Kultur Das Roxy sucht einen neuen Chef

Kehrt dem Roxy zum Saisonende den Rücken: Geschäftsführerin Laurence Nagel.
Kehrt dem Roxy zum Saisonende den Rücken: Geschäftsführerin Laurence Nagel. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Helmut Pusch 22.03.2018
Geschäftsführerin Laurence Nagel und Stellvertreterin Sara Thiele-Neff hören auf. Die Stelle ist bereits wieder ausgeschrieben.

Es ist fast auf den Tag genau acht Jahre her, dass die Gesellschafter der gemeinnützigen Roxy-GmbH Laurence Nagel zur Geschäftsführerin des soziokulturellen Zentrums in der Oberen Donaubastion gewählt haben. Die Leitung der Kulturhallen trat sie Anfang 2011 an. Jetzt muss sich das Roxy nach einer neuen Geschäftsführung umschauen. Laurence Nagel, die mittlerweile zweifache Mutter ist, hat zum Saisonende gekündigt. Und auch Sara Thiele-Neff, die sich mit Laurence Nagel und Michael Mutschler die Leitungsaufgaben geteilt hat, wird aus ihrer Elternzeit nicht in die Kulturhallen zurückkehren. Die Stelle des Geschäftsführers ist nun zum 1. September bundesweit ausgeschrieben.

Zwölf Hauptamtliche arbeiten im Roxy, für die Leitung der Kulturhallen sind zwei volle Stellen vorgesehen. Nagel und Mutschler arbeiten offiziell je 75 Prozent, Thiele-Neff 50 Prozent. Durch die Elternzeiten Nagels und Thiele-Neffs hatte sich das Ganze aber verschoben. De facto arbeitet Laurence Nagel derzeit 50 Prozent und Mutschler voll. Zum März sollte Laurence Nagel wieder auf 75 Prozent aufstocken. „Das schaffe ich aber in meiner derzeitigen Situation nicht“, sagt die 38-Jährige und hat nun die Konsequenzen gezogen und gekündigt – mit einem durchaus weinenden Auge: „Ich habe den Job gerne gemacht, mag meine Kollegen, und ich hinterlasse noch zwei, drei Baustellen, die ich gerne noch zu Ende gebracht hätte.“

Sieben erfolgreiche Jahre

Dabei kann Laurence Nagel stolz sein auf ihre Zeit beim Roxy: In sieben erfolgreichen Jahren hat Laurence Nagel das Roxy konsolidiert – finanziell wie inhaltlich. Die neuen Reihen wurden vom Publikum angenommen, manche Veranstaltungen wie die Poetry Slams und die montägliche Open Stage sind regelrechte Publikumsrenner und regelmäßig ausverkauft. Die Stadt hat ihre Subventionen auch auf ein Niveau angehoben, das endlich ein kontinuierliches Arbeiten erlaubt. Und das Roxy hat es in den vergangenen sieben Jahren auch geschafft, sich mit anderen Institutionen der Stadt zu vernetzen, wie etwa beim Tanzfestival Ulm moves, das vom Roxy, dem Stadthaus und dem Ulmer Zelt umgetrieben wird. Und das Roxy ist nun ein Produktionsort, der auch anderen die Möglichkeit bietet, die Ressourcen des Hauses zu nutzen, wie etwa das preisgekrönte integrative Heyoka-Theater.

Wie geht’s jetzt weiter? Die Gesellschafter der gemeinnützigen Roxy-GmbH haben die Stelle des Geschäftsführers ausgeschrieben. „Der soll sich um die Strategie, die Finanzen und das Personal kümmern. Die Programleitung soll bei Michael Mutschler bleiben“, sagt Günther Heiser. Der ist der stellvertretende Vorsitzende des Roxy-Vereins, der auch 50 Prozent der gGmbH-Anteile hält. Zusammen mit dem Vereinsvorsitzenden Andreas Gross organisiert Heiser die Suche nach einem neuen Geschäftsführer. „Wir schreiben die Stelle bundesweit aus. Zum einen, weil sich aus der näheren Umgebung bislang niemand bei uns gemeldet hat, andererseits sind wir aber auch gespannt, wer sich alles bewirbt und von woher. Das ist auch ein Maßstab dafür, wie man das Roxy außerhalb wahrnimmt“, sagt Heiser, der Nagels Ausscheiden sehr bedauert. Wie sieht der zeitliche Horizont aus? „Wir wollen das Ganze möglichst rasch in trockene Tücher bringen“, sagt Heiser, aber er rechnet mit mindestens zwei bis drei Monaten.

80.000 Besucher pro Jahr

Das Haus 1989 startete die Initiative Roxy mit einem alternativen Kulturzentrum in den ehemaligen Magirus-Fabrikhallen, in denen es bis heute aktiv ist. Aus dem ursprünglichen Trägerverein ist bereits vor Jahren eine gemeinnützige GmbH entstanden, die das Roxy umtreibt.

Personal Aktuell arbeiten insgesamt 70 bis 80 Menschen regelmäßig im Roxy, darunter zwölf Hauptamtliche, 20 Ehrenamtliche und 35 geringfügig Beschäftigte.

Kapazität Mit jährlich rund 80.000 Besuchern und 220 Veranstaltungen (Musik, Kabarett, Comedy, Literatur, Theater, Tanz und Bildende Kunst) gehört das Roxy zu den größten soziokulturellen Zentren Süddeutschlands.

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