Zum Gedenkjahr 500 Jahre Reformation hat sich die Münstergemeinde ein nicht nur sportlich ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Wir wollen 500 Läufer beim Einstein-Marathon auf die Beine bringen“, sagt Ernst-Wilhelm Gohl, Dekan und selbst passionierter Läufer.

Zwar ist bis zum Ulmer Stadtmarathon am Sonntag, 17. September, noch etwas Zeit, aber es wird schon mal getrommelt, um das Team zusammen zu bekommen. Nach dem derzeitigen Stand der Anmeldungen liegt das Team „Da ist Freiheit“ auf  dem elften Platz mit 85 gesetzten Teilnehmern. Bis zur anvisierten Zahl ist also noch reichlich Luft nach oben. „Das ist keine Katastrophe“, beschwichtigt Gohl etwaige Zweifel, „zum jetzigen Zeitpunkt ist das in Ordnung.“ Die meisten Läufer meldeten sich eher kurzfristig an.

Er gibt aber zu, dass das Ziel ambitioniert ist, „aber das war die Reformation auch. Und der Bau des Münsters oder die Aufstockung des Turms.“ Zu dessen Jubiläum 125 Jahre Turmerhöhung im Jahr 2015 hatte die Kirchengemeinde eine Mannschaft von 125 Läufern zusammengebracht.  Damals schon mit ökumenischer Unterstützung. Die wird es diesmal auch wieder geben: Im katholischen Gemeindeblatt und den einzelnen Gemeinden wird auch schon für das Projekt geworben. Ernst-Wilhelm Gohl sieht das in guter Tradition: „Wir feiern das Reformationsgedenken in Ulm unter dem Motto der Vielstimmigkeit.“ Das Team soll „Vielfalt und Toleranz abbilden und zeigen, wie wir alle gut miteinander leben können“. Darum sind im Team Menschen aller Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen willkommen.

Den „Geist, der vor 500 Jahren in der Stadt geherrscht hat, der Vielfalt nicht als Bedrohung gesehen hat“, erachtet der Theologe heute als wichtig, wertvoll und aktuell. „Es war möglich, dass damals unterschiedliche Meinungen nebeneinander bestehen durften. Und es gab Schutzraum für Menschen, die andernorts verfolgt wurden.“ Darum wurde auch der Teamname „Da ist Freiheit“ gewählt, erläutert Gohl, in Anlehnung an das Reformationsmotto der evangelischen Landeskirche Württemberg: „Der Geist Gottes ermöglicht Freiheit, wo Menschen Grenzen ziehen.“

Ganz wichtig: Nicht jeder muss einen Marathon oder Halbmarathon laufen, sondern Interessenten können sich zu jeder beliebigen Streckenlänge anmelden: 5, 10, 21 oder 42 Kilometer, ebenso Walking, Handbike, Jugend- und Schülerläufe.

Bezahlen muss jeder  Teilnehmer die Startgebühr aus eigener Tasche. Dafür bekommen sie aber auch was geboten: Jedes Mitglied der Laufgruppe bekommt ein einheitliches rotes Funktionsshirt mit dem Logo darauf. Am Wettbewerbstag steht die Münsterbauhütte als Teamquartier zur Verfügung. Außerdem gibt es einen Gutschein für ein Orgelkonzert im Münster und zwei Gratiskarten für eine Turmbesteigung.

Den Einsatz für das „Da ist Freiheit“-Projekt belohnt auch das Einstein-Team: Für jeden Läufer wird ein Teil der Startgebühr für den Bauunterhalt des Münsters gespendet.  

Dekan Gohl: „Wer mitläuft, tut also nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern auch dem Münster.“ Am Schluss noch eine kleine Spitze: Auch die Stuttgarter hatten sich am Sitz der Landeskirche beim jüngsten Stadtlauf das Ziel gesetzt, 500 Läufer auf den Weg zu schicken. Doch dieses wurde mit 135 Teilnehmern weit verfehlt. Die Ulmer wollen sich davon nicht entmutigen lassen, Gohl: „Dann können wir Stuttgart jetzt zeigen,  wie man es macht.“ 

Info Anmeldung im Internet unter einsteinmarathon.de und in der Rubrik Verein/Team „Da ist Freiheit“ eintragen. Das Einstein-Orga-Team gibt die Infos ans evangelische Dekanat weiter, das meldet sich dann bei jedem Läufer. Info-Flyer liegen auch im Münster und allen Gemeinden aus.