Ulm / Jürgen Kanold  Uhr
Als Kind fuhr Roland Emmerich über Ulm und Laupheim zum Skiurlaub in die Schweiz. Jetzt holte der Blockbuster-Regisseur aus Hollywood sich in Oberschwaben ein „Lämmle“ ab.

Kaum stellt ein Filmteam in der Provinz eine Kamera auf, raunt nicht nur der Dorfschultes: „Ein Hauch von Hollywood!“ Was natürlich viel über einen globalen Markennamen sagt, der zum Synonym geworden ist für großes Kino. Tatsächlich aber gehört ein Mann aus Oberschwaben, nämlich der vor 150 Jahren in Laup­heim geborene Carl Laemmle, zu den Erfindern der Traumfabrik. Er gründete die Universal-Studios: ein fröhlich lachender Pa­triarch, der auch mit Horrorfilmen wie „Dracula“ und „Frankenstein“ sein Geld verdiente.

Und dann nimmt auf Schloss Großlaupheim Roland Emmerich, der mit Blockbustern wie „Independence Day“ weltweit rund vier Milliarden Dollar einspielte, den ersten Carl Laemmle Produzentenpreis in Empfang. Hollywoods Schwaben also: nicht nur ein Hauch davon, sondern handfest. Auf dem lila Teppich stellten sich Jürgen Prochnow (auch Hollywood), Veronica Ferres (nicht Hollywood, aber berühmt) und Doris Dörrie (auch nicht Hollywood, auch berühmt) und Vize-Ministerpräsident Thomas Strobl (Baden-Württemberg) dem Blitzlichtgewitter der Fotografen. Regionale Prominenz, darunter die Unternehmer, Kunstsammler und Sponsoren Siegfried Weishaupt und  Friedrich E. Rentschler sowie Stefanie Dathe vom Ulmer Museum, war ebenso dabei.

Es war am Freitagabend kein Katastrophenfilm für Emmerich,  sondern eine aufwändige Gala in dem von Bernd Leitner (auch Akteur im Donaufest-Team) gemanagten Kulturhaus. Der Ulmer Gitarrist Patrick Wieland gab mit seiner „The-Voice-of-Germany“-Entdeckung Caro Trischler ein musikalisches Intermezzo. Und es war ein „bruddal“ schwäbischer Abend. Nicht nur, weil der in Sindelfingen aufgewachsene Emmerich als Trophäe ein weißes Lämmle aus Keramik erhielt und Maultaschen beim Get-Together gereicht wurden.

Das Schwabentum – Mentalität und Pioniergeist – wurde in vielen Reden ernst und launig beschworen, gerne auch mit schwäbischem Akzent. „’S isch meglich“, war schon Carl Laemmles Lebensmotto gewesen. Laupheims Oberbürgermeister Rainer Kapellen begrüßte „die lieben Feschtgäschde“, zeigte freilich weltgewandten politischen Biss. Emmerich habe in seinen Filmen das Weiße Haus öfter zerstört: „Aber heute ist Ihnen Konkurrenz erwachsen von einem, der das Weiße Haus von innen zerstört.“

Prochnow (nach seiner Rolle als „Boot“-Kapitän hollywood­reif) hielt die Laudatio und pries Emmerich für seine „hohe Kunst der großen Kinounterhaltung“. Dieser trat händchenhaltend mit seinem künftigen Mann Omar de Soto in Laupheim auf und verkündete glücklich: „Wir werden im Sommer heiraten.“ Der 61-Jährige erinnerte sich in seiner Dankesrede daran, wie er als Kind oft mit seinen Eltern ins Engadin in den Skiurlaub gefahren war – wie sie in Ulm von der Autobahn abbogen und dann auch Laupheim passierten. Laupheim und Sindelfingen: „Es ist derselbe Spirit.“

Emmerich, der auch nach langen Jahren in Los Angeles mit ungetrübt schwäbischer Färbung spricht, erzählte davon, wie er als Student an der Münchner Filmhochschule ob seiner schwäbischen Herkunft „immer ein bisschen belächelt“ worden sei. Doch dann habe ein Professor ihm Carl Laemmle „aus Laupheim bei Ulm“ entdeckt. Auch der Regisseur wagte später den Sprung nach Hollywood.

Begegnung mit Einstein

Für Lacher sorgte bei der Gala ein kleiner Filmschnipsel, der eine Begegnung unter geborenen Schwaben zeigt: Laemmle trifft Albert Einstein.  Die beiden Berühmtheiten reden – auf Deutsch – wild aneinander vorbei, bis Einsteins resolute Gattin Elsa  dazwischenfunkt und erklärt, dass im Archiv liegende Tonaufzeichnungen ihres Mannes erst nach dessen Tod veröffentlicht würden.

Wie die Laupheimer ihren Laemmle feiern, da kann der Ulmer neidisch werden. Wobei: Der 1979 geborene Physiker lebte als Baby nur 15 Monate in Ulm, Laemmle verließ Laupheim erst mit 17 –  und kehrte immer wieder zurück in die Heimatstadt, gründete dort ein Armenstift, gab Geld für ein Schwimmbad, für eine Schule, nahm in den 20er Jahren die Rolle des reichen Onkels aus Amerika ein.

Mit 17 Jahren ausgewandert

Der Pionier Carl Laemmle wurde 1867 in Laupheim geboren und starb 1939 in Beverly Hills. Mit 17 Jahren wanderte der Sohn eines jüdischen Viehhändlers aus, eröffnete 1906 sein erstes Kino in Chicago und begründete 1912 das Universal Studio. Er blieb seiner Heimatstadt immer verbunden. Laup­heim erinnert an den Ehrenbürger mit einem Brunnen, das Gymnasium trägt seinen Namen, das Museum zur Geschichte von Juden und Christen zeigt eine Laemmle-Ausstellung. Laupheim und die deutsche Produzentenallianz haben jetzt auch den mit 40 000 Euro dotierten Carl Laemmle Produzentenpreis ins Leben gerufen.