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Wenn Leichen in Gräbern nicht verwesen, liegt das am Boden. Auf den Friedhöfen Pfuhl, Finningen und Reutti wurden deshalb die Ruhezeiten verlängert.

Die Nachrichten vom Weißenhorner Friedhof haben die Menschen in der Region aufgeschreckt: Dort sind, als alte Gräber geräumt und neue Gräber angelegt werden sollten, mehrmals Leichen aufgetaucht, die nach der Ruhefrist von 20 Jahren noch nicht verwest waren. Ein Anblick, der in der Tat schockierend ist: "Für die beteiligten Gräbermacher ist das eine sehr unangenehme Sache", sagt Alfred Jüstl von der Abteilung Friedhofs- und Bestattungswesen der Stadt Ulm. Im Normalfall reiche die Ruhezeit allerdings vollkommen aus, die Leichname verwesten auf dem Ulmer Friedhof und den Friedhöfen der Ortsteile innerhalb der von der Friedhofssatzung vorgeschriebenen 18 Jahre. Jüstl räumt aber auf Nachfrage ein, "dass in Einzelfällen die Verwesung nicht optimal verläuft und bei Grabarbeiten durchaus auch mal Körperteile zum Vorschein kommen, die noch gut erhalten sind".

Nicht optimal? Die Ursache für die mangelhafte Verwesung liegt im Boden. Bei sandigen Böden, die viel Sauerstoff in sich tragen, betrage die Ruhezeit oft nur acht bis zehn Jahre. Bei lehmigen oder nassen Böden seien selbst nach 20 Jahren die Gebeine oft noch komplett vorhanden, erklärt der städtische Abteilungsleiter. Man spricht dann von "Wachsleichen", die Körperfette werden wegen des Sauerstoffmangels im Boden zu einer wachsähnlichen Schutzschicht umgewandelt. Manche Städte und Gemeinden würden deshalb die Ruhezeit auf 30 Jahre verlängern. Auf den Ulmer Friedhöfen kämen Wachsleichen aber so gut wie nie vor, betont Jüstl. Stießen die Gräbermacher auf verwachste Körperteile, dann werde versucht, diese Leichenteile tiefer zu legen.

Die Stadt Neu-Ulm hat für ihre Friedhöfe in der Regel Ruhezeiten von 15 Jahren festgelegt, die Ausnahmen dieser Regel sind: der neue Friedhof in Pfuhl sowie die Friedhöfe in Finningen und Reutti. Dort wurden die Ruhezeiten in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Neu-Ulm auf 20 Jahre verlängert. Was auf die Bodenverhältnisse zurückzuführen ist, wie Christoph Baldy, Pressesprecher des Neu-Ulmer Rathauses, auf Anfrage erklärt. "Die Böden dort haben eine höhere Dichte und sind feuchter als in den übrigen Ortsteilen." Über weitergehende Maßnahmen habe die Verwaltung bislang nicht nachdenken müssen, so Baldy weiter. Wachsleichen kämen in Neu-Ulm "glücklicherweise" nicht vor.