Moco-Areal Land gibt 1,5 Millionen Euro für Start der Altlastensanierung

Blick von der Beringerbrücke Richtung Roter Berg (am Horizont): Das Erdreich des bereits geräumten Grundstücks muss grundlegend saniert werden, da es bis zu zwölf Meter tief mit Teerölrückständen belastet ist.
Blick von der Beringerbrücke Richtung Roter Berg (am Horizont): Das Erdreich des bereits geräumten Grundstücks muss grundlegend saniert werden, da es bis zu zwölf Meter tief mit Teerölrückständen belastet ist. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / Carolin Stüwe 04.08.2018
Wo einst ein Bitumenmischwerk stand, ist auf einem Grundstück des Moco-Areals die Erde stark verseucht.

Regierungspräsident Klaus Tappeser war nach Ulm gekommen, um „gut angelegtes Geld“ für die Städtebauförderung zuzusagen. Und Andre Baumann, Staatssekretär beim baden-württembergischen Umweltministerium, brachte den Zuwendnungsbescheid in Höhe von 1,5 Millionen Euro persönlich ins Rathaus – für den ersten von vier Abschnitten eines „umweltfreundlichen Flächenrecyclings“.

Denn dieser Landeszuschuss schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Er ist vorrangig die erste Rate für eine umfangreiche Altlastensanierung auf dem ehemaligen und seit fünf Jahren brach liegenden Moco-Areal an der Blaubeurer Straße. Dort ist wie berichtet auf einem relativ kleinen Grundstück westlich vom Baumarkt Hornbach das Erdreich mit Teerölrückständen beziehungsweise Mineralölkohlenwasserstoffen und krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen belastet.

Bedenkenlos Teer verarbeitet

Diese Altlasten stammen nachweislich von dem Bitumenmischwerk der Gebrüder Braun, das dort von 1881 bis 1983 betrieben wurde. Dabei wurde Teer für die Herstellung von Dachpappe und Dichtungsbahnen verarbeitet. Auf dem blanken Boden standen  etwa eine Teerdestillationsanlage, ein Rohteertank und ein Tank fürs Rohbenzol. Denn damals machte sich wie überall keiner Gedanken um mögliche Schäden für die Nachwelt.

„Der Grenzwert wird an manchen Stellen bis zu 100.000-fach überschritten“, sagte Baubürgermeister Tim von Winning. Er nahm den Landeszuschuss gerne entgegen, weil damit gleichzeitig der Städtebau im nahe gelegenen Dichterviertel gefördert wird. Dortige Gewerbebetriebe, die räumlich in ihrer Entwicklung eingeschränkt sind, könnten später theoretisch aufs geplante Gewerbegebiet „Moco-Areal“ umziehen, das langfristig über eine Zufahrtsstraße an die Schillerstraße angebunden werden soll.

Noch ein umweltfreundlicher Aspekt kommt hinzu: So wird an der Blaubeurer Straße auf insgesamt 60.000 Quadratmetern Fläche ein ehemaliges Gewerbegebiet bebaut „und nicht die freie Landschaft“, betonte von Winning.

Baumann hatte den landesweiten Überblick: „Es ist ein guter Tag für den Umweltschutz in Baden-Württemberg und ein herausragender Tag für Ulm.“ Denn parallel zur Altlastensanierung, die von Ende 2019  bis 2021 ablaufen soll, wird noch mindestens zwei Jahre lang auf dem betroffenen Flurstück das ebenso belastete Grundwasser abgepumpt. Damit soll verhindert werden, dass durch den Aushub mobilisierte Schadstoffe im Karstwasser mit- und in die Nachbarschaft abfließen. Das Erdreich, rund 80.000 Tonnen oder 4000 Lastwagen-Ladungen, wird jedoch nicht großflächig abgetragen. Sondern über Großlochbohrungen – mit zwei Metern Durchmesser und bis zu  zwölf Meter tief – werden die am stärksten belasteten Bodenschichten herausgeholt und jedes Loch gleich wieder mit Kies oder Erde verfüllt.

Insgesamt kostet die Altlastensanierung auf diesem Grundstück  17,6 Millionen Euro. Entsprechend hatte die Stadt im April einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 10,2 Millionen Euro gestellt. Wie sicher sind die nächsten drei Raten? Dazu sagte Baumann am Rande der Veranstaltung: „Wir sind uns bewusst, dass es teuer wird, und wir haben noch nie was begonnen und dann aufgehört zu  fördern.“ Das Land wolle auch bei den kommenden Sanierungsabschnitten Verantwortung übernehmen und der Stadt finanziell unter die Arme greifen. Allerdings müsse erst der Landtag über die weiteren Zuschussraten entscheiden.

„Insgesamt stellen wir den Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg dieses Jahr rund 14 Millionen Euro bereit, damit sie die unrühmlichen Folgen der Industrialisierung beseitigen können“, sagte der Staatssekretär des Umweltministeriums.

Kosten

17,6 Millionen Euro wird die Altlastensanierung auf dem Grundstück des Bitumenmischwerks kosten. Da die Firma nicht mehr existiert, kann sie nicht als „Störer“ herangezogen werden.

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