Neu-Ulm Längste Busreise der Welt muss Zwangspause einlegen

Kann es kaum erwarten, bis auch für ihn die Busweltreise weitergeht: der Ulmer Service-Techniker Anatoli Reklin. Foto: Stefan Loeffler
Kann es kaum erwarten, bis auch für ihn die Busweltreise weitergeht: der Ulmer Service-Techniker Anatoli Reklin. Foto: Stefan Loeffler
Neu-Ulm / STEFAN LOEFFLER 09.10.2013
Vor einem halben Jahr brach Busunternehmer Hans-Peter Christoph mit einem Setra zur längsten Busreise der Welt auf. Mit dabei: der Ulmer Techniker Anatoli Reklin, der jetzt eine Zwangspause einlegen musste.

Keine Frage, die vergangenen Wochen hatte sich Anatoli Reklin ganz anders vorgestellt. Eigentlich wollte der 38-Jährige mit dem Bus von Alaska über die USA und Mittelamerika bis nach Südamerika reisen und dann noch weiter bis nach Feuerland. Doch aus der Fahrt entlang der Panamericana wurde nichts. Dem Ulmer Setra Bus, mit dem das Freiburger Unternehmen "Avanti Reisen" im April zur längsten Busreise der Welt aufgebrochen war (wir berichteten), wurde die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert. Die Begründung: Der Motor entspricht nicht den nordamerikanischen Standards. Anatoli Reklin kann da nur ungläubig den Kopf schütteln: "Der Bus der neuen Setra ComfortClass 500 erfüllt schon heute die ab 2014 geltenden europäischen Abgas-Vorschriften. Der eingebaute Euro 6-Motor ist der sauberste und sparsamste Antrieb, den es derzeit für einen Bus zu kaufen gibt." Doch Amerika ist eben nicht Europa. Der kalifornische Zollbeamte blieb stur.

Auf der ersten Etappe der Weltreise, die von Freiburg nach Shanghai führte, war er noch an Bord, dann flogen er, das Reiseteam und die Passagiere zurück nach Europa, denn der rote S 515 HD musste auf dem Seeweg nach USA gebracht werden, von wo aus die Reise Mitte Juli von Anchorage aus weitergehen sollte. Doch in Alaska kam das Luxusgefährt nie an. Im Hafen von Tacoma bei Seattle war erst einmal Schluss. Auch für Anatoli Reklin.

Ein Tag vor seinem Abflug aus Deutschland musste sein Flug von Avanti-Busunternehmer Hans-Peter Christoph leider storniert werden. Kein Setra, kein Techniker. Für Anatoli Reklin war das bitter: "Ich hätte sehr gerne die gesamte Reise um die Welt mitgemacht. Und dann das. Ich habe bis zuletzt gehofft, dass es noch klappt und die Amerikaner den Bus ins Land lassen." Vergeblich, denn alle Versuche, auch von der Marke Setra, halfen nichts. Der Bus blieb bis August, wo er war, im Hafen von Tacoma. Doch die Reise musste und sollte ja weitergehen. "So hangelten wir uns von Stadt zu Stadt, aber immer im Reiseplan mit immer wieder gecharterten Bussen durch, großartig unterstützt durch die Setra-Mannschaft in Ulm, ihre amerikanischen Kollegen und deren Beziehungen", berichtet Hans-Peter Christoph in einem Schreiben an die SÜDWEST PRESSE: "Es war eine großartige Hilfe, auch in moralischer Hinsicht, dass sich die Geschäftsleitung von Setra so für uns einsetzte und solidarisch zeigte. Ohne Setra hätten wir den Traum begraben müssen."

Doch so leicht ließ sich der Abenteurer nicht aus der Bahn werfen. Die Reise ging wie geplant weiter, wenn eben auch ohne den roten Setra Bus. Dieser wurde nach zähem Ringen mit den US-Behörden unverrichteter Dinge wieder auf ein Schiff verfrachtet und über Panama nach Kolumbien verschifft. Von dort geht es auf der letzten Etappe bis nach Argentinien weiter.

Mit an Bord ist dann auch wieder Anatoli Reklin. Der weitgereiste Service-Techniker, der für Evobus unter anderem auch schon in Saudi-Arabien oder Singapur im Einsatz war, fliegt Mitte Oktober nach Kolumbien, wo er "seinen" Bus wieder in Empfang nehmen wird. Diesen hat er auch in den vergangenen Monaten, als er im Neu-Ulmer Setra Kundencenter eingesetzt war, nie ganz aus den Augen verloren: "Ich habe auch von hier aus über den GPRS-Funkdienst jederzeit Zugriff auf die technischen Daten des Busses."

Nun wird Reklin also bald wieder auf seinem Reisesitz Platz nehmen, wenn auch die Reisegruppe in der Hafenstadt Cartagena eingetroffen sein wird und man dann gemeinsam über Chile und Peru bis nach Ushuia, der südlichsten Stadt der Welt, reist. Dort wird der Bus am 22. Dezember ankommen. Wenn alles gut geht. Anatoli Reklin: "Der Setra Bus ist super, doch wer weiß wie die Straßen und die Qualität des Diesels in Südamerika sein werden." Doch der Gögglinger bleibt gelassen, schließlich besitzt er nach eigenen Worten die beste Voraussetzung, um das Abenteuer Panamericana bis zum Schluss durchzustehen: "Man muss ein bisschen verrückt sein. Ich bin es."

52 000 Kilometer bis zum Ziel
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