Neubau Lessing-Gymnasium wird in Wiley-Nord neu gebaut

Das in die Jahre gekommene und zu klein gewordene Lessing-Gymnasium wird in Wiley-Nord neu gebaut.
Das in die Jahre gekommene und zu klein gewordene Lessing-Gymnasium wird in Wiley-Nord neu gebaut. © Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm / EDWIN RUSCHITZKA 17.07.2015
Die Entscheidung ist im Kreistag mit einer Gegenstimme gefallen: Das in die Jahre gekommene und zu klein gewordene Neu-Ulmer Lessing-Gymnasium wird in Wiley-Nord neu gebaut. Kosten: 41,2 Millionen Euro. Mit einem Kommentar von Edwin Ruschitzka: Die richtige Entscheidung.
Wann mit dem Bau begonnen wird, steht noch nicht fest. Aber die zuletzt kontrovers diskutiere Frage, wo das neue Lessing-Gymnasium hin soll, ist gestern im Neu-Ulmer Kreistag geklärt worden: Die Schule wird in Wiley-Nord gebaut, auf dem Baufeld hinter dem Dietrichkino-Parkhaus, wo die Stadt Neu-Ulm auch die neue Mark-Twain-Grundschule erstellen wird. Fürs Lessing-Gymnasium stellt die Stadt dem Bauherren des Gymnasiums, also dem Landkreis als Schulaufwandsträger, rund 23 000 Quadratmeter zur Verfügung. Im Gegenzug wird die Stadt Neu-Ulm das Gelände des alten Lessing-Gymnasiums an der Augsburger Straße nutzen können.

Die Entscheidung im Kreistag ist gestern fast einstimmig gefallen, nur FWG-Mann Wolfgang Schrapp aus Bellenberg stimmte dagegen. Zuvor hatte Landrat Thorsten Freudenberger (CSU) für den Wiley-Standort geworben: Nachdem die Stadt Neu-Ulm das Grundstücksangebot von 1,9 auf 2,3 Hektar erhöht hatte, habe sich Wiley-Nord immer mehr in der Vordergrund gespielt. Die Alternative war, dass der Landkreis das Gymnasium am alten Standort in der östlichen Innenstadt hätte bauen können.

Freudenberger zählte wie nahezu alle Fraktionssprecher die Vorteile für Wiley-Nord auf: Der Neubau fern vom alten Standort werde den Schulbetrieb nicht stören, die Anbindung von Wiley-Nord durch den Personennahverkehr sei gut, es gebe genügend Platz auch für den Bau neuer Sportstätten, man könne auch das Dietrichkino-Parkhaus zum Parken nutzen. Und: Die Distanz zum konkurrierenden Bertha-von-Stuttner-Gymnasium sei gewachsen. Das neue Lessing-Gymnasium liege dann mitten in den neuen Neu-Ulmer Wohngebieten.

Freudenberger ging gestern auch auf die geschätzten, noch nicht genau berechneten Kosten ein, die mit mehr als 41 Millionen ganz beträchtlich seien. Zur Erinnerung: Der Landkreis hatte die Sanierungspläne am alten Standort wegen zu hoher Kosten auf Eis gelegt. Auch damals war von mehr als 40 Millionen Euro die Rede gewesen. Fürs fast gleiche Geld gibt es jetzt einen Neubau. „Die Kosten werden uns im Magen liegen“, sagte Freudenberger, „aber wir sind eine Bildungsregion und wirtschaftlich stark genug, um das stemmen zu können.“

Für den CSU-Fraktionschef Franz-Clemens Brechtel ist die Entscheidung für Wiley-Nord „ein Fingerzeig, wohin die Reise hingehen soll, aber noch keine klare Standortentscheidung“. Dagegen ist das Thema Sanierung für die SPD-Fraktionsvorsitzende Antje Esser beerdigt, auch den alten Standort hat sie abgehakt. 41 Millionen Euro seien „ein finanzieller Kraftakt“, und Sparen alleine werde nicht ausreichen. Wobei Esser, ohne das Kind beim Namen zu nennen, an eine höhere Kreisumlage gedacht haben dürfte.

Die Nähe zu den neuen Neu-Ulmer Wohngebieten und zur Hochschule zählt für Ansgar Batzner (Freie Wähler) zu den Pluspunkten für Wiley-Nord. Allerdings werde der Schulweg für manch einen länger. Für Helmut Meisel (Grüne) war klar: „Die Standortentscheidung ist für Wiley-Nord gefallen, und das ist auch der Einstieg in die Planungen.“ Man habe zusammen mit der Stadt Neu-Ulm die Chance, ein großes Campus-Gelände zu entwickeln. Meisel: „Da lässt sich vieles machen, man muss allerdings die Kosten in den Griff bekommen.“

Nur im Ansatz gab es kritische Stimmen von Wolfgang Ostermann (SPD) und Gerhard Leopold (Freie Wähler), beide Illertissen. Bei den Planungen müsse das Gymnasium zwischen Pflicht und Kür unterscheiden. „Mit dem Neubau, so die ehemalige Neu-Ulmer OB und Europaministerin, Beate Merk (CSU), werde das Lessing-Gymnasium bei der Schulentwicklung „vorne dabei sein“. Der Neu-Ulmer OB Gerold Noerenberg, auch Kreistagsmitglied, meldete sich nicht zu Wort.

Ein Kommentar von Edwing Ruschitzka: Die richtige Entscheidung

Es hat lange gedauert, aber mit dem nahezu einstimmigen Beschluss hat der Kreistag die einzig richtige Entscheidung getroffen. Wiley-Nord eignet sich als Standort fürs Lessing-Gymnasium überaus gut und sehr viel besser als der alte Platz an der Augsburger Straße. Wenn die Schule dort mal abgebrochen wird, hat die Stadt ganz neue, innenstadtnahe Entwicklungsmöglichkeiten. Auf die Begehrlichkeiten und Diskussionen darf man jetzt schon gespannt sein.

Natürlich sind 41 Millionen Euro – wenn es dabei bleibt – viel Geld. Es ist zugleich gut angelegtes Geld. Wenn es nur über eine Erhöhung der Kreisumlage gestemmt werden könnte, ginge das in Ordnung. Denn die ganze Region profitiert von den Neu-Ulmer Gymnasien.

In Neu-Ulm könnte jetzt in Wiley-Nord eine einzigartige Bildungslandschaft entstehen – mit der Hochschule, der neuen Grundschule und mit dem Lessing-Gymnasium. Daraus lassen sich Synergien entwickeln, wenn der Freistaat, der Landkreis und die Stadt zusammenspielen. Vor allem, wenn die Stadt selbst begreift, welche Möglichkeiten sie hat. Dass die Diskussionen im Neu-Ulmer Stadtrat über den Standort des Lessing-Gymnasium vom OB mangels Zuständigkeit immer unterdrückt worden sind, gibt im Moment wenig Anlass zur Hoffnung.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel