Airbrush Kunst mit Airbrush

Ulm / Sandra Kolb 13.01.2018
Sandra Buchmann verwandelt ihre Kunden in Kunstwerke. Mit ihren Luftdruckpistolen besprüht sie aber nicht nur Körper mit Farben – sie schafft damit auch fotorealistische Arbeiten auf Leinwand.

Ein Schimpanse lehnt am Schreibtisch und starrt nachdenklich ins Leere. Weiter links schnappt eine Giraffe gierig nach Luft. Und die Schaufensterpuppe, in Jeans und weißem bauchfreien Top, steht neben dem Eingang und schaut nach draußen. Beim genauen Hinsehen fällt auf: Ihre Kleidungsstücke sind nicht echt. Sie sind aufgesprüht – wie auch sämtliche Tiere. Schimpanse und Giraffe blicken nämlich von Bildern, die im Studio von Sandra Buchmann hängen: Die 39-Jährige ist Airbrush-Designerin.

Seit drei Jahren besitzt sie das kleine Atelier in der Schillerstraße in Ulm, das den Namen Sabu-Design trägt. Wie vielfältig ihre Arbeit ist, zeigt sich beim Blick ins Innere. Sandra Buchmann fertigt mit ihren Airbrush-Pistolen unter anderem aufwendige fotorealistische Porträts auf Leinwand und Objekten an, die verstreut in ihrem Studio hängen. Die Künstlerin holt schnell eines ihrer Lieblingswerke hervor und stellt es auf die Staffel: ein Löwe, der stolz den Kopf hebt. Die Linien hauchfein, jedes Härchen seiner Mähne erkennbar. „Ich habe rund 40 Stunden daran gearbeitet.“ Viele Porträts sind Auftragsarbeiten, wie auch das nächste Projekt: „Ich bekomme Teile einer Harley vorbeigebracht, die ich mit Ornamenten und Tribals besprühen soll. Das habe ich noch nie gemacht, da bin ich dann schon etwas aufgeregt.“

Mit Airbrush kann alles besprüht werden – auch Menschen. Beim so genannten Bodypainting sprüht die 39-Jährige die Farben ihren Kunden direkt auf die Haut. Es sind vor allem Firmen, Vereine und Model-Agenturen, die Sandra Buchmann buchen. Im Sommer war sie beispielsweise beim Musikverein Schnüpflingen eingeladen, wo sie live Mitgliedern eine Tracht ganz aus Farben auf die Haut sprühte. Private Kunden können aber auch direkt zu ihr ins Studio kommen. Gerade zu Halloween und Fasching ist sie wochenlang im Voraus ausgebucht. Denn die Künstlerin modelliert passend zum Fest aufwendige Masken, Wunden und Narben, die sie anschließend besprüht.

Aber wie funktioniert Airbrush eigentlich? Sandra Buchmann nimmt eine ihrer silbernen Airbrush-Pistolen in die Hand. Sie besteht aus einem Luftkopf, an dessen Gehäuse ein Farbtopf angebracht ist und durch den eine Nadel bis zur Öffnung verläuft. Weiterhin gibt es einen Anschluss für den Kompressor, einen Hebel und einen Griff zum Halten der Pistole. Drückt Sandra Buchmann den Hebel, wird Luft aus dem Kompressor in die Pistole gedrückt. Zieht sie den Hebel nach hinten, kommt die Farbe in den Luftkopf und wird durch die Luft, an der Nadel vorbei, auf die Leinwand gesprüht. „Nadeln und Düsen können bei den Pistolen ausgewechselt werden. Es gilt: Je dünner die Nadel, desto feiner werden die Linien beim Sprühen“, erklärt Sandra Buchmann. Sie hat in ihrer Sammlung mittlerweile sechs Pistolen. „Eine gute kostet um die 500 Euro. Es gibt sehr unterschiedliche Modelle, entscheidend ist: Wie liegt sie in der Hand? Und wie schwer ist sie?“

Eine Airbrush-Pistole lässt sich für viele verschiedene Arten des Airbrush anwenden – wichtig ist dabei die Farbe. Beim Bodypainting verwendet Sandra Buchmann beispielsweise kosmetisch geprüfte Farben. „Sie riechen nach Creme“, sagt sie und grinst. Nach einmaligen Duschen sind die Meisterwerke dann wieder abgewaschen. Gerade Bodypaintings machen der gebürtigen Ravensburgerin Spaß. „Dort habe ich die Möglichkeit, jemanden als anderes Wesen darzustellen.“ Ihr Traum: Bei der Bodypainting-Weltmeisterschaft in Österreich teilzunehmen. „Ich war schon zu Gast – das ist ganz abgefahren. Die Künstler bekommen ein Thema vorgegeben und haben dann fünf Stunden Zeit, ihre Models zu verwandeln. Es entstehen fantastische Figuren. Man hat das Gefühl, in eine ganz andere Welt einzutauchen.“

Von ihrer Kunst alleine kann Sandra Buchmann nicht leben. Hauptberuflich arbeitet sie seit vielen Jahren als Jugend- und Heimerzieherin im Zentrum Guter Hirte. „Der Beruf macht mir sehr viel Spaß. Es war aber auch immer meine Leidenschaft, mich kreativ auszuleben“, sagt sie. Maskenbildnerei und Facepaintings haben sie immer fasziniert, und vor einigen Jahren stieß sie im Internet auf Airbrush. „Anfangs war es nur ein Hobby“, erinnert sich Sandra Buchmann.

Vor sechs Jahren absolvierte sie einen Fachlehrgang im Airbrush bei der Akademie für Gestaltung, zertifiziert von der Handwerkskammer in Ulm. Dann wagte sie vor drei Jahren den Schritt zur professionellen Airbrush-Designerin und eröffnete ihr Studio. „Es wäre schön, halb im Atelier und halb im Zentrum Guter Hirte zu arbeiten“, sagt sie. Denn das Airbrush bietet ihr einen guten Ausgleich zur Arbeit als Jugenderzieherin: „Man muss sehr geduldig sein, so ein Bild ist nie schnell fertig. Es ist ein konzentriertes, fast schon meditatives Arbeiten. In meinem Kopf ist dann für nichts anderes Platz. Ich kann abschalten.“

Technik aus dem 19. Jahrhundert

Bezeichnung Übersetzt heißt Airbrush „Luftpinsel“, aber das Wort setzte sich im deutschen Sprachgebrauch nicht durch. Als Airbrush wird die Pistole, mit der die Farbe durch Luftdruck auf den Untergrund gesprüht wird, bezeichnet. Aber auch die Maltechnik und das entstandene Gemälde wird Airbrush genannt.

Ursprung Die Technik wurde, nach Angaben des Airbrush-Fachverbandes, im 19. Jahrhundert entwickelt. Damals wurden Fotos mit Airbrush koloriert und retuschiert. 1976 meldete der US-amerikanische Juwelier Abner Peeler das erste Patent einer Airbrush-Pistole an. Einer der ersten deutschen Airbrush-Künstler ist Gernot Bubenik.

Kurse Sandra Buchmann bietet in ihrem Studio Einsteiger- und Aufbaukurse im Airbrush an. Die Termine werden individuell festgelegt, die Teilnehmerzahl ist auf drei Personen begrenzt. Zu festen Terminen gibt sie auch größeren Gruppen im Kunsthandel Boesner in Neu-Ulm Kurse. Weitere Informationen unter www.sabu-design.de

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