Kurz vor Ruhestand IHK-Präsident Kulitz knüpft weiter Netzwerke

Peter Kulitz gut gelaunt beim Interview im Café Kornhauskeller. Zum Abschied posierte er mit seinem Kollegen Heinrich Grieshaber (Weingarten) fürs IHK-Magazin vor dem Reichstag.
Peter Kulitz gut gelaunt beim Interview im Café Kornhauskeller. Zum Abschied posierte er mit seinem Kollegen Heinrich Grieshaber (Weingarten) fürs IHK-Magazin vor dem Reichstag. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Frank König 20.07.2018
Der Präsident übergibt das Amt nach 15 Jahren an den Nachfolger. Er hat weiter viele Mandate: „Ich falle in kein Loch“.

Seit 15 Jahren Präsident der Industrie- und Handelskammer Ulm, sechs Jahre Präsident der zwölf Landeskammern in Stuttgart, annähernd 100 Delegationsreisen in alle Welt. Wenn Peter Kulitz (66) am Dienstag nach Schwörmontag sein Amt an den am selben Tag gewählten Nachfolger übergibt, nimmt er viel Erfahrung mit in den Ruhestand – der im Falle des omnipräsenten Netzwerkers natürlich nichts anderes als den lückenlosen Anschluss an alte und neue Aufgaben bedeutet. „Die eigentlichen Assets sind die Begegnungen, der Austausch, die Netzwerke“, resümiert der polyglotte Kulitz beim Abschiedstalk.

Das möchte er gerne im Rahmen der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen an junge Familienunternehmer weitergeben. Die Wirtschaft dürfe sich keinesfalls abschotten, sondern müsse in einer „positiven Kommunikation“ ihre Interessen öffentlich vertreten. Auch ohne ein solches wissenschaftliches Mandat dürfte es Kulitz nicht langweilig werden. Er ist weiter Hauptgesellschafter des Spezialisten für Absaugtechnik Esta (Senden) mit über 200 Mitarbeitern, außerdem Partner der Anwaltssozietät Oelmayer und Kulitz, Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank, bei Scherr + Klimke und Zimmer, vor allem jedoch Vorsitzender des DIHK-Außenwirtschaftsausschusses in Berlin: mit Zuständigkeit für 140 Außenhandelskammern in 46 Ländern, allein sieben in den Vereinigten Staaten, wo seine Tochter Jessica – neuerdings auch mit Sitz in der IHK-Vollversammlung in Ulm – die Auslandsniederlassung von Esta betreut. So schmunzelt Kulitz, wenn ihm vorausgesagt wird, er werde nach Auslaufen des IHK-Mandats in ein Loch fallen: „Ich kann kein Loch erkennen.“

Jedenfalls dürfte Kulitz ganz locker Stammgast in der Lufthansa-Businessclass bleiben. So war er dieses Jahr nicht nur, wie berichtet, mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf dem Balkan, sondern hat das Büro der deutschen Wirtschaft in Sri Lanka mit eröffnet. Mit Kanzlerin Angela Merkel war er schon in Indien, mit dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck in Südamerika, mit Sigmar Gabriel auf Kuba, mit Annette Schavan auf einem seiner Israel-Besuche.

„Es gibt keinen Grund zur Panik“

Das bedeutet aber nicht, dass Kulitz im wahrsten Sinne des Wortes abgehoben wäre. Er hat die IHK-Region Ulm, Alb-Donau und Biberach weiter im Blick, mit der aus seiner Sicht „sehr guten Wirtschaftsstruktur“. Daher macht ihm auch der Verlust  der Daimler-Forschung und von Conti in der Ulmer Wissenschaftsstadt – mit Werkstudenten wandern mehr als 1000 Jobs ab  – keine größeren Sorgen: „Da besteht kein Grund zur Panik.“ Denn es gebe Mittelständler wie Uzin oder die Speditionen Noerpel, Honold und Seifert, „die richtig Gas geben“.

Kulitz ist bereits zu Beginn seiner zweimal verlängerten Amtszeit – 2013 nur durch eine Ausnahmeregelung, die Lex Kulitz – mit sehr klaren Vorstellungen angetreten. Er wollte in erster Linie ein „politischer Präsident sein“ und hat dies trotz Gerichtsprozessen wegen seiner Vorreiterrolle pro Stuttgart 21 bis heute durchgezogen. Es müsse möglich sein, in einer solchen Position eine eigene Meinung zu vertreten.

Schließlich repräsentiere er die Unternehmer und sei nicht nur Funktionär. Kulitz vertritt 44.000 Firmen in Ulm, in Stuttgart waren es landesweit 650.000: „Es wurde mir erst im Lauf der Zeit klar, was man mit einem solchen Apparat anfangen kann.“

Wichtige Versprechen erfüllt

Vor allem auf regionaler Ebene hat Kulitz keine leeren Versprechungen gemacht, sondern geliefert: an vorderster Stelle mit der Internationalen Schule, die er beim ersten „Indian Summer“ der Kammern Ulm und Augsburg vorgeschlagen hatte. Damals sei Christine Knittel vom gleichnamigen Recycling-Unternehmen in Vöhringen als erste auf ihn zugekommen, um den Nachwuchs anzumelden. Der Herbst­empfang „Indian Summer“ ist für Kulitz Beweis dafür, dass auch seine Idee für ein grenzüberschreitendes „Condominium“ mit Bayerisch-Schwaben und vor allem Neu-Ulm auf gutem Weg ist.

So ist es kein Geheimnis, dass sich die Aufmerksamkeit von Kulitz – nicht nur wegen des DIHK – verstärkt auf Berlin richtet, weil auch sein Sohn Alexander nun für die FDP im Bundestag sitzt. Mit ihm war er beim St. Petersburger Wirtschaftsforum: Der Sohn tritt in die Fußstapfen des Vaters.

Der Jurist hat viele Ämter

Vita Peter Kulitz stammt aus Mindelheim und hat mit seiner Frau Ulrike fünf Kinder.  Der Jurist war mit Ivo Gönner Rechtsreferendar, seine Eltern hatten einen Supermarkt in der amerikanischen Wiley-Kaserne. Kulitz leitet sodann seit 1997 das Unternehmen Esta, das neben Absauganlagen auch Schwimmbäder baut. Der Waldorf-Schüler hat zahlreiche Ämter, er sitzt beispielsweise auch im Verwaltungsrat der Landeskreditbank und ist zudem Vorsitzender des Programmausschusses Information beim SWR.

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