Kunst für alle mit Steckdose und Müll-Loch

OTFRIED KÄPPELER 08.06.2013

"Kunst für alle!" verspricht ein Ausstellungsmodell für Ulm, das Martin Leibinger von der Kulturfahrschule in Zusammenarbeit mit dem Roxy ins Leben gerufen hat. Hinter dem so beuyshaft anmutenden Titel steht das Bemühen, den öffentlichen Raum mit partizipativer Kunst zu bespielen. Wenn es funktioniert, wird die Barriere zwischen Kunst und Betrachter aufgehoben, indem Letzterer aktiv eingreifen, sprich mitmischen darf, ja muss.

Für die erste Staffel dieses Ausstellungsmodells, das unter dem Motto "Wir sind die Stadt" steht, hat Leibinger vier Künstler beziehungsweise Künstlergruppen eingeladen, die vier Orte in Ulm bespielen. Da gibt es ab Sonntag den "Fehlkaufladen" (Hahnengasse 15) von Christiane Limper, in dem man Fehlkäufe - wer hat nicht schon mal ein Buch oder eine Hose gekauft, nur weil sie billig waren? - hinbringen oder auch umtauschen kann. Carly Schmitt will die Leute zu Graffitis auf der Wand an der Blau bewegen, Nicolas Vionnet und Wouter Sibum haben im "Müll-Loch" an der Herdbrücke (bei der geschlossenen öffentlichen Toilette), einen Springbrunnen eingerichtet. Und die Künstlergruppe "Das Department für öffentliche Erscheinungen" hat, quasi analog zum Stadtbrunnen als Ort des öffentlichen Treffs, auf dem Marktplatz eine öffentliche Steckdose installiert. Ob Toaster, Gitarre oder Radio, jeder kann an der orangen Säule mit Steckdosen etwas einstecken.Info Die Ausstellung wird morgen, Sonntag, 15 Uhr, bei der öffentlichen Steckdose am Marktplatz eröffnet.