Die mächtige barocke Klosteranlage von Wiblingen wurde schon oft gemalt, aber niemand hatte bislang ein Modell gebaut. Jetzt gibt es eines – und zwar aus Legosteinen. Der Wiblinger Burkhard Siemoneit hat unzählige Stunden in seinem Keller getüftelt, um die 2,80 Meter breite „Schokoladenseite“ des Klosters – der Anblick vom Torbogen in der Schlossstraße aus – erstehen zu lassen aus abertausenden kleinen Plastikklötzchen. Bis ins Detail stimmt alles: die barocken Fensterstürze, die – je nach Etage – mal eckig und mal rund sind, ebenso die kleinen Ausguck-Türmchen auf den Eckgebäuden.

Nur die Farbe stimmt nicht ganz: Statt Rosa sind die weiß abgesetzten Wohn- und Nebengebäude in einem Beige-Ton gehalten. Warum? „Es gibt keine rosafarbenen Legosteine“, erklärt Siemoneit. Darum musste er die Lego-Farbe Tan nehmen. Die Alternative – das Lego-Orange – „ging überhaupt nicht“.

Wie viel Zeit hat der Verwaltungswirt im Bastelkeller seines Reihenhäuschens zugebracht? „O je“, meint er und zuckt mit den Schultern. Er rechnet nicht in Stunden – Lego ist sein Hobby, da zählt für ihn nur die Freude daran, die lässt sich nicht quantifizieren. In den vergangen beiden Wochen hatte er Urlaub und beschäftigte sich fast ausschließlich mit dem Kloster-Bau: „Meine Familie war derweil draußen in der Sonne.“ Allein war der 57-Jährige dennoch nicht: Stephan Schumann, ein Freund und ebenfalls passionierter Lego-Baumeister, hat ihm Gesellschaft geleistet und fleißig Stein auf Stein gesetzt.

Im vergangenen Jahr hat Siemoneit, der Vorsitzender des evangelischen Versöhnungskirchengemeinderats ist, jenes Gotteshaus aus Lego nachgebaut, weil es vor 50 Jahren gebaut wurde. Heuer steht ein anderes Jubiläum an: 300 Jahre Barock im ehemals katholischen Benediktinerkloster Wiblingen. Der evangelische Siemoneit sieht es als Zeichen der Ökumene, dass er sich nun an die mächtige Klosteranlage gewagt hat.

Vor drei Monaten hat er angefangen. Bislang ist die Vorderansicht entstanden. Sein Traum wäre es, die gesamte Anlage als Modell zu bauen. „Aber dazu reichen meine Mittel einfach nicht.“ Er hofft, dass sich vielleicht Unterstützer finden, die ihm den Kauf der dazu nötigen Legosteine mitfinanzieren. Sollte das gelingen, will er das Modell dem Kloster Wiblingen als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen.

Aus der mehr als 800 Jahre zurückreichenden Kloster-Chronik geht hervor, dass es vier Baumeister gab. „Ich bin der fünfte“, sagt Siemoneit schmunzelnd. „Und derjenige, der es vollendet.“ Denn an der Martins-Basilika befinden sich aktuell rechts und links vom Hauptportal lediglich Turmstummel. „Wegen der Säkularisation durch Napoleon kurz nach dem Jahr 1800 wurde der Bau nicht zu Ende gebracht.“

Siemoneit hat sich an die Original-Entwürfe von Johann Michael Fischer aus dem Jahr 1757 gehalten, die zwei prächtige Barocktürme zeigen – und sie in seinem Modell in die Wirklichkeit umgesetzt.

1,30 Meter hoch sind sie geworden und zeigen ein ungewohntes Bild, deshalb lohnt sich ein Besuch der Wiblinger Jubiläums-Ausstellung allemal. Denn dort ist Siemoneits Modell ab Sonntag zu bestaunen (siehe Info). Die dreidimensionalen Lego-Baupläne hat Stephan Schumann mit einem speziellen Computerprogramm entworfen.

Beide Männer sind Mitglieder im Lego-Club Ulm, wo sich viele Gleichgesinnte aus der Region treffen. Und Burkhard Siemoneit gehen die Ideen nicht aus, selbst wenn er das dreidimensionale Kloster-Modell erledigt haben sollte. Er würde sich gern ans Stadthaus wagen. In einer kleinen Ecke seines Bastelkellers experimentiert er bereits mit weißen Legosteinen, die eine Scharnier-Funktion haben und mit denen sich die Rundung der Fassade nachbilden lässt.

Info
Das Lego-Modell ist ab Sonntag, 15. Juni, im Museum im Konventbau im zweiten Obergeschoss des Klosters zu sehen. Geöffnet Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr, bis 13. Juli. Wer das dreidimensionale Modellbau-Projekt unterstützen möchte, kann sich bei Burkhard Siemoneit unter Tel. (0731) 47988 melden.