Ulm / Ulrike Schleicher  Uhr
Beim Spaziergang entlang der Baustelle im Mähringer Weg mit Experten ging es unter anderem um die Arbeiten mit Gas, Wasser und Telefonleitungen.

Wer denkt, die SWU bekommen bei der Telekom schneller einen Termin als Otto Normalverbraucher, der irrt sich. Das haben die Teilnehmer des Baustellen-Spaziergangs für die Linie 2 am Montagabend von Johann Karmann gelernt. Er ist Oberbauleiter für den Streckenast zur Wissenschaftsstadt und organisiert untert anderem die Arbeitsabfolge.

„Wir müssen in Stuttgart anmelden, dass wir an diesem und jenem Tag etwa die Leitungen an anderer Stelle anschließen und dann warten wir auch, bis die Telekom so weit ist.“ Überhaupt Leitungen: Egal, ob Gas, Abwasser und Wasser, Internet – in dieser Hinsicht hat die Baustelle für die Linie 2 den Projektverantwortlichen am meisten Überraschungen beschert. Meist leider unangenehme.

„Dadurch verzögert sich der Bau eben“, erklärte Ralf Gummersbach von den SWU Verkehr. Er trat auch dem Eindruck mancher Bürger entgegen, dass „ganze Abschnitte monatelang verwaist“ waren. Natürlich sei nicht alles optimal verlaufen. „Und gerade beim Gleisbau hätten wir uns schon größere Fortschritte gewünscht.“ Aber bei den momentanen vollen Auftragsbüchern beim Bau seien die Kapazitäten mit bis zu 400 Leuten ausgeschöpft: „Da ging nichts mehr bei den Firmen.“ Hinzu gekommen seien die bereits erwähnten Probleme beim Kanalbau.

Jetzt aktuell zum Beispiel solle die so genannte Stopfmaschine eingesetzt werden. Sie sorgt dafür, dass die Gleise ausgerichtet werden. „Davon gibt es aber nur drei Stück in Deutschland“, sagte Karmann. Die ganze Baustelle bis ins Detail abzustimmen, sei eine Herausforderung.

Wie die Busse künftig fahren, interessierte mehrere Bürger. Darunter auch zwei Doktoranden der Elektrotechnik an der Uni. Sie sind froh, wenn alles wieder flüssig läuft. So mussten sie von Böfingen, ihrem Wohnort, umsteigen und zum Ehinger Tor. Von dort in die Drei, die auf die B 10 fuhr und dann zur Uni. „Das dauert halt echt länger“, sagte einer. Abgesehen von Staus und Verspätungen. Künftig fahre die Sechs zum Hasenkopf, die Fünf bleibe wie gehabt, die Acht würde bis zur Uni durchfahren. Die Dreizehn von der Stadt aus entfalle „und ab Mitte Dezember fährt die Linie 2“, sagte Torsten Fisch, Projektleiter der Stadt.

Die Tour entlang des Mähringer Wegs zeigte geradezu vorbildhaft jeden Abschnitt des Straßenbahnbaus – vom Untergrund bis zum fertigen Gleisbau samt Gleisbett. „Ende Juni wollen wir damit fertig sein“, sagte Karmann. Was fehlt, seien noch Fahrleitungsmasten sowie die Haltestellen: Der Prototyp werde Anfang Juni in der Wissenschaftsstadt zu sehen sein.

Und natürlich fehlen noch Ampeln, Straßenmarkierungen und Beleuchtung. „Erst dann kann die Straße wieder für den Verkehr frei gegeben werden“, bremste Fisch die Hoffnungen der Bürger. In einen sauren Apfel müssen Fußgänger und Radfahrer auf ihrem Weg vom Eselsberg in die Innenstadt beißen: Für den wohl maroden Fußgängersteg an der Kienlesbergbrücke, der abgerissen worden ist, gibt es keinen Ersatz. Er hatte eine ampelfreie, flüssige Überquerung der Straße ermöglicht. „Künftig werden wir an einer Ampel warten müssen“, sagte ein Mann, der an der Uni arbeitet. Das sei schade.

Zufahrten werden sechs Wochen gesperrt

Zufahrt Einige Anwohner im Mähringer Weg werden ihre Häuser (um die Nummer 80 herum) rund sechs Wochen lang nicht mit dem Auto erreichen. Die Zufahrten müssen wegen der Bauarbeiten gesperrt werden. Es werden Ersatzparkplätze eingerichtet, sagte Torsten Fisch. Unter anderem werde eine zusätzliche Zufahrt für die Feuerwehr angelegt. Die Sperrung wird vermutlich in 14 Tagen erfolgen. Die Anwohner werden benachrichtigt.