In der Corona-Pandemie verbrachten plötzlich alle viel mehr Zeit daheim. Jede Menge Gelegenheit also auszuprobieren, worauf man schon immer Lust hatte: Manche begannen Fremdsprachen zu lernen, andere ein Musikinstrument. Nachbarn widmeten sich Bauprojekten und legten einen Gartenteich an.
Was habt ihr in den vergangenen eineinhalb Jahren Neues gelernt oder für euch entdeckt? Wir freuen uns über eure Geschichte. Schickt uns zur Veröffentlichung per Mail unter leseraktion@swp.de ein paar Zeilen über das, was ihr euch angeeignet habt – gerne mit Bild.

Ergebnis: positiv

Simone Heinz hat Folgendes erlebt: „Zu Neujahr wollten wir die Großmutter besuchen und buchten zum ersten Mal einen PCR-Test. Mit Erstaunen und Unglauben las ich dann das Ergebnis auf der Corona-App: positiv. Ich hatte keine Symptome. Auch mein halbjähriger Sohn, mein Partner und dessen 14 Jahre alter Sohn waren glücklicherweise ohne Beschwerden.
In den ersten beiden Tagen befanden wir uns in einer Schockstarre und bangten, was noch kommen möge und wen wir angesteckt haben könnten. Doch dann fanden wir uns mit der Situation ab und stellten uns auf drei Wochen in unserer Zweizimmerwohnung ein.

Geschick und Konzentration

Wir hatten plötzlich sehr viel Zeit. Als der Sohn meines Partners gekonnt drei Jonglierbälle in die Luft warf und seine Kenntnisse aus dem Schulsport vorführte, überkam mich der Wunsch: Das will ich auch können! Das Jonglieren verkörperte genau das, was die neue Situation zu fordern schien: einen sportlichen und spielerischen Umgang mit Herausforderungen, Geschick und Konzentration.
Ich bin kein Balltalent und stellte mich auf einen zähen Weg ein. Als Ziel setzte ich mir, bis Ende des neuen Jahres mit drei Bällen zehn Ballkontakte sicher zu erzielen. Jeden Tag wollte ich mindestens zweimal jonglieren. Es kam mir zugute, dass mein kleiner Sohn mir dabei gerne zusah. Er lachte, wenn das mit Sand gefüllte Jongliersäckchen auf dem Boden landete.

Ganz schön frustrierend

Am ersten Tag konzentrierte ich mich darauf, jeweils nur einen der drei Bälle gerade in die Luft zu werfen und mit der anderen Hand zu fangen. Es fühlte sich frustrierend an, so ungeschickt zu sein. Immer wieder musste ich mich bücken und einen Ball auflesen. Ich erfuhr wie schwer es ist, sich etwas Neues mit den Händen beizubringen.

Erste Erfolge

Am zweiten Tag warf ich einen zweiten Ball hinterher und es fühlte sich schon mehr nach Jonglieren an. Um mir die Scheu vor den Bällen zu nehmen, stellte ich mir vor, sie seien Mandarinen. Nach einer Woche konnte ich die drei Bälle hintereinander in die Luft werfen, und in guten Momenten landeten auch alle wieder in den Händen. Ein erster Erfolg. Dann ging erstmal wenig voran. Trotzdem freute ich mich jeden Tag auf die Momente mit den ‚Mandarinen‘.
Am Ende der zweiten Woche platzte der gordische Knoten und acht Ballkontakte waren möglich. „Ich war stolz.“