Ulm Kulturstadt Ulm befragt sich selbst

JÜRGEN KANOLD 23.04.2016
Wofür steht eigentlich Ulm als "Kulturstadt"? Mit dieser und anderen Fragen beschäftigte sich ein Workshop der "Kulturentwicklungsplanung".

Die Werkhalle des Roxy als Aquarium? Kulturschaffende greifen im Goldfischglas zum Mikrofon? Und die anderen sitzen drumherum und beobachten, was sich drinnen bewegt? Blubb-blubb? Methodisch sind die Akteure, die an der "Kulturentwicklungsplanung Ulm 2016" arbeiten, vorne dabei. Auch ein so genanntes "Fishbowl" gehörte zum ersten Workshop.

Rund zehn Jahre nach der letzten Bestandsaufnahme mit anschließender Kulturdebatte will es die Stadt bekanntlich wieder wissen: Wie steht es mit der Ulmer Kultur? Was haben wir? Was wollen wir tun oder verändern? Ein Riesenthema. Die Kulturabteilung unter Sabrina Neumeister koordiniert den Prozess, das "Netzwerk Kulturberatung" unter Patrick S. Föhl ist eingeschaltet, auch die Stuttgarter Agentur "Kulturgold". Diese haben schon 25 Experteninterviews durchgeführt, eine "quantitative Online-Befragung" sowie eine Netzwerkanalyse unter Kulturschaffenden.

Und jetzt kommen die Workshops. Der erste im Roxy beschäftigte sich am Donnerstag mit solchen Fragen: Wie lässt sich die kulturelle Teilhabe im Dialog gestalten? Wie sichtbar ist eigentlich das kulturelle Angebot? Was macht mich traurig, was glücklich, wenn ich die Kultur in Ulm betrachte - was müsste sich ändern? Oder haben wir nur ein Wahrnehmungsproblem? Für wen machen wir eigentlich Kultur - wie können wir Studenten, Migranten, Flüchtlinge besser erreichen, einbinden? Geht es um einzelne Konsumenten - oder müssen nicht vielmehr Zielgruppen, Gemeinschaften angesprochen werden? Welche Rollen sollten die Kulturpolitik, der Arbeitskreis Kultur (AKK) und die Kulturverwaltung haben? Was ist eigentlich eine zeitgemäße Kulturentwicklung?

Die Ulmer Kulturmacherdichte war im Roxy beim Workshop beeindruckend hoch. Und es wurde in "World Cafés" auch heftig diskutiert. Dass man allein mit Schlagwörtern wie Leuchtturm, Partizipation oder Identifikation nicht weit kommt, diese Einsicht reifte unter den Mitwirkenden. Und schnell war klar, dass man zunächst klären muss: Wofür steht eigentlich Ulm als "Kulturstadt"? Dieses Etikett war das Ende und der Minimalkonsens der letzten Kulturdebatte gewesen.

In der öffentlichen "Fishbowl", einer Diskussionsrunde in eher trübem Gewässer, war dann der Wunsch nach einem optimalen Terminkalender, nach besserer Medienpräsenz und nach Kulturlotsen das Hauptthema. Die Kultur an sich, neue Ideen oder Projekte, spielte fast keine Rolle. Die spannende "Kulturentwicklungsplanung Ulm" - sie ist erst angelaufen.