Ein Montagabend im Juni. Nach Wochen der Enthaltsamkeit hat die Sonne Ulm endlich etwas aufgeheizt. Ein bisschen Abkühlung könnte jetzt nicht schaden. Wie kalt die Seen in der Region wohl gerade sind? Gemeinsam mit einigen ausgebildeten Rettungstauchern der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) Ulm werde ich das heute testen. Uwe, Leiter Einsatz, und Oli, Ausbilder der Strömungsretter, sowie Jojo und Jonas, zwei frisch ausgebildete Einsatztaucher, nehmen mich mit zum Gurrensee. Er liegt zwischen Senden und Neu-Ulm und ist aufgrund seiner klaren Sichtbedingungen und der guten Wasserqualität ein wahrer Hotspot für Taucher.

Das Geheimnis des roten Opels

Wie hoch die Chancen stehen, auf dem Grund etwas zu finden? „Die Aussichten, einen Schatz zu heben oder einen kuriosen Fund zu machen, sind gar nicht mal so gering“, wie Oli erklärt. 1992 hat ein Trupp der Ulmer Rettungsschwimmer einen alten roten Opel in der Donau entdeckt. Im Inneren des Autos fand der Einsatztrupp einen Aal und die Knochen eines Mannes. Erst zwei pensionierte Polizisten konnten den Mann später identifizieren. Er galt seit 1962 als vermisst. Die Fenster waren heruntergekurbelt. So konnte das Fahrzeug leichter sinken. War es ein Verbrechen? Selbstmord? Das bleibt bis zum heutigen Tag ein Rätsel. In jedem Fall war der 62-jährige Schuster zu einer Fahrt aufgebrochen, die erst 30 Jahre später enden sollte.

Auf den Grund gegangen

Im Gurrensee überrascht die Aussicht. Kleine Fischchen wirbeln aufgescheucht und neugierig durch das Gewässer. Auf dem Grund: ein Hecht mit einer geschätzten Länge von anderthalb Metern. Uwe stupst mich an und zeigt auf den Fisch. Unbeweglich harrt dieser auf der Stelle aus. Vermutlich ist er auf der Lauer. Wir tauchen weiter und entdecken einen weiteren, kurios anmutenden Fisch, für den ich mich sofort begeistere. Zurück am Ufer ragt hinter mir ein Fischkopf aus dem Wasser. Der eigentümliche Fisch, den wir auf dem Grund gesehen haben. „Ist das ein Katzenhai?“ Oli steht an Land. Die anderen Taucher sind für eine weitere Übung noch einmal ausgerückt. Jetzt schwimmt der Fisch in langsam-schlängelnden Kapriolen seine Runden um mich, erinnert dabei tatsächlich ein bisschen an einen Hai. „Es ist ein Stör“, sagt Uwe, der mit den anderen zurückgekehrt ist. Warum sich dieser so zutraulich verhält? Dafür findet Uwes Mannschaft keine Erklärung. Ein letztes Mal inspiziert der Stör das Ufer, bevor er sich wieder auf den Grund des Sees verabschiedet.

Ein besonderer Fund

Ich recherchiere die Fischart später und finde heraus, dass der Stör hier eigentlich gar nicht mehr existieren dürfte. In Baden-Württemberg? Kein Vorkommen. So behauptet es zumindest das Internet. Der Gurrensee bildet aufgrund seiner Reinheit eine absolute Ausnahme und für den Stör damit die Möglichkeit, eine zweite Heimat zu finden.

Ulmer Wasserhelden

Seit 100 Jahren lehrt die DLRG Ulm den Umgang in strömenden und dunklen Gewässern. Die Rettungsschwimmer haben im Lauf der Jahrzehnte unzählige Menschen aus Notlagen befreit und aus den verschiedensten Gewässern geborgen, stets dabei bemüht, das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur aufrechtzuerhalten. Vor 100 Jahren mit einigen schwimmsportbegeisterten Damen und Herren und einer Ausbildung durch die königlich-württembergische Schwimmschule begonnen, hat sich bis heute an der Motivation der Ulmer Rettungsschwimmer nichts geändert. Mit großem Einsatz verwirklichen die Ehrenamtlichen ihr Motto: „Jeder Nichtschwimmer ein Schwimmer, jeder Schwimmer ein Rettungsschwimmer.“ Der Wunsch der Unterwasserhelden? „Nachwuchs!“ Wer Abenteuer im Wasser mag und mehrmals wöchentlich Zeit für ein Hobby findet, der kann sich den Ulmer Rettungsschwimmern anschließen:
[Frizz]