Ulm Leitartikel zum Donaufest: Auf zu neuen Ufern

HANS-ULI MAYER 11.07.2016
So sehr die Freude noch über das eben zu Ende gegangene Donaufest vorherrscht, sollte bald schon das Nachdenken über neue Formate beginnen. Ein Leitartikel von Hans-Uli Mayer.

Auf schönes Wetter hatte Ulms OB Gunter Czisch im Vorfeld des Internationalen Donaufestes gehofft – und schönes Wetter hat er bekommen. Die Bedingungen waren ideal für das Jubiläumsfest, die Menschen sind an die Donau geströmt, an der eine fröhliche Stimmung herrschte, wie man sie sich für so ein Vielvölkergemisch nur wünschen kann.

Darin liegt gewiss die Stärke des Donaufestes. Der OB wird nicht müde die Begegnung in den Mittelpunkt zu stellen, was in europakritischen Zeiten wichtiger denn je ist. Am Ulmer und Neu-Ulmer Donauufer funktioniert Europa – zumindest in der kleinen Ausgabe des Donauraums und auf zehn Tage begrenzt. Insofern ist die Freude über das gelungene Fest bei den Organisatoren groß und berechtigt. Zehn Tage harter Arbeit gingen nahezu unfall- und beschwerdefrei zu Ende, was auch nicht gerade selbstverständlich ist.

Der Jubel darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass schon am Neckar kaum jemand Notiz nimmt von den Ulm/Neu-Ulmer Donaufeierlichkeiten – geschweige denn an den Flüssen Theiß, Drau und Pruth in Ungarn, Kroatien und Rumänien. Es ist bedauerlich, wenn all die Mühe dieses schönen und wichtigen Festes überörtlich so wenig Beachtung findet, wie die Organisatoren selber einräumen. Selbst in den Donauländern  kommt das Donaufest über Randnotizen nicht hinaus.

Das zehnte Donaufest war gewiss ein würdiges Jubiläum und der Dank der Verantwortlichen aus der Stadtspitze an das Team und die vielen Helfer ist mehr als berechtigt. Und dennoch sollten früh Überlegungen Raum greifen, die runde Zahl von zehn Festen als eine Bestätigung für den tieferen Sinn des Festes zu sehen, aber auch als eine Zäsur und der damit verbundenen Chance, sich neue Formate auszudenken.

Für das erste Donaufest 1998 haben sich die Macher das Motto „Auf zu neuen Ufern“ gegeben. 2018 könnten sich die Verantwortlichen wieder zu neuen Ufern aufmachen und beispielsweise über eine inhaltliche Zuspitzung nachdenken. Über eine organische Verknüpfung von Politik und Kultur etwa, in der die Kunst nicht nur ihrem Selbstzweck folgt und der Unterhaltung dient, sondern zum Träger des Gedankens wird, die friedliche Begegnung der Menschen unterschiedlicher Sprache, Religionen und Kulturen entlang des Flusses zu fördern.

Und will man dafür die überregionale Aufmerksamkeit gerade für die von Ulm/Neu-Ulm ausgehenden Werte wie Frieden und Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Minderheitenschutz erreichen, kommt man nicht umhin, in das Fest ein kulturelles Highlight einzubauen. Man denke nur an das Projektorchester mit Teilnehmern aus allen Donauländern oder die Auftritte von Hubert von Goisern mit seiner Donautournee auf dem Schiff, Goran Bregovic oder dem ungarischen Stardirigenten Fischer aus früheren Jahren.

Natürlich kostet das Geld. Aber es bringt Aufmerksamkeit mit hohem Mehrwert. Vor allem hilft es, den Blick auch auf all die kleineren Veranstaltungen und Projekte zu lenken, an denen erfreulicherweise immer mehr Initiativen mitmachen und sich mit eigenen Ideen anhängen. Darüber nachzudenken würde sich lohnen. Und es wäre ein wirklicher Aufbruch zu neuen Ufern.