LEITARTIKEL · SCHWABEN MOBIL: Den Streik aussetzen

JÜRGEN BUCHTA 11.08.2012

Die Ankündigung der Gewerkschaft Verdi verheißt allen, die auf Bus und Straßenbahn angewiesen sind, nichts Gutes. Die Schwaben Mobil-Fahrer, so teilte Verdi-Geschäftsführerin Maria Winkler am Dienstag mit, setzten ihren Streik bis Ferienende aus. Anschließend seien sie aber sofort wieder dabei. Es sei denn, die Arbeitgeber hätten bis dahin ein "vernünftiges Tarifangebot" vorgelegt.

Warum der Arbeitskampf pausiert, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Haben viele der Akteure ihren eigenen Urlaub während der Schulferien eingeplant? Damit kein Missverständnis aufkommt: Er sei ihnen gegönnt. Bröckelt die Streikfront? Leute, die nahe am Geschehen sind, berichten, dass 10 der etwa 50 gewerkschaftlich organisierten Schwaben Mobil-Fahrer sich an den letzten Aktionen nicht mehr beteiligt hätten. Fangen die SWU, für die Schwaben Mobil den öffentlichen Personennahverkehr in Ulm und Neu-Ulm betreibt, die Auswirkungen der Aktionen mit eigenen Leuten zu effizient auf?

Wie auch immer. Für alle, die auf die Beförderung durch Bus und Tram angewiesen sind, zählt allein, dass sie von Anfang September an wieder mit stunden- oder tagelangen Streiks zu rechnen haben. Dass sie zu spät zur Arbeit oder zum Unterricht kommen, ihre Termine bei Ärzten oder Behörden versäumen oder an irgendeiner Haltestelle ausgesetzt werden, wenn der Fahrer ihnen urplötzlich vermittelt: So, jetzt streike ich!

Es sind die Fahrgäste, die dieser Arbeitskampf am härtesten trifft. Die Positionen der Konfliktparteien haben sich enorm verhärtet, was allein die Fahrgäste auszubaden haben.

Der Konflikt zwischen Verdi und der Schwaben Mobil, an der die SWU-Verkehr mit 51,17 Prozent beteiligt ist, schwelt seit Februar. Nur vordergründig geht es dabei allein um höhere Löhne. Die Löhne der 63 Schwaben Mobil-Fahrer sind erst zum 1. Juli angehoben worden. Sie richten sich nach dem Tarifvertrag des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen, der für 30 Monate gültig ist.

Verdi strebt einen Tarifwechsel an. Die Württemberger bezahlen deutlich besser als die Bayern. Schließlich, so argumentiert Verdi, arbeiteten die Schwaben Mobil-Fahrer überwiegend in Ulm, also in Württemberg. So neu ist diese Sichtweise übrigens nicht. Schon 2006, als Schwaben Mobil gegründet wurde, hatten die bayerischen Omnibusunternehmer bezweifelt, dass die SWU auf bayerische Tarife zurückgreifen können.

Die SWU sehen das freilich anders. Für sie gab es nur einen Grund, Schwaben Mobil aufzustellen: das Lohnniveau gegenüber den nach Haustarif bezahlten eigenen Fahrern zu senken. Die SWU sahen sich 2006 massiv der Gefahr ausgesetzt, ihre Konzessionen für die städtischen Nahverkehrslinien bei einer europaweiten Ausschreibung zu verlieren. Seitdem stellen sie keine Fahrer mehr ein, bezahlen aber die, die schon zuvor für sie tätig waren, entsprechend weiter.

Wer hat Recht? Sind die streitbaren Fahrer nach dem zu entlohnen, was die Bayern oder was die Württemberger bezahlen? Das sind die zentralen Fragen, auf die es eine Antwort zu finden gilt. Die Kontrahenten werden sich nicht einigen können. Deshalb sollte ein Gericht entscheiden. Bis dessen Urteil steht, sollte Verdi auf alle weitere Aktionen zu Lasten der Fahrgäste verzichten.

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