Milch Kühnle-Hof setzt auf neue Technik beim Milchholen

Mittlerweile holt Irmgard Gutzer die „Milch vom Bauern“ aus einem Automaten.
Mittlerweile holt Irmgard Gutzer die „Milch vom Bauern“ aus einem Automaten. © Foto: Franz Glogger
FRANZ GLOGGER 15.09.2016
Wissen, woher meine Milch kommt. Für Irmgard Gutzer aus Unterweiler kein Problem. Sie geht zum Kühnle-Hof in der Nachbarschaft - seit 44 Jahren.

Die Milch macht’s. Davon ist Irmgard Gutzer aus Unterweiler überzeugt. Ob schmackhafte Milchspeisen, Pudding, einen Kaiserschmarren, zum Kuchenbacken oder in den Kaffee zur Abrundung: „Keine Milch im Haus zu haben kann ich mir gar nicht vorstellen“, sagt die 86-Jährige. Auf frische Milch direkt vom Bauern steht sie besonders.

In Unterweiler war das früher auch gar kein Problem. Man ging zur Molke und holte sich eine Kanne voll. Als aber Anfang der 70er Jahre die Sammelstelle schloss und das Milchwerk nur noch direkt bei den Landwirten vorfuhr hatte sie ein Problem. „Da fragte ich bei den Kühnles, ob ich bei ihnen Milch bekomme“, erinnert sich die Seniorin.

Die Milchbauernfamilie war gern behilflich. Aus dem großen Sammelbehälter wurde abgeschöpft, was benötigt wurde. 1972 ging sie erstmals zum Seniorbauern, nun schon viele Jahre zu Karl Eugen Kühnle. „Da weiß man einfach was man bekommt“, sagt Irmgard Gutzer. Noch mehr, seit Kühnle seinen 75 Tiere umfassenden Hof nach den Richtlinien von „Bioland“ umgestellt hat.

„Uns hat es immer gefreut, wenn Frau Gutzer auf den Hof kam“, sagt der heutige Betriebsinhaber. Manchmal musste sie allerdings ein zweites Mal kommen, weil alle auf dem Feld beschäftigt waren oder warten, bis jemand Zeit hatte.

Die Zeiten sind für beide Seiten seit einigen Wochen vorbei. Karl Eugen Kühnle hat sich einen modernen Milchautomaten angeschafft. Das in Edelstahl blinkende High-Tech-Gerät steht in einem extra errichteten Holzhäuschen vor dem Haus an der Ortsdurchfahrt Brunnenstraße und funktioniert ganz simpel, findet auch Irmgard Gutzer. Münzen oder Schein – bis 20 Euro – eingeben, Klappe der Ausgabe öffnen, mitgebrachten Behälter leicht schräg unter die Düse halten, den Ausgabeknopf so lange drücken, bis die gewünschte Menge erreicht ist, Behältnis entnehmen, Wechselgeldknopf drücken.

Der Automat ist geeicht und rechnet 5 Cent genau ab, bei einem Literpreis von einem Euro Bioqualität. Nach dem Schließen der Klappe ist noch das Summen der Reinigung zu hören, die nach jedem Vorgang einsetzt. Die Milch in dem Automatenbehälter wird ständig frischegekühlt, der Behälter täglich gereinigt und neu befüllt.

Kühnle nennt mehrere Gründe, die zu der 15 000 Euro teuren Investition geführt haben. Kunden könnten sich nun rund um die Uhr bedienen, ganz wie es ihnen passt. Weiter käme er denen entgegen, die aus der Befürchtung heraus, sie könnten den Betriebsablauf stören, sich nicht trauten anzuklopfen. Das habe die Familie zwar nie so empfunden – „wir hatten halt Zeit oder nicht“ –, aber nun könnte auch sie ihrer Arbeit nachgehen, wie es zum Ablauf am Besten passt. Schlussendlich seien ihm auch die ökologischen Aspekte wichtig. Kühnle nennt kurze Einkaufswege, kein Produzieren von Müll und nicht zuletzt den Leuten zu zeigen, welch hohe bäuerliche Qualität vor der Haustür zu haben ist.

Die Inbetriebnahme mit einem kleinen Fest war ein voller Erfolg. Es gab Rote vom Grill, Kuchen und Kaffee. „Wir waren total überrascht, wer sich alles für das neue Angebot interessierte“, sagt Kühnle. Besonders freut ihn, dass nun viele Fragen zur Arbeit auf dem Hof stellen, wie Tiere gehalten werden und sich dann oft wundern, wie hochwertig Lebensmittel hergestellt werden.

„Ich könnten den ganzen Tag hier stehen, und mit den Leuten reden“, sagt Kühnle erfreut. Im Übrigen: Wer sich spontan entschließt, bei den Kühnles vorbeizufahren und keinen Behälter dabei hat: Für den stehen Flaschen bereit.