Gericht Lange Finger am Kartoffel-Stand

Mit einer Kartoffel klauenden Marktverkäuferin musste sich das Neu-Ulmer Amtsgericht beschäftigen.
Mit einer Kartoffel klauenden Marktverkäuferin musste sich das Neu-Ulmer Amtsgericht beschäftigen. © Foto: Symbolbild
Neu-Ulm / Hans-Uli Mayer 04.07.2018
Eine 56-jährige Markt-Verkäuferin wird wegen fortgesetzten Diebstahls zu einer Geldstrafe verurteilt.

„Ich bin erfolglos wie die deutsche Nationalmannschaft“, musste gestern Früh Rechtsanwalt Uwe Böhm schon zu Beginn einer Gerichtsverhandlung einräumen. Die Erfolglosigkeit bezog sich darauf, dass seine Mandantin nicht zum Prozess vor dem Neu-Ulmer Amtsgericht erschienen war, und der Verteidiger keine Erklärung dafür hatte. Entsprechend fiel auch das Urteil gegen die 56-jährige Marktverkäuferin aus, die wegen Diebstahls 1200 Euro Strafe (60 Tagessätze zu jeweils 20 Euro) bezahlen muss.

  „Die hat ständig geklaut. Den ganzen Tag über“, nahm ein ehemaliger Arbeitskollege kein Blatt vor den Mund. Zwar sei die Frau eine gute Kraft gewesen, irgendwann um den Jahreswechsel von 2016 auf 2017 ist sie ihm aber zunehmend verdächtiger vorgekommen. „Ich hatte immer mehr das Gefühl, dass Geld aus der Kasse fehlt“, sagt er gestern. Irgendwann zählte er die 50er-Scheine ab und beobachtete schließlich, wie die Kollegin auf dem Neu-Ulmer Wochenmarkt immer wieder einen Geldschein in der Hosen- oder Schürzentasche verschwinden ließ. „Was ich tatsächlich gesehen habe, war nur die Spitze des Eisbergs.“

Wie oft die Frau zugelangt hat und wie viel Geld sie in die eigene Tasche wirtschaftete, weiß keiner so genau. Vier Fälle waren angeklagt, einige andere schon im Vorfeld eingestellt worden. Aber sowohl der Verkäufer wie auch die Familienmitglieder des Gartenbaubetriebs hatten fortlaufende Straftaten beobachtet. So hatte sich etwa der Gärtner selbst auf die Lauer gelegt, oder auch seine Tochter, die schließlich Anfang Dezember vergangenen Jahres die Polizei rief, die die 56-jährige Marktverkäuferin auf frischer Tat mit den Vorwürfen konfrontierte.

Ihrem Chef war nach eigenem Bekunden nichts anderes übrig geblieben, als eine fristlose Kündigung auszusprechen. „Sie war fast zehn Jahre bei uns und zuverlässig. Dass sie das Vertrauen so ausgenützt hat, kann ich nicht verstehen“, sagte der 61-Jährige, dem seine Enttäuschung selbst gestern noch anzumerken war. Aber selbst in dieser für ihn schweren Stunde, wie er sagte, hat er selber überkorrekt gehandelt, und der Frau sogar die noch ausstehenden elf Urlaubstage ausbezahlt, was er bei einer fristlosen Kündigung nicht hätte tun müssen. Aber, so der Gärtner: „Da lasse ich mir nichts nachsagen.“

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