Jetzt sei langsam alles auf dem Gleis: „Insgesamt läuft’s super“, sagt Samuel Rettig. Vor zwei Monaten hat das Zwischennutzungsprojekt „Gleis 44“ im alten Bahngebäude in der Schillerstraße 44 eröffnet und inzwischen habe man sich „echt gut eingespielt“, sagt der 20-Jährige. Zusammen mit Paul Kost und Raffael Schmidt ist er für das Gedeihen des jungen Kulturprojekts auf dem städtischen Gelände gegenüber der echten Bahngleise verantwortlich. Und er klingt hochzufrieden mit dem Lauf der Dinge. „Bisher hatten wir noch keine Veranstaltung, die schlecht besucht war“ – fast jedes Mal seien mindestens hundert Leute zu Gast gewesen.

Auch inhaltlich sei man jetzt auf einem guten Weg: Neben dem Bar- und Clubbetrieb am Wochenende gab es bislang nicht nur Flohmarkt, Kindertheater sowie den „Tatort-Reiniger“ der Jungen Ulmer Bühne, sondern – wie anfangs versprochen – auch einen ersten Ausflug in die E-Kultur. Schließlich war es ein erklärtes Ziel der jungen Betreiber, dass sowohl Sub- als auch Hochkultur im Gleis 44 ihren Platz finden.

„Entgleisung“ hieß das klassische Klavierkonzert, das so gut besucht war, dass man dutzende Leute abweisen musste, erzählt Rettig. Weil’s so schön war, soll eine Reihe draus werden, so wie auch die anderen Veranstaltungen eine Fortsetzung finden sollen: „Wir hoffen, dass wir etwa im Zweimonatsrhythmus solche Sachen ausprobieren und auch mal experimenteller werden können“, meint Rettig, dem zum Beispiel ein „Dunkelkonzert“ mit Streichern vorschwebt.

Im November sind erst einmal die Afrika-Tage zu Gast im Gleis, es gibt Lesungen und ein Jazz-Konzert. Außerdem probiere man es zum Winter hin mit einem neuen Fokus: „Da setzen wir stärker auf Kunst und wollen endlich unsere Galerieräume eröffnen“, sagt Samuel Rettig. Dank des Club-Betriebs, mit dem das Kulturprogramm querfinanziert wird, habe man Geld übrig gehabt, das nun in die Sanierung der Galerieräume fließen kann. Beim Klavierkonzert etwa sei man dank der Club-Nacht „easy auf Null“ gekommen, ohne dass sich irgendjemand habe aufopfern müssen, sagt Rettig. Was wichtig ist, schließlich wolle man den Großteil der Kulturveranstaltungen kostenlos anbieten.

Ab Januar soll es theatraler werden: Dann gründet das Gleis 44 in Zusammenarbeit mit der Jungen Ulmer Bühne seine eigene Theatergruppe, die im Gleis probt und dort auch auftreten kann. „Wir hoffen, dass wir da eine gute Truppe zusammenbringen.“ Und die Truppe im Gleis 44 selbst? Neben den drei hauptamtlich Verantwortlichen seien zwanzig bis dreißig Leute dabei, die intensiv mitarbeiten, sagt Samuel Rettig. Und dann gibt es ja auch noch die „Bewohner“ wie die Mitarbeiter in den Werkstätten oder in den Ateliers die Künstler Mark Klawikowski,  Janina Schmid und Stefan Grzesina, der nebenher als eine Art „künstlerischer Leiter“ fungiert; zudem betreibt die HfK + G im Gebäude ein Design Lab.

Läuft also – mittlerweile läuft’s übrigens auch besser mit den Nachbarn, sagt jedenfalls Samuel Rettig: „Die haben gemerkt, dass es gar nicht so schlimm ist.“ Gemeint ist natürlich der Lärm, dem jedoch entgegengewirkt werde, versichert er: Ab 22 Uhr werde der Biergarten nach und nach geräumt, Schallschutz für den Club sei nun auch eingebaut.

Info

Die Öffnungszeiten im Gleis 44 sind jetzt regulär immer von Mittwoch bis Samstag von 19 Uhr an. Auch die Homepage soll bald „eröffnen“: Ende November kann man den „Fahrplan“ dann im Internet unter www.gleis44.de abrufen.

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Veranstaltungen im Herbst


Afrika Die Ulmer Afrika-Tage finden vom 7. bis zum 10. November statt.

Konzert Das Helio Serodio Trio eröffnet am 8. November, 21 Uhr, die Jazz-Reihe „AußerJazzmäßig“.

Vernissage „Ähm, Tja, Hm“: Janina Schmid eröffnet am 10. November, 16 Uhr, ihre Installation.

Galerie 44 Die Ateliergemeinschaft 44 stellt sich beim „Art Express“ am 17. November, 18 Uhr, vor, wenn Vernissage der großen Eröffnungsausstellung in den neuen Ausstellungsräumen der Galerie 44 ist. Mit Stefan Grzesina, Ulrike Honlet, Mark Klawikowski und Janina Schmid.

Weitere Termine Die Band Shkoon tritt am 21. November, 22 Uhr, auf mit einem Sound, den sie als „Oriental Slow-House“ bezeichnen: orientalische Melodien mit okzidentaler Elektronik. Florian Schröder liest am 22. November, 21 Uhr, aus seinem Hörbuch „Sage mir deine Freunde“. Das Figurentheaterstück „Malenki findet seinen Platz“ ist am 25. November, 15 Uhr zu sehen.