Auf dem russischen Markt ist deutsche Medizintechnik nicht mehr uneingeschränkt willkommen. Die Regierung hat den Zugang für ausländische Produkte eingeschränkt. "Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die heimische Produktion anzukurbeln", sagt Melanie Volberg von Germany Trade and Invest, der Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing der Bundesregierung. "Dazu müssen die Ausschreibungen natürlich auch legal ablaufen." Die Branchenexpertin sagt auch: "Wenn eine nationale Beschaffung nicht möglich ist, prüfen die russischen Behörden zuerst, ob sie Produkte aus Ländern beziehen können, die Russland nicht sanktionieren." Zu den Gütern mit Einfuhrbeschränkungen gehören Computertomographen, Röntgentechnik oder Elektrokardiographen. Öffentliche Einrichtungen dürfen sie nur noch von Herstellern aus der Eurasischen Wirtschaftsunion (Russland, Weißrussland, Kasachstan, Armenien, Kirgisistan) beziehen.

Ob die speziellen Bedingungen auf dem russischen Markt illegale Machenschaften, wie die der gerade zerschlagenen Bande befördern, die mithilfe von Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe Medizin-Geräte verkauft haben soll, noch dazu überteuerte, kann Volberg nicht sagen. Aber was das generelle Phänomen der Bestechung angeht, sieht sie folgenden Zusammenhang: "Je höherwertig die Produkte, desto größer die Gefahr der Korruption." Die Bande von Wirtschaftskriminellen, deren mutmaßlicher Drahtzieher ein 52-jähriger Neu-Ulmer Unternehmer mit Wurzeln in Kasachstan ist, soll Politiker und Wirtschaftsvertreter bestochen haben, um High-Tech-Geräte an Kliniken verkaufen zu können - zu Preisen von mehreren Millionen Euro pro Gerät. High-Tech aus Deutschland war lange Zeit begehrt gewesen in Russland. Russland war bis vor kurzem auch insofern ein guter Absatzmarkt, als ein Modernisierungsprogramm von landesweit 3000 Kliniken zwei Jahre lang für eine Sonderkonjunktur sorgte.