Das Thema Vorsorgesparen S-Scala erhitzt derzeit die Gemüter vieler Kunden der Sparkasse Ulm. Die SÜDWEST PRESSE hatte vergangene Woche darüber berichtet, dass das regionale Institut die Kunden bedrängt, die lang laufenden Vorsorgeverträge namens S-Scala und damit auch die hohen Bonuszinssätze aufzugeben und stattdessen das Guthaben anderweitig anzulegen.

Mit den neuen Verträgen erhalten die Kunden für einen begrenzten Zeitraum Zinsen, die zwar über dem Marktdurchschnitt liegen (bis zu 3,75 Prozent), weitere Sparraten verzinst die Sparkasse aber nur noch mit 2 Prozent. Die alten S-Scala-Verträge, die die Kunden regelmäßig besparen, sehen aber einen Zinssatz von bis zu 3,5 Prozent vor. Daher verschlechtern sich viele S-Scala-Kunden, wenn sie sich auf das neue Angebot einlassen, sagen Verbraucherschützer.

 In den vergangenen Tagen meldeten sich reihenweise verärgerte Verbraucher, die dem Institut seit Jahrzehnten die Treue halten, in der Redaktion.  Sie sind wütend über die "rabiate Art" mancher Sparkassen-Mitarbeiter, fühlen sich bedrängt und falsch informiert. Aus den übereinstimmenden Berichten ergibt sich dieses Bild: Die Sparkasse ruft die Kunden mit S-Scala-Verträgen an, bestellt sie zu Terminen in die Filialen. Dort werden sie von Beratern dazu gedrängt, den Scala-Ratensparvertrag aufzugeben - auch mit dem Hinweis, die Sparkasse habe das Recht, die lang laufenden Verträge zu kündigen. Wer sich nicht schnell entscheide, könne nicht mehr auf das Alternativ-Angebot wechseln, heißt es. "Mein Berater hat mir fast gedroht: Wenn ich nicht zu dem Gespräch komme, wird mein Vertrag gekündigt", berichtet ein Rentner.

Sparkassenchef Manfred Oster versicherte indes, dass das Institut keinen Kunden zum Umstieg zwinge. Doch viele Kunden erleben das anders: "Ich fühle mich völlig verarscht", schimpft eine ältere Dame. "Den großen Banken kann man nicht vertrauen, neuerdings auch der Sparkasse nicht mehr."

Laut Niels Nauhauser, einem bundesweit anerkannten Anlageexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, kann die Sparkasse Ulm, die Verträge nicht kündigen. Die vereinbarten Laufzeiten seien für das Institut bindend, betont er. Die Sparkasse habe die Laufzeiten und die Bonuszinsstaffel fest vereinbart.

Auch Achim Tiffe, Direktor des renommierten Instituts für Finanzdienstleistungen (Hamburg), hält das Vorgehen für rechtlich nicht haltbar. Die Sparkasse habe damals Kunden mit einer variablen Grundverzinsung und festen laufzeitabhängigen Bonuszinsen in die Ratensparverträge gelockt. Dem S-Scala-Vertrag liege ein klar definiertes Ziel zugrunde, sind sich Nauhauser und Tiffe einig. Das zeigten die Aufkleber in den Sparbüchern: Der Vermerk, dass das Guthaben der dreimonatigen Kündigungsfrist unterliege, gelte für den Verbraucher, nicht aber für die Sparkasse. Selbst, wenn es eine Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen geben sollte, wäre diese nach seiner Einschätzung unwirksam, weil sie die Kunden unangemessen benachteilige, sagt Tiffe. "Ich würde mich nicht dazu drängen lassen, den Scala-Vertrag aufzugeben." Wenn die Sparkasse den Vertrag kündige, könnten Kunden eine Feststellungsklage erheben.

Nauhauser kündigte an, dass die Verbraucherzentrale die Sparkasse anschreiben werde und schriftlich Auskunft über die Rechtsgrundlage verlange. Den Kunden rät er, zu prüfen, inwiefern sie einen Schadenersatzanspruch wegen Falschberatung geltend machen können. Hier liege die Nachweispflicht allerdings bei den Kunden.

Unser Beispiel (Tabelle) Ende der 90er Jahre zeigt: In den ersten Jahren gab es für S-Scala keine Zinsen, im dritten und vierten Jahr 0,5 Prozent. Zum Vergleich: Mitte 1999 bot die Sparkasse 12 Monate Festgeld zu 2,75 Prozent an, für Sparbriefe (4 Jahre) waren es 3,75 Prozent. Die S-Scala-Kunden hatten dagegen in den ersten vier Jahren reale Einbußen, weil die Inflationsrate höher ausfiel. Je länger der Vertrag läuft, desto stattlicher die Zinsen.