Theater Ulm Künftiger Schauspieldirektor Brandis stellt sich vor

Die Krönung zum Schauspieldirektor steht noch bevor, aber Jasper Brandis macht schon mal den Spaß mit. Die Orgel gehört zum Bühnenbild von „Die Krönung Richards III.“.
Die Krönung zum Schauspieldirektor steht noch bevor, aber Jasper Brandis macht schon mal den Spaß mit. Die Orgel gehört zum Bühnenbild von „Die Krönung Richards III.“. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Magdi Aboul-Kheir 14.03.2018
Jasper Brandis wird in der nächsten Spielzeit Schauspieldirektor. Jetzt bringt er aber erstmal Hans Henny Jahnns Drama „Die Krönungs Richard III.“ auf die Bühne.

Über Sprache sprechen. Jasper Brandis liebt es. Sprache auf der Bühne zum Ereignis machen. Jasper Brandis kann es, das hat er schon 2016 mit seiner Inszenierung von „Kasimir und Karoline“ am Theater Ulm gezeigt. Und morgen feiert Hans Henny Jahnns „Die Krönung Richards III.“ Premiere, aber nun ist Brandis nicht nur als Regisseur in Ulm, sondern auch als Schauspieldirektor in spe. Er gehört zum Leitungsteam von Intendant Kay Metzger, das im September loslegt. Daher lerne er das Haus jetzt schon ganz anders kennen, „man schaut mehr auf Strukturen“.

Seit 1999 arbeitet Brandis, der erst Jura studierte und dann zum Theater fand, als freier Regisseur. Wichtige Arbeiten waren „Warten auf Godot“ in Göttingen, „Jenseits von Eden“ in Lüneburg, auch das Kinderstück „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ in Bonn. Und eben nicht zu vergessen „Kasimir und Karoline“ in Ulm, eine dichte, tieftraurige Inszenierung.

Er habe in all den Jahren durchaus „den Luxus genossen, von außen zu kommen, über ein Haus zu schimpfen und wieder abzudampfen“, wie er sagt – und dann grinst. Nun aber habe er ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten, „und das fühlt sich gut an“. Tatsächlich habe er nicht lange nachdenken müssen, als im vergangenen Sommer Kay Metzgers Anruf kam. Ganz ehrlich: „Ich habe mir schon ein paar Jahre gewünscht, dass man mich mal fragt.“

Metzger schätzt ihn schon länger; in dessen Detmolder Landestheater hat der 1971 in New York geborene, bislang überwiegend in Hamburg lebende Brandis den „Faust“ auf die Bühne gebracht und auch die Musical-Komödie „Non(s)sens“.  Nach dem Jahnn-­Drama in Ulm inszeniert er dort noch eine „Odyssee“-Neufassung John von Düffels.

Das Motto der ersten Ulmer Metzger-Spielzeit – „Bürgerlichkeit“ – findet Brandis äußerst reizvoll. Zum Saisonauftakt wird er „Die Räuber“ auf die Bühne bringen, der Schiller sei zu dem Motto geradezu ein „Knallerstück“. Dann wird er Georg Kaisers  „Von morgens bis mitternachts“ inszenieren, „das schleppe ich schon seit Jahren mit mir herum“. Und schließlich Johannes Nabers „Zeit der Kannibalen“, ein lustig-böser Text über entsolidarisierten Individualismus.

Zu viele solcher Well-Made-Plays mag Brandis freilich nicht, er will „weg von klebrigem Naturalismus und Küchentisch-Psychologie“. Als Schauspieldirektor zieht es ihn zu „originär theatralen Stoffen“. Er will Mut zur Überhöhung, zu Pathos und großen Gefühlen zeigen, auf Form setzen und, ja, seinem „Fetisch Sprache“ Raum geben.

Zumutung im besten Sinn

Dem kann er auch schon bei der „Krönung Richards III.“ frönen. Jahnns krude, monologische, zugleich sehr musikalische Sprache habe ihn angezogen, er will „diese Sprachkaskaden erfahrbar machen“. Der Text sei wie eine Partitur voller Cluster, die sich aneinanderreihen.

Die 160 Seiten des Dramas, die ungekürzt acht oder mehr Stunden Theater bedeuten, hat er auf ein Viertel eingedampft, aber es war ein langwieriger Prozess, „das Ding zu durchdringen, manchmal war ich verzweifelt“. Drei Stunden inklusive Pause wird der Abend nun dauern, „und das braucht’s auch“.

Mit Shakespeares „Richard III.“ hat das Ganze recht wenig zu tun, Jahnn distanziert sich von dessen Figur und Form. Brandis interessiert die Introspektion des Charakters, dessen Hybris und Arroganz, der Schmerz und die Zerbrechlichkeit. Das alles teile sie wohl mit dem Autor, diesem kompromisslos-sperrigem Außenseiter. Das Stück sei „eine Zumutung im besten Sinn“, findet Brandis, und in seinen Worten klingt das wie ein Versprechen.

Morgen ist Premiere

Schauspiel Die historische Tragödie „Die Krönung Richards III.“, die morgen, Donnerstag, 20 Uhr, am Theater Ulm Premiere feiert, klingt nach Shakespeare, ist aber von Hans Henny Jahnn 1921 verfasst worden.

Geschichte Das im Schatten des Ersten Weltkrieges entstandene Stück hadert mit der abgrundtiefen Dunkelheit des Menschen, in die kein Strahl der Aufklärung hineinfällt. Der Mensch ist für Jahnn ein destruktives Tier voller Begehren, Schmerz und Todesfurcht, das seinen Geist nur zur Zerstörung der Natur und seiner Mitwelt benutzt. Der englische Hof ist hier ein Zirkus der Abnormitäten, die Mächtigen leben ihre Begierden aus. Richard genießt den blutigen Aufstieg nicht, er wird von Gewissensnöten gepeinigt – und tut dennoch das Ungeheuerliche.

Inszenierung Regie führt der künftige Schauspieldirektor des Theaters Ulm, Jasper Brandis, Bühne und Kostüme sind von Andreas Freichels.

Besetzung Tini Prüfert (Elisabeth), Fabian Gröver (Richard), Stefan Maaß, Benedikt Paulun, Florian Stern, Gunther Nickles, Jakob Egger, Timo Ben Schöfer, Franziska Maria Pößl und Aglaja Stadelmann; Statisterie

Aufführungsdauer Rund drei Stunden inklusive einer Pause.

Nachtkritik Rund eine Stunde nach Ende der Premiere gibt es eine Kurzkritikunter www.swp.de

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