Kultmarke Afri Cola kommt in die Regale

In der Produktion am Veitsbrunnenweg ist die Umstellung von Pepsi auf Afri Cola angelaufen. Brauereichefin Ulrike Freund und Frank Schlagenhauf, verantwortlich für nicht-alkoholische Getränke, zeigen die neuen taillierten Flaschen.
In der Produktion am Veitsbrunnenweg ist die Umstellung von Pepsi auf Afri Cola angelaufen. Brauereichefin Ulrike Freund und Frank Schlagenhauf, verantwortlich für nicht-alkoholische Getränke, zeigen die neuen taillierten Flaschen. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Von Frank König 30.12.2016

Für das Ulmer Traditionsunternehmen Gold Ochsen markiert der Jahreswechsel 2016/2017 eine Zäsur. Die Brauerei verliert nach 50 Jahren die Konzession für Pepsi und stellt zum Jahresanfang auf die Marken Afri Cola und Bluna um. Die letzte Charge mit Pepsi-Produkten wurde im Veitsbrunnenweg am 21. Dezember abgefüllt, berichtete Brauereichefin Ulrike Freund: mit nochmals 400 Hektolitern für drei Lkw-Züge. Vom 2. Januar an transportieren die Lastwagen nur noch die neue Palette nicht-alkoholischer Getränke, auf die Gold Ochsen, wie berichtet, gemeinsam mit den anderen ehemaligen Pepsi-Konzessionären umgestellt hat. Pepsi hatte die Konzession 2013 bundesweit neu an Radeberger vergeben – mit längeren Übergangsfristen.

Gold Ochsen startet mit Schwung in die neue Ära: Der Marketing-Slogan lautet auch mit Blick auf die legendäre Afri-Werbung von Charles Wilp aus den siebziger Jahren: „Der Kult ist zurück.“ Für die Gold-Ochsen-Tochter Ulmer Getränkevertrieb sagte Frank Schlagenhauf: „Das ist unser neuer Schlachtruf.“ Die Markenrechte für die Produktpalette liegen bei Mineralbrunnen Überkingen-Teinach. Afri Cola wurde Anfang der dreißiger Jahre in Deutschland als Alternative zu Coca Cola entwickelt.

Hohe Investitionen

Allein für die technische Umstellung auf Afri und Bluna nimmt Gold Ochsen fünf Millionen Euro in die Hand. Die Firma musste natürlich neue Flaschen und Großbehälter für die Gastronomie anschaffen. Auch die Abfüll- und Schankanlagen müssen umgerüstet werden. Dazu kommen Marketingkosten, die nach oben offen sind. Hier geht es nicht nur um Werbung für Verbraucher, sondern um neue Displays für rund 2000 Automaten und Kühlschränke und den Austausch von 4000 Sonnenschirmen. Das reicht hin bis zu Zuschüssen für Gastronomen, die ihre Getränkekarten neu drucken müssen. Die ersten Reaktionen aus der Gastronomie sind freilich positiv, erläuterte Ulrike Freund – nicht nur aus der Region, sondern beispielsweise auch von den Oberstdorf-Bahnen wie Fellhorn und Nebelhorn, die Gold Ochsen beliefert.

Ungeachtet dessen ist die Umstellung mit Unsicherheiten verbunden. Ulrike Freund: „Das bedeutet eine deutliche Belastung für die Brauerei.“ Es gibt Großabnehmer, die vertraglich an Pepsi gebunden sind und die als Kunden wegfallen. Die Brauerei geht jedoch davon aus, dass sie langfristig rund 80 Prozent des Absatzvolumens bei nicht-alkoholischen Getränken halten kann. Um die Übergangszeit zu bewältigen, wurden rechtzeitig Finanzreserven gebildet. Das Personal soll im Zuge einer Pensionierungswelle 2017 von derzeit 196 auf 180 Mitarbeiter abgeschmolzen werden.

Alle Anstrengungen laufen darauf hin, die Brauerei, die eines der ältesten Unternehmen in Ulm ist, langfristig in Familienhand zu halten. Es zeichnet sich auch schon eine Nachfolge aus dem Kreis der Geschwister der Brauereichefin ab.

Ungeachtet der Situation mit Pepsi – Gold Ochsen war seit 1966, also 50 Jahre als Abfüller für den US-Konzern tätig – wächst die Brauerei derzeit in der Sparte Bier, auch mit Varianten wie Oxx Sport: „Wir wachsen gegen den Trend“, betont Schlagenhauf. Ulrike Freund sieht den Grund in der Zugkraft von Gold Ochsen: „Wir sind eine starke Marke.“

Die Bedeutung nicht-alkoholischer Getränke ist allerdings erheblich. Bei der Bekanntgabe der Umstellung auf Afri 2015 hieß es, dass etwa zwei Drittel der Produktion auf diese Sparte entfällt. Der Absatz läuft zu 70 Prozent über den Getränkehandel, dazu kommen die Gaststätten. Gold Ochsen selber besitzt 40 Lokale.

Daten und Fakten zu Gold Ochsen

Gründungsjahr 1597 Die Brauerei Gold Ochsen wurde 1597 in der Herdbruckerstraße gegründet. Der Ausstoß beträgt rund 600 000 Hektoliter. Die Brauerei hat, auch nach dem großen Brand 2003, immer wieder in Tanks und Abfüll-Linien investiert. Es gab oft Preise, darunter von Ex-Partner Pepsi, für die betriebliche Qualität. Das Thema soll ausgebaut werden: mit eigenem Personal für Schanktechnik, bis zum richtigen Spülen und Einschenken von Gläsern. Für das vernachlässigte Thema will Gold Ochsen Schulungen für Gaststätten veranstalten.

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