LEITARTIKEL · SCHWÖRMONTAG: Vorbehaltlos nachdenken

FRANK KÖNIG 28.07.2012

Traurig, aber wahr. An Schwörmontag 2012 ist das erste Todesopfer bei diesem traditionsreichen Festtag zu beklagen. Es bleibt vorerst offen, inwieweit Alkohol beim verhängnisvollen Sturz eines Mannes in die Kleine Donau im Spiel war. In der Atmosphäre, in der die Schwörmontagsparty in der City inzwischen verläuft, wäre es zumindest nicht verwunderlich. Bei den Konzerten auf dem Münsterplatz am Montag trug ein Jugendlicher ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Trinken kann jeder, saufen nur die Elite." Das scheinen einige ernstzunehmen. Schon zum Nabada hatten sich Teenager mit alkoholhaltigen Modegetränken und Bier auf der Donauwiese eingefunden. Manche konnten kaum stehen.

Der Trend setzte sich am Abend auf dem Münsterplatz fort, wo an vielen Verkaufsständen zwar standardisierte Getränke wie "Wodka Bull" angeboten wurden. Für eine Cola oder ein Spezi musste man sich aber schon sehr genau umschauen und das Kleingedruckte lesen. Die Absperrung des Platzes durch den Sicherheitsdienst sorgt zumindest für einigermaßen überschaubare Verhältnisse: Es können keine eigenen Getränke mit auf den Platz genommen werden, und bei drohender Überfüllung werden die Personenschleusen dichtgemacht. Anders am Hauptzugang vom Lautenberg her, wo die Partygänger ihre mitgebrachten Wodkaflaschen auf den Boden knallen lassen und für trostlose Verhältnisse sorgen, obwohl die umliegenden Wirte nur in Plastikbechern ausschenken dürfen. Aber was nützt das, wenn Sixpacks und Bierkisten von außen in die City reingetragen werden?

Die Anstrengungen der Polizei, bei diesem Ereignis mit zehntausenden von Besuchern für Sicherheit zu sorgen, sind löblich, aber vermutlich auch von der Vorgabe geprägt, das Erscheinungsbild des Ulmer Nationalfeiertags nicht allzu sehr zu stören. So kommt es immer wieder zu bedrohlich wirkenden Situationen mit Menschenmassen, die kein Durchkommen mehr erlauben: am Metzgerturm, im Fischerviertel, am Marktplatz, teils in der Neuen Mitte. Einigen Jugendlichen fiel dabei sogar das Stichwort "Duisburg" ein.

Wer das Geschehen um die Schwörmontagsparty nüchtern betrachtet, vor allem nach 22 Uhr, muss merken, dass hier etwas schiefzulaufen beginnt und die Kontrolle über den Mega-Event ein Stück weit verloren geht. Es wäre Zeit, im Sinne der Schwörformel vorbehaltlos über ein erweitertes Sicherheitskonzept nachzudenken. Die örtlichen Konzertveranstalter wie Carlheinz Gern werden dafür belächelt, dass sie die Kontrollen vom Münsterplatz an den Altstadtring vorverlagern wollen, aber darin liegt ein richtiger Ansatz. Es muss darum gehen, bereits total betrunkene oder aggressiv wirkende Schwörmontagsbesucher davon abzuhalten, sich oder anderen Festgästen zu schaden. Das Mitbringen von Glasflaschen, auch auf die Donauwiese, sollte wirksam verhindert werden. Es ist zwar kein beliebter Gedanke, aber eine Schutzgebühr von ein oder zwei Euro könnte das Ganze womöglich finanzieren.

Die Schwörmontagsparty ist so, wie sie sich derzeit darstellt, eine Einladung, geltende Normen außer Kraft zu setzen. Es kann ja auch jeder überall die Musik aufdrehen, wie es ihm gerade passt, am besten mit DJs und big Beats. Es sollte klar werden, dass Schwörmontag ein fröhliches Fest für alle ist, aber Grenzen bestehen: bei Alkohol, bei aggressivem Verhalten. Sonst ist dies, da muss man kein Prophet sein, leider nicht der letzte Todesfall.