Lebensqualität Lärmquellen gibt es überall

Ulm / Katrin Stahl 21.11.2018

Straßen-, Schienen- und Flugverkehr, Industrie und Bau, Gastronomie oder auch die direkte Nachbarschaft: Lärmquellen gibt es überall. Das machte Michael Jäcker-Cüppers in seinem Vortrag am Montagabend im Stadthaus deutlich. Der Vorsitzende des Arbeitsrings Lärm der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) sprach über Lärm und seine Folgen – und was man dagegen tun kann. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Ulmer Verein Leben in der Stadt in Kooperation mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Gesundheitliche Folgen möglich

Ausführlich stellte Jäcker-Cüppers, der als Lehrbeauftragter für städtebaulichen Lärmschutz an der Technischen Universität in Berlin tätig ist, Analysen und Studien der Lärmwirkungsforschung vor. So könne besonders die Beschallung durch Verkehr zu gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Mögliche Folgen: Stress, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Oberstes Ziel sollte eine Verkehrsbeschränkung und -lenkung sein. „Wir brauchen eine Stadt der kurzen Wege“, so der Lärmexperte. Weitere Maßnahmen seien der Bau von Lärmschutzwänden und -fenstern.  Jedoch sei der Immissionsschutz besonders in älteren Quartieren oft unzureichend und nicht einheitlich. Für Jäcker-Cüppers steht fest: „Lärm wird als Risikofaktor von vielen noch immer zu sehr unterschätzt.“ Er forderte eine stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit und einen Dialog zwischen Politikern, Behörden und Bürgern.

Dass viele Ulmer der Lärm, besonders in der Innenstadt, beschäftigt, zeigte die anschließende Fragestunde, bei der auch der eine oder andere Besucher etwas lauter wurde. Neben den Sperrzeiten in der Gastronomie sorgten besonders die aufgerüsteten und damit sehr lauten Autos für Verärgerung. „Die Stadt Ulm tut nichts“, empörte sich eine Frau.

„Wir haben kein Erkenntnis- sondern ein Umsetzungsdefizit“, erklärte Baubürgermeister Tim von Winning. An vielen Stellen seien der Stadt die Hände gebunden. Zudem würde sich momentan die Mehrheit der Ulmer Einwohner gegen ein Tempo-30-Limit an vielen Stellen aussprechen, wie auch die Petition im Frühsommer gezeigt hätte. Lärmbelästigung sei ein gesamtgesellschaftliches Thema.

Info Über Lärmschutz und auch den Lärmaktionsplan der Stadt Ulm wurde gestern Abend im Bauausschuss gesprochen. Ein Bericht hierzu folgt.

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