Einstein-Läufe Tod eines Läufers überschattet 14. Einstein-Marathon

Der Einstein-Marathon 2018.
Der Einstein-Marathon 2018. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / Ute Gallbronner 23.09.2018
Ein 30-Jähriger bricht auf der Strecke zusammen. Insgesamt 12.072 Starter bekommen von dem tragischen Ereignis kaum etwas mit.

Während auf dem Münsterplatz einige Gruppen noch ihre Erfolge feierten, herrschte im Stadthaus große Betroffenheit. Der leitende Notarzt Prof. Dr. Claus-Martin Muth von der Universitätsklinik Ulm hatte kurz zuvor den Veranstaltern mitgeteilt, dass ein Läufer gestorben ist. Es ist das erste Todesopfer beim Einstein-Marathon.

Kurz vor dem Ziel war ein Halbmarathon-Läufer zusammengebrochen. „Es wurde sofort von Läufern mit der Reanimation begonnen“, sagte Muth. Sanitäter und Notarzt, die sich im Zielbereich aufhielten, waren ebenfalls schnell vor Ort und übernahmen von den Ersthelfern. Während die Ärzte um das Leben des Patienten kämpften, liefen hunderte andere an ihnen vorbei ins Ziel. Doch es war eine spürbar gedämpfte Freude, auch die Musik auf dem Münsterplatz wurde abgedreht. Bis nach einer halben Stunde vorsichtige Entwarnung kam: Der Mann sei auf dem Weg in die Klinik.

Vergebliches Hoffen

In der Tat habe es so ausgesehen, dass es gut ausgehen könnte. Doch noch im Rettungswagen setzte der Herzschlag des 30-Jährigen erneut aus, im Krankenhaus mussten die Ärzte schließlich aufgeben. „Wir konnten letztlich nichts mehr machen“, sagte Muth. Über die Gründe des Zusammenbruchs könne man nur spekulieren, und das wolle er nicht, sagte der Notarzt: „Ich habe jedes Jahr gesagt: Wir haben wieder Glück gehabt. Aber wir mussten immer damit rechnen, dass auch in Ulm einmal so etwas passiert.“

Es war nicht die einzige Reanimation an diesem Tag: Noch vor dem Start erlitt ein Helfer einen Herzinfarkt und zwar direkt bei den Ärzten. „Ihm geht es gut. Wenn es später passiert wäre, hätte auch das anders ausgehen können“, so Muth.

Insgesamt waren Ärzte und Sanitäter am Sonntag deutlich mehr beschäftigt als in den Vorjahren. „Ich weiß nicht genau, an was es gelegen hat, die äußeren Bedingungen waren eigentlich gut“, sagte Muth. Bei 12.072 Startern mussten das Deutsche und das Bayerische Rote Kreuz 137 Mal Hilfe leisten. Am häufigsten waren sie im Zielraum im Einsatz, und der Großteil der Patienten hatte die eigene Leistungsfähigkeit völlig überschätzt. Neun mussten in die Klinik gebracht werden, sagte Muth. Einer habe eine Körpertemperatur von 42 Grad gehabt und sei total dehydriert gewesen. Aber auch ihm werde es wohl bald besser gehen.

Auch trainierte Läufer kämpften

Auch Alina Reh hatte mit Magenkrämpfen zu kämpfen, musste im Zehn-Kilometer-Lauf zwei Pausen einlegen. Marathon-Sieger Richard Schumacher gab zu Protokoll, er habe sich nicht gut gefühlt: „Das war kein Tag für eine Bestzeit.“ Er habe beim Lauf auf seinen Körper geachtet: „Ich habe gedacht, Darko macht das. Der sieht gut aus.“ Darko Tesic (SSV 46) hatte sich viel vorgenommen, führte auch bei 12,5 Kilometer klar vor Klaas Hinnerk Puls (Tübingen). Doch dann brach er ein, fiel zurück und stieg letztlich aus.

Die Führung übernahm Schumacher, der Erfahrene, der Dauersieger beim Einstein. Erst vor drei Wochen hatte Richard Schumacher (Rechberghausen) in Koblenz den Marathon für sich entschieden. Damals in einer Zeit von 2:35 Stunden, in Ulm waren es 2:37:42 Stunden. Wie gesagt: Kein Tag für eine Bestzeit. „Aber ich bin halt schon den ein oder anderen Marathon gelaufen“, sagte Schumacher.

Bei den Frauen hieß die Siegerin Julia Laub (LG Filstal). Die Vorjahreszweite setzte sich in 3:09:24 Stunden vor Tanja Massauer (Rechberghausen/3:24:59) durch. „Es war eine wunderschöne Strecke und eine Top-Organisation“, sagte die Siegerin, der wie vielen anderen die neue Streckenführung mit einer Zusatzschleife in der Stadt besser gefallen hat als die alte Schleife nach Wiblingen. „Ich denke, das werden wir beibehalten“, sagte Streckenchef Bernd Hummel. Ob Julia Laub am 29. September 2019 wiederkommt? „Keine Ahnung. Momentan will ich keinen Schritt mehr laufen.“

Tadese und Reischmann gewinnen Halbmarathon

Die ersten Läufer im Ziel waren am Vormittag die Halbmarathonis gewesen. Hier hatte sich eine Spitzengruppe früh abgesetzt. Mit dabei die beiden Ulmer Efrem Tadese und Lamin Muhammad Bah sowie Jonas Lehmann (SG Stern Stuttgart). Nach 15 Kilometern musste der 21-jährige Bah abreißen lassen, während Tadese weiter das Tempo erhöhte. In 1:10:26 Stunden lief er durch den Zielbogen und hatte dem Stuttgarter Konkurrenten acht Sekunden abgenommen. Bah wurde Dritter (36 Sekunden zurück). Mit einem strahlenden Lachen überquerte Katrin Reischmann (1:19:47 Std.) die Ziellinie und war damit 30 Sekunden schneller als die Schweizerin Michela Segalada.

Wind macht viel Arbeit

Tausende kamen nach ihr ins Ziel. Sie alle haben vor allem den Kampf gegen sich selbst, den inneren Schweinehund und gegen den Wind gewonnen. Denn der machte Läufern wie Organisatoren zu schaffen. Er blies ihnen ins Gesicht, die luftgefüllten Start- und Zielbögen kämpften mit der Standfestigkeit und vor allem auf den Brücken mussten die Absperrungen festgehalten werden. Schwerstarbeit für die vielen Helfer überall.

Die Organisatoren konnten sich in diesem Jahr nicht freuen über einen gelungenen Marathon. „Unser Mitgefühl gilt der Familie des jungen Mannes“, sagte der sichtlich mitgenommene Geschäftsführer Markus Ebner.

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