Interview Kultur zwischen Freiheit, Sponsoren und Ämtern

Andreas Dukek-Haferkorn von der Kulturfahrschule.
Andreas Dukek-Haferkorn von der Kulturfahrschule. © Foto: Christian Ippach
Ulm / AXEL HABERMEHL 05.10.2012
Aus dem Stand zur Stammadresse: Das provisorische Projekt "Kulturfahrschule" hat im Sommer in Ulm viele Fans gewonnen. Vergangenes Wochenende stieg die letzte Party am Ehinger Tor. Doch die Veranstalter wollen weitermachen. Gespräche über ein neues Haus laufen. Andreas Dukek-Haferkorn, einer der Macher der "Kulturfahrschule", über Bauamtsbeschlüsse, Sponsorensuche und städtische Kulturförderung.
Ursprünglich sollte am Sonntag im Ulmer Roxy eine Podiumsdiskussion zum Thema "Kultursponsoring" stattfinden. Unter dem Titel "Pure Leidenschaft oder Zweckehe?" wollten Vertreter der Stadt, der freien Kulturszene und der Wirtschaft diskutieren. Die Veranstaltung wurde zwar verschoben, wir haben trotzdem vorab mit Andreas Dukek-Haferkorn von der "Kulturfahrschule" gesprochen.

swp.de: Die Kulturfahrschule war die kulturelle Erfolgsgeschichte des Sommers in Ulm. Auch, weil die Zusammenarbeit mit den Behörden funktionierte. Viele Veranstalter klagen über Ärger mit der Stadt. Sie nicht. Wieso?

Andreas Dukek-Haferkorn: Es war so, dass Martin Leibinger (Co-Geschäftsführer der Kulturfahrschule) und ich von Annette Weinreich, die ja auch im Gemeinderat sitzt, gefragt wurden, ob wir uns vorstellen können, etwas im Nachbargemeinde des Universum-Centers zu machen. Dort war unser voriges Projekt "Info Punkt". Frau Weinreich hat dann den Eigentümer des Kulturfahrschule-Gebäudes überzeugt und über sie und das „Info Punkt“-Projekt hatten wir von Anfang an einen Draht ins Kulturamt. Wir haben es dann schnell mit dem Bauamt zu tun bekommen, weil wir umbauen wollten. Das war sehr herausfordernd, endete dann aber einer guten Zusammenarbeit. Beispielsweise hat das Bauamt erst eine Nutzung des Kellers ausgeschlossen, dann hatten wir leider Ärger mit Nachbarn wegen des Lärms. Und dann haben sich das Ordnungsamt und das Kulturamt beim Bauamt für uns eingesetzt, so dass uns der Keller genehmigt wurde. Das war im Sinne von allen Beteiligten. Ich kann mich dann an ein Gespräch mit einer Nachbarin erinnern, die rübergekommen ist und uns gratuliert und sich bedankt hat.

Genehmigungen sind eine Voraussetzung. Eine andere ist Geld.

Dukek-Haferkorn: Ja, am Anfang haben wir das meiste aus Eigenkapital vorgestreckt. Dann hatten wir Gott sei Dank tolle Leute an der Hand, die uns geholfen haben. Beim Internet, mit dem Sound, beim Layouten, mit der Betreuung der Künstler. Da haben wir auch viel selbst gemacht. Wir haben dann gezielt Sponsoren gesucht und sind leider bei vielen auf das selbe Problem gestoßen: Viele Fördergelder werden am Ende des Jahres verplant, die Töpfe waren leer. Zum Glück haben wir aber doch ein paar kulturbegeisterte Sponsoren gefunden, zum Beispiel bei der FUG, den Stadtwerken und dem Kulturamt. Das waren Beträge, mit denen man etwas anfangen konnte. Aber nicht, um große Gagen oder Honorare zu zahlen. Im Nachhinein konnten wir die laufenden Kosten decken, aber ohne ehrenamtliche Arbeit hätte es alles nicht funktioniert. Und das sollte sich für die Zukunft ändern, denn was hier passiert ist, ist einfach gigantisch.

Was genau müsste sich dafür ändern?

Dukek-Haferkorn: Eine noch engere Zusammenarbeit mit der Stadt wäre wünschenswert. Eventuell, dass man uns ein Objekt zur Verfügung stellt. Gerne auch wieder temporär, damit die Kulturfahrschule weiterfahren kann. Es gab da schon Gespräche über eine Nutzung des alten TFU-Gebäudes. Ich fände dieLage an der B 10 im Dichterviertel am besten, aber auch der Bahnhof wäre interessant. Das alte Autohaus-Reisacher-Gebäude beispielsweise an der B 10 wäre absolut prädestiniert für Ateliers, Proberäume und für Veranstaltungen. Es gibt kaum Nachbarn und die B 10 sorgt für einen gewissen Lärmpegel. Da wären auch Veranstaltungen im Open-Air-Bereich möglich.

Was könnte sich auf Seiten der Verwaltung ändern, um Kultur in Ulm besser zu fördern?

Dukek-Haferkorn: Viele Städte haben ja einen Kulturbeauftragten, der Ansprechpartner für Leute ist, die was machen wollen. Dadurch kann immens viel Geld, Zeit und Nerven gespart werden. So was gibt es hier in Ulm nicht. Ich denke aber, das wäre für Ulm sehr interessant.