Gebäude anders zu nutzen als ursprünglich geplant, ist Ziel einiger junger Ulmer Kulturschaffender, federführend der Kulturmanager Andreas Dukek-Haferkorn und der Grafikdesigner Martin Leibinger. Ihr jüngstes Projekt war, das eher negativ wahrgenommene Universum Center mit Aktionen zu beleben. Im Visier haben sie auch leerstehende Gebäude, von denen es in einer Stadt meist zahlreiche gibt - oft Baracken, die abgerissen werden sollen und bis dahin ungenutzt vor sich hin gammeln. Das nächste Projekt ist in dem seit einem Jahr leerstehenden Munk-Gebäude am Ehinger Tor angesiedelt, das Ende des Jahres abgerissen wird. Kulturfahrschule heißt das Ganze, "weil in dem Gebäude früher eine Fahrschule war", erklärt Dukek-Haferkorn. Das Thema Fahrschule zieht sich auch durch das Projekt-Konzept, das vier Hauptteile beinhaltet:

"Anfahren", die Eröffnungsausstellung an diesem Samstag, zu der auch eine Band spielen wird. Außerdem gibt es eine Foto-Aktion und T-Shirts können bedruckt werden. Beginn ist um 16 Uhr.

"Wenden in drei Zügen", die Wechselausstellung, die in den zahlreichen Räumen des Gebäudes zu sehen ist. Der Kontakt zu einem Großteil der Künstler wurde bereits im Universum Center geknüpft, berichtet Leibinger. Zunächst werden deren Werke gezeigt, sobald sich neue Künstler melden, wechselt die Ausstellung.

"Schulterblick", die Atelierausstellung zur Kulturnacht. Das geräumige Gebäude bietet nicht nur Raum für Ausstellungen, vielmehr sollen Künstler hier auch Ateliers finden. In der Kulturnacht am 15. September lassen sie sich bei der Arbeit zusehen.

"Spurwechsel", Kunst im öffentlichen Raum. Geplant sind Aktionen wie etwa der "Roboter-Flashmob" von Mark Klawikowski. Die über drei Meter großen Roboter-"Kostüme" aus Styropor werden zuvor in Workshops in der Kulturfahrschule gebaut.

Zudem sind die Räume frei für Workshops aller Art, angemeldet ist bereits einer für Capoeira-Trommeln. "Es sind nicht nur bildende Künstler willkommen", betont Leibinger. Im Grunde könne jeder anfragen, der etwas beitragen möchte.

Da so viel Kunst garantiert durstig macht, hat das Fruchtrausch-Team eine Filiale in dem Gebäude eröffnet und wird auch bei der Überwachung der Räume helfen und Schlüssel verwalten. Und wer statt auf Smoothies lieber auf Bier steht, findet selbiges an der Bar auf der großen Außenterrasse, die Stefan Bausenhart, Wirt der Stadt Heidenheim, betreibt.

Geplant ist also einiges, jetzt müssen nur noch die Besucher kommen. Dukek-Haferkorn und Leibinger hoffen auf zahlreiche Laufkundschaft, liegt die Kulturfahrschule doch zentral am Ehinger Tor. Volker Munk, der das Gebäude bis Ende September mietfrei zur Verfügung gestellt hat und auch einen Teil der Strom- und Wasserkosten übernehmen will, sieht das Projekt jedenfalls sehr positiv: "Es ist schön, wenn Industriebrachen eine zweite, unkommerzielle Nutzung erfahren." Lobend äußert sich Grünen-Stadträtin Annette Weinreich, die sich für das Projekt eingesetzt und es mit angeschoben hat, auch über die Stadtverwaltung. "Toll, dass das mit den Genehmigungen so kurzfristig auf dem kleinen Dienstweg geklappt hat."

Dass sie nach den ganzen Mühen in wenigen Monaten schon wieder aus ihrer Kulturfahrschule ausziehen müssen, sehen Dukek-Haferkorn und Leibinger im Übrigen sehr gelassen. "Städtischer Wandel ist auch eines unserer Themen." Auf Wandel, Flexibilität und spontane Aktionen sei folglich das gesamte Projekt ausgelegt. "Es soll sich immer etwas Neues ergeben." Und wie gesagt, kurzfristig leerstehende Bauwerke sollten in einer lebendigen Stadt keine Mangelware sein.