Manchmal kann Kunst auch zu ganz praktischen Ergebnissen führen: Im Rahmen des Kultur-Projekts „Pop-up-Space“ auf der Wilhelmsburg ist das „Ulmer Nest“ entstanden, der Prototyp eines Erfrierungsschutzes für wohnungslose Menschen in Form eines fünfeckigen Zelts aus Holz, in dem eine Person übernachten kann.

Holger Hördt und Franziska Vogel von der Abteilung Soziales der Stadt Ulm hatten dem Künstler-Kollektiv im Oktober die Aufgabe gestellt, sich Gedanken über einen Erfrierungsschutz zu machen, der etwas Privatsphäre bietet. Hördt, in der Abteilung Soziales für die Fachplanung Wohnen zuständig, erläutert die Aufgabe so: „In Ulm gibt es das DRK-Übernachtungsheim für Obdachlose. Aber es gibt auch Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen dort nicht hinwollen: Weil sie nicht mit anderen in einem Raum schlafen möchten oder weil sie einen Hund haben.“

Jeden Winter kommt das Problem auf: Wenn es richtig kalt wird, suchen Wohnungslose Schutz. Eine Möglichkeit haben sie am Bahnhof. In Absprache mit Stadt und Bahnpolizei dürfen sie dort übernachten, Schlafsäcke gibt es von der Bahnhofsmission oder vom Roten Kreuz. Aber auch im Bahnhof gibt es keine Privatsphäre.

48 Stunden hatte das Künstlerkollektiv auf der Wilhelmsburg Zeit, einen Lösungsvorschlag zu machen und diesen in die Tat umzusetzen. Das „Ulmer Nest“ ist etwa 2,50 Meter lang, so dass man am Boden seinen Schlafsack ausrollen kann. Breit und hoch ist der wabenförmige Schlauch ungefähr 80 Zentimeter, so dass er ein bequemes Sitzen ermöglicht. Vorgeschlagen haben die Künstler, das Ding aus Alu-Verbundmaterial zu bauen, ein fest verglastes Fenster einzusetzen, ebenso Lüftungsschlitze und eine minimale Stromversorgung über eine Batterie.

Holger Hördt ist angetan von der Grundidee: „Momentan ist es aber lediglich ein Prototyp.“ Soll heißen: In den Fachgremien wird die Idee jetzt weiterverfolgt und diskutiert, wie tauglich die Erfindung in der Praxis ist. „Da sind aktuell noch tausend Fragen offen. Wir müssen schauen, was wir daraus machen können.“ Ziel sei das Aufstellen eines Konzepts, wie eine Umsetzung in die Realität geschehen könnte. „Dann könnten wir damit in die Gremien gehen und weiter beraten.“

Für diesen Winter ist das „Ulmer Nest“ also noch Zukunftsmusik. Da bleibt den Betroffenen also nur das Übernachtungsheim oder der Bahnhof.

Info Ein Video zur Entstehung des „Ulmer Nests“ ist zu sehen unter: https://www.facebook.com/wilhelmsbuero/posts/551643335306598