Ulm Leitartikel Neue Chirurgie: Versprechen für die Zukunft

RUDI KÜBLER 04.05.2012
Was lange währt, wird endlich . . . zumindest einmal wahr. Ob die Neue Chirurgie gut, will sagen: ihrem Anspruch eines „Behandlungszentrums der medizinischen Spitzenversorgung“ gerecht wird, werden alle Klinikmitarbeiter unter Beweis stellen müssen – Mediziner, Pflegekräfte, Laborpersonal, technischer Dienst und Verwaltung.

Nicht zuletzt die Beschäftigten des Reinigungs- und Transportdienstes, die, ausgegliedert in die Dienstleistungsgesellschaft Universitätsklinikum Ulm (DUU), mit Billig-Löhnen abgespeist werden. Das ist die etwas weniger glänzende Realität, die auch zu betonen ist, wenn das Uni-Klinikum zum Festakt lädt – wie am Donnerstag: Dann wird die Neue Chirurgie im Beisein von Ministerpräsident Kretschmann eingeweiht.

190 Millionen Euro Baukosten plus 50 Millionen Euro für die Ausstattung – der Klinikumsvorstand mit dem Leitenden Ärztlichen Direktor Prof. Reinhard Marre und dem Kaufmännischen Direktor Rainer Schoppik hat die Voraussetzungen für eine hochmoderne Klinik geschaffen. Und das aus eigener Kraft, weil dieser für die Uni-Medizin wichtige Eckpfeiler immer wieder auf die lange Bank geschoben wurde – wie kein zweites universitäres Klinik-Projekt im Land. Ärztliche Direktoren und Uni-Rektoren – es kamen und gingen etliche seit dem Baubeschluss 1986 – lebten zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Zusagen und Absagen. Die Gründe: Nicht nur am Geld mangelte es dem Land, sondern auch am Bekenntnis zum Uni-Standort Ulm. Daran hätte sich nichts geändert, wenn der Klinikumsvorstand nicht erstmals in seiner Geschichte einen Kredit aufgenommen und finanzielle Vorleistungen erbracht hätte. Sprich: Das Klinikum, das als Bauherr auftritt, übernimmt die Bau- und Ausstattungskosten zur einen Hälfte und finanziert dem Land die andere Hälfte vor.

Mit dem „schwebenden Bettenhaus“ ist den Münchner Architekten KSP Engel und Zimmermann ein ansprechender Wurf gelungen – und dem Klinikums-Vorstand ein wichtiger Beitrag zur Standortsicherung und für die Entwicklung der Region. Mehr noch. Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung, die das Klinikum als Haus der Maximalversorgung für die Patienten aus dem gesamten Raum zwischen Ostalb und Oberschwaben einnehmen kann – gerade auch vor dem Hintergrund, dass kleinere Krankenhäuser aus finanziellen Gründen zur Disposition stehen. Laupheim und Riedlingen sind nur zwei Beispiele.

Der Patientenzulauf auf den Oberen Eselsberg dürfte enorm sein. Chirurgie, Dermatologie und Innere Medizin rechnen mit jährlich 310 000 ambulanten und 25 000 stationären Patienten. Im Herbst wird zudem die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie eröffnet. Drei Viertel der Uni-Medizin sind dann auf dem Oberen Eselsberg versammelt – angedacht ist, dass das restliche Viertel bis 2030 nachzieht. Damit wird sich die nachfolgende Generation beschäftigen. Klar ist: Neben der Wissenschaftsstadt wächst die Gesundheitsstadt.

Ob damit, wie gern betont wird, ein Mehr an Qualität einhergeht, wird sich zeigen. Krankenversorgung, Forschung und Lehre sind teils auf hohem Niveau, teils ist noch Luft nach oben – gerade auch in der Klinik. Wie die Mitarbeiterbefragung zeigte, krankt die Kooperation zwischen Ärzten und Pflegepersonal gehörig.

Ein schönes Haus ist ein Versprechen für die Zukunft, aber kein Selbstläufer in Sachen Hochleistungsmedizin.