eine fröhliche Stimmung herrschte, wie man sie sich für so ein Vielvölkergemisch nur wünschen kann.

Darin liegt gewiss die Stärke des Donaufestes. Der OB wird nicht müde die Begegnung in den Mittelpunkt zu stellen, was in europakritischen Zeiten wichtiger denn je ist. Am Ulmer und Neu-Ulmer Donauufer funktioniert Europa – zumindest in der kleinen Ausgabe des Donauraums und auf zehn Tage begrenzt. Insofern ist die Freude über das gelungene Fest bei den Organisatoren groß und berechtigt. Zehn Tage harter Arbeit gingen nahezu unfall- und beschwerdefrei zu Ende, was auch nicht gerade selbstverständlich ist.

Der Jubel darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass schon am Neckar kaum jemand Notiz nimmt von den Ulm/Neu-Ulmer Donaufeierlichkeiten – geschweige denn an den Flüssen Theiß, Drau und Pruth in Ungarn, Kroatien und Rumänien. Es ist bedauerlich, wenn all die Mühe dieses schönen und wichtigen Festes überörtlich so wenig Beachtung findet, wie die Organisatoren selber einräumen. Selbst in den Donauländern  kommt das Donaufest über Randnotizen nicht hinaus.

Das zehnte Donaufest war gewiss ein würdiges Jubiläum und der Dank der Verantwortlichen aus der Stadtspitze an das Team und die vielen Helfer ist mehr als berechtigt. Und dennoch sollten früh Überlegungen Raum greifen, die runde Zahl von zehn Festen als eine Bestätigung für den tieferen Sinn des Festes zu sehen, aber auch als eine Zäsur und der damit verbundenen Chance, sich neue Formate auszudenken.

Für das erste Donaufest 1998 haben sich die Macher das Motto „Auf zu neuen Ufern“ gegeben. 2018 könnten sich die Verantwortlichen wieder zu neuen Ufern aufmachen und beispielsweise über eine inhaltliche Zuspitzung nachdenken. Über eine organische Verknüpfung von Politik und Kultur etwa, in der die Kunst nicht nur ihrem Selbstzweck folgt und der Unterhaltung dient, sondern zum Träger des Gedankens wird, die friedliche Begegnung der Menschen unterschiedlicher Sprache, Religionen und Kulturen entlang des Flusses zu fördern.

Und will man dafür die überregionale Aufmerksamkeit gerade für die von Ulm/Neu-Ulm ausgehenden Werte wie Frieden und Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Minderheitenschutz erreichen, kommt man nicht umhin, in das Fest ein kulturelles Highlight einzubauen. Man denke nur an das Projektorchester mit Teilnehmern aus allen Donauländern oder die Auftritte von Hubert von Goisern mit seiner Donautournee auf dem Schiff, Goran Bregovic oder dem ungarischen Stardirigenten Fischer aus früheren Jahren.

Natürlich kostet das Geld. Aber es bringt Aufmerksamkeit mit hohem Mehrwert. Vor allem hilft es, den Blick auch auf all die kleineren Veranstaltungen und Projekte zu lenken, an denen erfreulicherweise immer mehr Initiativen mitmachen und sich mit eigenen Ideen anhängen. Darüber nachzudenken würde sich lohnen. Und es wäre ein wirklicher Aufbruch zu neuen Ufern.

Wie kommt die Besucherzahl zustande?

Mischkalkulation Wie kommt die Besucherzahl des Donaufestes zustande? In einer Mischung aus Schätzungen, Erfahrungen und Zählungen,  wie der ehemalige Ulmer Theater-Verwaltungsschef Wolfgang Frauendorf als Senior des Donaufest-Teams weiß. Zum Schätz- und Zählpotenzial wird tatsächlich unter anderem  der Verbrauch  an Toilettenpapier-Rollen  herangezogen, ebenso Absatzzahlen an Ständen mit Speisen und Getränken. Es wird aber auch an zwei exponierten Stellen – an den Eingängen Fischerplätzle und Metzgerturm – exemplarisch gezählt, wie viele Leute in einem bestimmten Zeitraum kommen und gehen. Frauendorf gesteht zu, dass eine exaktere Erfassung eines Publikums, das am Fluss dauernd im Fluss und in Bewegung ist, kaum möglich sei. Erfahrungswerten zufolge gehe er für heuer aber sogar von bis zu 350.000 Festbesuchern aus.

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