Ulm Leitartikel: Kein Heilsbringer

Ulm / Hans-Uli Thierer 23.04.2016
Dem Aufsichtsrat der SWU wurde diese Woche das Jahresergebnis vorgelegt: Die Stadtwerke schreiben auch unterm neuen Chef Klaus Eder rote Zahlen.<i>Lokalchef Hans-Uli Thierer hat sich in seinem Leitartikel mit dem Thema Stadtwerke auseinandergesetzt.</i>

Ein Illusionist, der geglaubt hatte, mit Klaus Eder ende von einem auf den anderen Tag der Schlamassel, in dem die Stadtwerke stecken. Dies nach wie vor so tief wie die Bilanzzahlen rot sind – auch mit einem neuen Mann an der Spitze. Die Millionen, die unter Eders Vorgänger und mit ausdrücklichem Segen des Aufsichtsrats in herkömmliche Kraftwerke wie in Lünen oder in nicht ausgereifte Technologien wie in Senden gesteckt wurden, sind futsch. Ob das Kohlekraftwerk und die Holzgasanlage jemals in Gewinnzonen geraten, darf bezweifelt werden. Dies wäre wohl nur der Fall, änderte sich die Energiepolitik gravierend. Durch eine Wende von der Energiewende. Und die ist nicht zu erwarten – sie wäre auch verkehrt.

Derweilen reifen bereits wieder neue, vordergründig großspurig anmutende Pläne. SWU hat angebandelt mit dem Technik-Multi Siemens. Die Liaison hat das Stadium einer sich anbahnenden öffentlich-privaten Zweck-Ehe erreicht. Das Aufgebot beim Kartellamt ist bestellt. Sinn der Zusammenarbeit ist es, auf dem alten Fliegerhorst Leipheim ein Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk zu bauen. Die schon seit Jahren projekttreibenden SWU sind allein nicht in der Lage, das mit geschätzten Kosten von einer halben Milliarde Euro taxierte Vorhaben zu entwickeln und zu realisieren. Es braucht finanzstarke Partner. Geht es also schon wieder los? Ja lernen denn die nie aus?

Gemach. Gemach. Ein doppeltes Gemach, weil es angebracht ist in Bezug auf die Person Eder als auch auf sein bisheriges Agieren in der Neuausrichtung der SWU-Geschäftspolitik. In Eder steht nun wahrlich kein Wundermann, kein Heilsbringer an der Spitze der SWU. Aber ein Manager, der auf der bodenständigen Basis seiner Herkunft aus dem Allgäu nicht bloß agiert in Kenntnis betriebswirtschaftlicher Fakten. Eder hat sich erst mal ins Getümmel geworfen und versucht, einer verunsicherten Belegschaft und ihrer Vertretung hautnah klarzumachen, dass es ohne Einschnitte in bisherige Gewohnheiten und Gewohnheitsrechte im öffentlichen Diensttrott kein Entrinnen aus der Misere gibt. So entsteht das Konzept „SWU 2025“, dessen Details der Chef eines von öffentlichen Instanzen getragenen Unternehmens der Öffentlichkeit freilich noch schuldig ist.

Eder ist kein Mann für unternehmerisches Harakiri, zu dem sich die Stadtwerke in der Vergangenheit durchaus auch mal hinreißen ließen. Erinnert sei an die teure Fehlspekulation mit Anteilen an der zwischendurch insolventen Firma Centrotherm.

Für das Projekt Leipheim kommt eine Investition ohne Netz und doppelten Boden nicht in Frage. Im besagten Fall handelt es sich um ein Strom-Reservekraftwerk. Um eine konventionelle Anlage also, die an- und einspringen soll, wenn – ist 2021 der Gundremminger Atommeiler komplett vom Netz gegangen – die aus Sonne und Wind gewonnene Energie nicht ausreicht. Die SWU und Eder können sich nicht einlassen auf eine solche Investition, wenn nicht die energiepolitischen Grundlagen so ausgerichtet sind, dass sie ein neues Millionengrab von vornherein ausschließen.

Fazit: Die Stadtwerke stehen weiter im Sturm. Die Windstärke hat nachgelassen. Das hilft dem neuen Steuermann. Ein bisschen.

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