LEITARTIKEL · STADTWERKE: (K)ein Freudentag

HANS-ULI THIERER 08.06.2013

Dinge gibts, die passen einfach nicht zusammen. Nicht kompatibel mit amerikanischen 110-Volt-Stromkreisen sind auf 230 Volt Spannung getrimmte deutsche Elektrogeräte. Nicht in Einklang zu bringen, zumindest nicht an Tagen wie diesen, ist, was dem lokalen Stromversorger SWU widerfährt: Er hat seinen mehr als 40 Millionen Euro teuren Neubau an der Karlstraße eröffnet, der, wie komplex verschachtelte Investitionskonstruktionen heutzutage eben zu sein pflegen, den Stadtwerken gar nicht selber gehört, obwohl er auf ihrem Grund und Boden steht.

Die Freude über die Fertigstellung eines Hauses, das die SWU-Geschäfte bündelt und konzentriert und das vielen Mitarbeitern bessere Arbeitsbedingungen an modernen Arbeitsplätzen verschafft, wird mehr als getrübt. Wegen dreier Umstände geht der 7. Juni 2013 eben nicht als Freudentag in die SWU-Annalen ein:

Erstens erfolgt die Eröffnung von K 3 vor dem Hintergrund einer miserablen 2012er Geschäftsbilanz, die ein Minus von 15 Millionen Euro ausweist; SWU-Chef Matthias Berz hat dies dem Aufsichtsrat bislang nicht so schlüssig erklären können, dass das Kontrollorgan ihm Entlastung erteilt hätte. Schon ist übrigens aus gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen, dass sich in der SWU-Zentrale leise geweckte Hoffnungen, heuer wenigstens wieder eine schwarze Null schreiben zu können, kaum erfüllen werden. Im Gegenteil: Auch für 2013 zeichnen sich am dunklen Horizont rote Zahlen ab. Das Management, vorneweg Berz, wird in den kommenden Monaten endgültig den Beweis antreten müssen, dass es den schweren Tanker SWU auch in stürmischen Zeiten steuern kann.

Zweitens stecken die SWU in einer strukturellen Krise, die nicht nur, aber vor allem bedingt ist durch die Energiewende und die daraus folgende Energiepreispolitikwende. Antworten, wie darauf zu reagieren ist und welche ehrgeizigen SWU-Projekte in den Wind geschrieben werden müssen, stehen aus - zumindest öffentlich.

Drittens besteht die einzige greifbare Reaktion der SWU-Spitze auf die anhaltende Krise der Energiebranche darin, dass "verschlankt und effizienter gemacht wird", wie es im Jargon der diplomierten Ökonomen so schön heißt. Einfacher gesagt: Es werden Stellen abgebaut, zwischen 50 und 60 an der Zahl - immerhin sozial verträglich und ohne Entlassungen. Aber: Wie will angesichts einer solchen personellen Rosskur Freude aufkommen? Viel eher ist der gewöhnliche Ulmer geneigt zur Feststellung: Die bauen Arbeitsplätze ab und eröffnen einen 42-Millionen-Neubau.

Für Matthias Berz, den so lange gleichermaßen erfolgreichen wie smarten und - in Form von SWU-Sponsoring und -Mäzenatentum - gönnerhaften Manager, ist die Luft dünn geworden. Sein persönliches Unglück besteht darin, dass er durch seine langjährigen Erfolge die mittlerweile erheblich gewachsene Fallhöhe selber bestimmt und ständig nach oben geschraubt hat.

Fast tragisch zu nennen ist dabei die Namensgebung K 3. Eigentlich sollte dies bloß hinweisen auf den Standort Karlstraße 3. Doch auf den Weg gebracht in Jahren fetter Gewinne, lag natürlich der Bezug zum K 2 nahe, zweithöchster Berg der Erde. Dies steht nun letztlich für ein übermäßiges Selbstbewusstsein von SWU und Stadtpolitik, die auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden sind. Erkenntnis: Die Bäume wachsen auch in Ulm nicht in den Himmel.