Das Laupheimer Traditionsunternehmen Kekeisen muss zum 30. Juni 2020 schließen, weil es seit Ende 2018 keine neuen Aufträge mehr gab. Das entspricht dem derzeitigen Trend - die gesamt Industrie im Südwesten verzeichnet Rückgänge.

Die vor 175 Jahren gegründete Th. Kekeisen GmbH & Co. KG. fand auch keinen Investor: Der Versuch, den Maschinen- und Werkzeugbauer zu verkaufen, blieb ohne Erfolg.

Seit Donnerstag laufen Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan für die 120 Kekeisen-Mitarbeiter, die ihre Kündigung erhalten werden, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Thomas Gebele. Die Unternehmensleitung hatte bei der Bekanntgabe der Schließung auf einer Betriebsversammlung betont, dass bis zur Schließung am 30. Juni 2020 alle Mitarbeiter bei vollem Gehalt weiterbeschäftigt würden. Gebele erklärte in einer Mitteilung, dass man die Stilllegung so sozial verträglich wie möglich gestalten möchte „und unsere Mitarbeiter nach Kräften dabei unterstütze, eine neue Beschäftigung zu finden.“

Nach Schließung von Kekeisen gute Job-Chancen für qualifizierte Mitarbeiter

Gebele äußerte sich in diesem Punkt zuversichtlich, schließlich seien seine Mitarbeiter „sehr qualifiziert“. Das sieht Barbara Klause, bei der Stadt Laupheim zuständig für die Wirtschaftsförderung, ähnlich. Sie ist optimistisch, dass die betroffenen Mitarbeiter von Kekeisen schnell vom örtlichen Arbeitsmarkt aufgenommen werden. „Die Firmen suchen derzeit eher nach Mitarbeitern.“

Viele produzierende Betriebe in Laupheim

In Laupheim sind viele produzierende Betriebe ansässig. Zum Beispiel

  • der Aerosol-Abfüller und Verpackungsspezialist Colep

„Wir sind ein breit aufgestellter, produzierender Standort“, sagt die Wirtschaftsförderin.

Derzeit gibt es insgesamt 13.300 Arbeitsplätze in der Stadt Laupheim, bei nur 23.000 Einwohnern. „Von 2000 bis 2018 hatten wir einen Zuwachs von 61,8 Prozent“, berichtet Klause. 2000 Arbeitsplätze sind in dieser Zeit neu entstanden.

IG Metall: Verschiebungen bei Autozulieferern

Petra Wassermann, Geschäftsführerin der IG Metall in Ulm kennt die Situation der Branche, auch wenn die Firma Kekeisen nicht mit der Gewerkschaft zusammengearbeitet hat: „Durch die Transformation in der Automobilindustrie gibt es einige Verschiebungen. Das betrifft auch bei uns in der Region Zulieferer und Maschinenbauer.“

Generell sei die Region zwischen Ulm und Biberach aber noch besser aufgestellt, zum Beispiel im Vergleich zum Großraum Stuttgart. „Andere Regionen sind strukturell stärker betroffen. Bei uns ist die Situation nicht dramatisch, aber von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich“, erklärte Wassermann im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE.

Stabiler Arbeitsmarkt in der Region

Die Situation der Beschäftigten, die ihre Jobs verlieren werden, schätzt sie eher positiv ein: „Der Arbeitsmarkt in der Region ist nach wie vor einer der stabilsten. Ich könnte mir vorstellen, dass es je nach Qualifikation nicht allzu schwierig wird, wieder in Beschäftigung zu kommen.“ Vor allem Facharbeiter und Ingenieure dürften schnell wieder eine Anstellung finden, für Angelernte könnte es schwieriger werden. Der IG Metall seien allerdings auch einige Firmen bekannt, die einen Einstellungsstopp verhängt hätten.

Reaktionen auf Facebook auf die Schließung von Kekeisen

Für viele Menschen ist die Schließung des Maschinenbauers ein Schock. Dementsprechend fallen die Reaktionen in sozialen Netzwerken aus. Manche äußern auf Facebook Bedauern und Mitleid mit den Mitarbeitern, die ihren Job verlieren werden. Es wurden sogar zwei Stellenangebote eingestellt.

Andere äußern sich aber auch wütend und machen die Diesel-Skandale und Software-Schummeleien in der Automoblilindustrie verantwortlich. So schreibt ein User: „Verantwortlich sind vor allem die Automobilkonzerne, die sich mit ihren Betrügereien selbst das Kundenvertrauen genommen haben.“ Eine andere Nutzerin sieht eine verfehlte Politik und rechnet mit weiteren Schließungen. Sie kommentiert auf Facebook: „Und der nächste Autozulieferer macht dicht. Das ist das Resultat aus der Politik der letzten 18 Monate. Und es wird in den nächsten 3 Jahren noch mehr Firmen und Arbeitnehmer treffen.“

Weniger Aufträge nicht nur für Kekeisen, sondern für gesamte Industrie

Kekeisen ist offenbar nicht die einzige Firma, die von einer Flaute bei den Aufträgen betroffen ist. Wie das Statistische Landesamt Baden-Württemberg berichtet, bleibt die Nachfrage nach Industrieprodukten aus Baden-Württemberg weiter rückläufig. Demnach verzeichnete die Südwestindustrie nach vorläufigen Angaben im Oktober 2019 im Vorjahresvergleich einen spürbaren Rückgang der Aufträge von minus 3,9 Prozent. Das war bereits der 14. Monat in Folge mit einem Auftragsminus, wie die Statistiker berichten.

Insgesamt verbuchte die Südwestindustrie im Zeitraum Januar bis Oktober 2019 ein beachtliches Auftragsminus von minus 6,1 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresergebnis.

Die Produktion der Südwestindustrie ging im Vorjahresvergleich den achten Monat in Folge zurück, und zwar um minus 5,4 Prozent.

Der reale, das heißt preisbereinigte Umsatz der Südwestindustrie ging nach vorläufigen Angaben im Oktober 2019 im Vorjahresvergleich den dritten Monat in Folge zurück um minus 2,8 Prozent.